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28.04.2010
 

Staatspleite-Szenario

Griechen-Krise lässt Weltbörsen taumeln

Minuszeichen auf Kurskarte in Tokio: "Wenn die EU nicht schnell entscheidet, wird der Markt weiter fallen"Zur Großansicht
AFP

Minuszeichen auf Kurskarte in Tokio: "Wenn die EU nicht schnell entscheidet, wird der Markt weiter fallen"

Der Dax notiert im Minus, auch in den USA und Asien purzeln die Kurse: Die Angst vor einer Staatspleite Griechenlands und Schuldenkrisen in Portugal und anderen Staaten drückt Aktienbörsen weltweit. In Berlin ringt Kanzlerin Merkel mit den Chefs von Weltbank, EZB und Weltwährungsfonds um schnelle Hilfe.

Frankfurt am Main/Tokio/Hamburg - Das Stichwort "Ramschniveau" gab den Ausschlag: Obwohl die Haushaltskrise in Griechenland seit Wochen schwelt, wirkte erst die Herabstufung der Ratingagentur Standard & Poor's wie der Startschuss für einen neuen Ausverkauf.

Der Dax Chart zeigengab nach seinem 2,7-prozentigen Vortagesverlust zeitweise noch mal 1,8 Prozent auf 6049 Punkte ab. Das Umsatzvolumen lag gegen Mittag doppelt so hoch wie zur gleichen Zeit des Vortages. Der Volatilitätsindex VDax, der die Nervosität der Anleger misst, schoss um bis zu 17,4 Prozent in die Höhe auf ein Elf-Wochen-Hoch von 26,95 Zählern. Gegen Mittag erholte sich der deutsche Leitindex wieder

Die Furcht vor einer Ansteckung weiterer Euro-Staaten erfasste auch die Anleger in Europa - ein Sog, der sogar die Unternehmen erfasste, die starke Geschäftszahlen vorgelegt hatten.

Der EuroStoxx 50 Chart zeigennotierte zeitweilig zwei Prozent schwächer bei 2779 Stellen. "Wenn EU und Internationaler Währungsfonds nicht schnell etwas entscheiden, wird der Markt weiter schnell fallen", sagte Koen de Leus, Volkswirt bei KBC Securities. "Im aktuellen Umfeld ist es schwierig, mit Geschäftszahlen über Markterwartungen zu beeindrucken."

Schon am Morgen hatte es Börsen in Asien erwischt: Der Nikkei-Index Chart zeigen der asiatischen Leitbörse in Tokio verlor bis Handelsschluss 2,6 Prozent und sank auf 10.925 Punkte. Der Hang Seng in Hongkong büßte bis zum frühen Nachmittag (Ortszeit) 1,6 Prozent ein, die Börse in Sydney gab um 1,4 Prozent nach. Auch die Märkte in Seoul, Singapur, Taipeh und Shanghai schlossen im Minus. Der Euro indes erholte sich leicht, nachdem er am Vortag in den USA zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit einem Jahr gefallen war.

Politik gefragt

Nach den pessimistischen Analysen mehrerer Ökonomen richten die Marktteilnehmer ihre Blicke nun mit banger Erwartung auf die Politik. Die Bundesregierung will am Mittwoch das weitere Vorgehen abstimmen. Auch der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, sowie der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, sind zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) in Berlin.

Die Euro-Länder wollen - wenn Griechenland strenge Auflagen erfüllt - 2010 bis zu 30 Milliarden Euro hohe Kredite geben - davon soll Deutschland 8,4 Milliarden Euro übernehmen. Der IWF soll bis zu 15 Milliarden beisteuern. Athen braucht bis spätestens 19. Mai an die neun Milliarden Euro, um Anleihen zu bedienen. Der IWF hat einem Bericht der "Financial Times" zufolge bereits angeboten, seinen Anteil an den Hilfen um zehn Milliarden Euro aufzustocken. Bislang war geplant, dass der Fonds 15 Milliarden Euro beisteuert.

Doch in Deutschland gibt es massiven Widerstand gegen eine Griechen-Hilfe. 57 Prozent der Bundesbürger halten es für eine schlechte Entscheidung, dem schwer angeschlagenen Land gemeinsam mit den anderen EU-Staaten zu helfen, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten repräsentativen Befragung von Infratest dimap im Auftrag der "Welt" und des Nachrichtensenders "France24". 33 Prozent halten eine finanzielle Unterstützung für richtig.

Risikoaufschläge erreichen Rekordniveau

Angesichts des Widerstandes schwindet offensichtlich die Zuversicht, dass schnelle Hilfe einen Bankrott Griechenlands verhindern könnte. Entsprechend kletterten die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen am Mittwoch auf immer neue Rekordhöhen. Unter Druck gerieten auch portugiesische Bonds. Parallel dazu stürzte der Leitindex des ebenfalls hoch verschuldeten Landes um bis zu 6,5 Prozent ab. Dies ist das größte Tagesminus seit dem Herbst 2008. Der Euro fiel auf ein Jahrestief von 1,3143 Dollar.

Unter besonders starkem Druck standen die Finanzwerte. Sie litten Börsianern zufolge unter der Diskussion um ihre Beteiligung an der Rettung Griechenlands. Die Ablehnung der EU-Kommission, einem Schuldenerlass durch die Institute zuzustimmen, hat dabei die Verluste nur unwesentlich gebremst. Der europäische Index für die Finanzbranche gab drei Prozent nach.

Im Dax war die Commerzbank Chart zeigen, die mit 3,1 Milliarden Euro in Griechenland engagiert ist, das Schlusslicht. Ihre Aktie verlor 5,3 Prozent auf 5,78 Euro. Deutsche-Bank-Papiere Chart zeigen gaben 2,8 Prozent auf 51,16 Euro nach. Unter Verkaufsdruck standen auch die französischen und Schweizer Institute. Sie gehören zu den größten Gläubigern des Mittelmeer-Anrainers.

Dem Sog des fallenden Gesamtmarktes konnte sich auch Merck nicht entziehen, obwohl der Pharma- und Spezialchemiekonzern nach einem Gewinnschub seine Prognosen angehoben hatte. "Die Zahlen lagen deutlich über dem Konsens", schrieben die DZ-Bank-Analysten Elmar Kraus und Thomas Maul in einem Kommentar. Vor allem die Sparte Flüssigkristalle sei stark gewachsen. Die Aktie fiel dennoch um 1,9 Prozent auf 63,10 Euro.

mik/Reuters/dpa-AFX

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EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Hilfe

Kombinierte Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten sollen hochverschuldete Länder wie Griechenland vor der Pleite bewahren. Auf diesen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einigten sich die Euro-Länder. Laut dem Einigungstext sind "bedeutende Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF)" und bilaterale Kredite der Euro-Staaten vorgesehen.

Das Geld

Die Kosten

Die Sanktionen


Die Konditionen im Detail

Volumen

Im Rahmen eines Dreijahresprogrammes werden alle Euro-Länder im ersten Jahr bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) würde zusätzliche Mittel bereitstellen und von dem gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, also weitere 15 Milliarden Euro.

Zinshöhe

Hilfsanfrage

Auflagen





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