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18.05.2010
 

Neue Regeln

Bankenaufsicht verbietet spekulative Leerverkäufe

Frankfurter Börse: Ab Mittwoch sind ungedeckte Leerverkäufe verbotenZur Großansicht
ddp

Frankfurter Börse: Ab Mittwoch sind ungedeckte Leerverkäufe verboten

Die Finanzaufsicht macht Ernst: Die BaFin untersagt hochspekulative Wetten von Investoren auf fallende Kurse. Schon ab Mittwoch sind ungedeckte Leerverkäufe von Aktien und Staatsanleihen aus Euro-Ländern verboten.

Berlin - Nach den Hedgefonds kommen jetzt auch die Leerverkäufer unter strenge Aufsicht. Die Finanzaufsicht BaFin verbietet von Mittwoch an besonders riskante Wetten von Investoren auf fallende Kurse. Dabei haben die Finanzaufseher speziell die "ungedeckten Leerverkäufe" in Aktien und Staatsanleihen aus Euro-Ländern im Visier.

Ab Mittwoch, 0 Uhr, würden ungedeckte Leerverkäufe in Aktien der zehn bedeutendsten deutschen Finanzinstitute untersagt, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Dienstagabend. Das Verbot betreffe auch ungedeckte Leerverkäufe von Staatsanleihen der Euro-Länder. Auch ungedeckte Credit Default Swaps (CDS), also Kreditausfallversicherungen ohne reale Grundlage, seien von dem Zeitpunkt an verboten.

Die FDP-Fraktion begrüßt das Verbot. "Das findet ausdrücklich unsere Unterstützung", sagte Fraktionschefin Birgit Homburger am Dienstagabend nach einer Fraktionssitzung in Berlin. Alles, was auf nationaler Ebene zur Verhinderung künftiger Krisen gemacht werden könne, müsse schnell auf den Weg gebracht werden.

Vorstoß auf EU-Ebene angestrebt

Ein Vorstoß auf EU-Ebene in dieser Frage werde noch Zeit brauchen, sagte Merkel nach Teilnehmerangaben bei der Sitzung der Unionsfraktion am Dienstag in Berlin. Das Kabinett werde am 2. Juni über einen Vorstoß zum deutschen Bankensektor beraten. Damit sollte vor einer europäischen Lösung national ein Weg geschaffen werden, Leerverkäufe zu verbieten. Bis dahin solle die Finanzaufsichtsbehörde BaFin angewiesen werden, auf Grundlage bestehender Instrumente tätig zu werden.

Bei Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren oder Währungen. Sie leihen sich Aktien von anderen Anlegern, verkaufen diese und versuchen, sich anschließend billiger wieder damit einzudecken. Bei ungedeckten Leerverkäufen haben sich die Investoren noch nicht einmal die Papiere geliehen und sparen auf diese Weise die Gebühren für die Wertpapierausleihe - was die Risiken noch erhöht. Diese Geschäfte können Kursausschläge einer Aktie drastisch beschleunigen.

Mitverursacher der Finanzkrise

Viele Politiker sehen in den Spekulanten mit ungedeckten Leerverkäufen Mitverursacher der Finanzkrise. Eine These, der die Betroffenen vehement widersprechen. Aus der Perspektive von James Chanos, der mit Leerverkäufen ein Milliardenvermögen angehäuft hat, tragen sie dazu bei, Überbewertungen, Betrug und Marktmissbrauch auszurotten. "Sie sind Finanzpolizisten der Märkte", sagte er im Interview mit dem "Handelsblatt". Denn während der Regulierer wie ein Archäologe immer erst nachher komme, könne der Leerverkäufer wie ein Detektiv viel früher auf Marktverzerrungen aufmerksam machen.

Die Verzerrungen, die Leerverkäufer hervorrufen, halten die Finanzaufseher allerdings für mindestens ebenso gefährlich. Nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers war ein Verbot dieser spekulativen Geldanlage notwendig geworden, um die Märkte zu stabilisieren. Ende Januar hatte die BaFin das Verbot nach eineinhalb Jahren auslaufen lassen.

Jetzt wurde das Thema wieder aktuell, weil der Verdacht bestand, dass Leerverkäufer griechische Anleihen quasi zum Abschuss freigegeben und Griechenland an den Rand des Ruins gebracht hatten.

mik/dpa/Reuters/apn

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insgesamt 195 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.05.2010 von Bernd.Brincken: Hinfällig

Das nennt sich "Waren-Terminkontrakt": http://de.wikipedia.org/wiki/Terminkontrakt Und den gibt es schon lange und der ist hier nicht Gegenstand der Kritik. Auch dafür kann man den Befriff "Leerverkauf" [...] mehr...

21.05.2010 von Silverhair: Glaubensregeln

Ihr Blutdruck interessiert hier nicht! Faktisch existierten Kapitalmärkte bis 1997 ohne Leerverkäufe und ohne die Black-Scholes-Formel, und auch ohne CDS. Sie sind weder notwendig für eine ehrliche Handelsstruktur, noch tragen [...] mehr...

21.05.2010 von xeus: Unglaublich

Ich versuche mal nicht diesen Kommentar zu werten, besser für meinen Blutdruck. Ich gebe da nur mal eine kleinge Richtigstellung. Ein Leerverkauf erfolgt in der Regel über den Terminmarkt und ist zwingend Notwendig für das [...] mehr...

20.05.2010 von Silverhair: Mafia und Camorra

Sie werden Staunen, auch die Mafia, die Camorra, die Drogenbosse , jeder Verbrecherorganisation bezahlt ihren Mitgliedern und Angestellten Geld .. also erbringen die auch eine Leistung. Problem ist nur dabei, ist diese [...] mehr...

20.05.2010 von Silverhair: Betrügereien

Auch bei gedeckten "Leerverkäufen" entsteht eine totale Marktverzerrung - und ist schon im Ansatz der Betrug eingeplant. Nehmen wir an, jemand gründet ein Autohaus, und verkauft dort Porsche. Die besitzt er nicht, [...] mehr...

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Hedgefonds verfolgen hochriskante Strategien, die im Erfolgsfall auch sehr hohe Gewinne versprechen. Sie nutzen alle möglichen Derivate, um Gewinne sowohl in steigenden als auch fallenden Märkten zu erzielen. Ein typisches Modell sind Leerverkäufe, bei denen große Aktienpakete gegen Provision von Fondsgesellschaften oder Banken ausgeliehen und an der Börse verkauft werden. Das drückt in der Regel den Kurs. Zu den dann niedrigeren Bewertungen kaufen die Hedgefonds die Papiere zurück und reichen sie an Bank oder Fondsgesellschaft weiter.

Wesentliches Element ist zudem die weitgehende Finanzierung solcher Geschäfte durch Kredite. Durch den so erzielten Hebel- oder Leverage-Effekt wird der mögliche Gewinn noch weiter erhöht, allerdings auch das finanzielle Risiko für die Anleger beim Scheitern der Spekulation erheblich vergrößert.

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