Wirtschaft


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20.05.2010
 

Internationale Konferenz in Berlin

Merkel zofft sich mit Freunden der Finanzindustrie

Kanzlerin Merkel: "Nationaler Eigensinn ist das falsche Signal"Zur Großansicht
AFP

Kanzlerin Merkel: "Nationaler Eigensinn ist das falsche Signal"

Für die Finanzindustrie geht es ums Ganze: Auf einer Spitzenkonferenz in Berlin dringen Deutschland und Verbündete auf eine strenge Regulierung. Doch gegen eine globale Bankenabgabe regt sich Widerstand - Kanzlerin Merkel gerät ausgerechnet mit Kanada aneinander, Gastgeber des nächsten G-20-Gipfels.

Berlin - In wenigen Wochen könnte sich die Zukunft der internationalen Finanzindustrie entscheiden. Denn Ende Juni lädt die kanadische Regierung nach Toronto zum Gipfel der 20 mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt (G20). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) knüpft hohe Erwartungen an das Treffen - sie will dort zusammen mit den anderen Ländern eine globale Bankenabgabe beschließen.

Doch ausgerechnet der Gastgeber stellt sich quer. Auf einer vorbereitenden Top-Konferenz an diesem Donnerstag in Berlin stellte der Vertreter des kanadischen Finanzministeriums, Tiff Macklem, klar: Seine Regierung hält rein gar nichts von einer Bankenabgabe. Schließlich seien Kanadas Banken bisher gut durch die Krise gekommen.

Das heißt: Merkel muss sich darauf einstellen, dass es auf dem G-20-Gipfel harte Verhandlungen gibt. Fast wütend fiel denn auch ihre Replik auf die Kanadier aus: "Wir können nicht sagen: Wenn es bei mir ganz gut war, interessiert mich dieses und jenes Problem nicht." Nationaler Eigensinn sei das falsche Signal.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte eindringlich vor Rückschlägen bei der internationalen Reform der Finanzmärkte. "Der nächste Gipfel kommt, und es liegt an uns, dass er erfolgreich wird", sagte er zum Abschluss der Berliner Finanzmarktkonferenz. Er sehe die Gefahr, dass die Entschlossenheit nachlasse, Reformen durchzusetzen.

"Man darf nicht die Frösche fragen"

Internationale Kritik am Verbot bestimmter Leerverkäufe in Deutschland wies Schäuble zurück. Durch die Maßnahme soll die Spekulation eingedämmt werden. Dazu sagte Schäuble: "Wenn man einen Sumpf trockenlegen will, darf man nicht die Frösche fragen."

Die Bundesregierung strebt neben einer Bankenabgabe seit kurzem auch eine Finanztransaktionssteuer an, also eine internationale Steuer auf Börsen- und andere Finanzgeschäfte. Allerdings deutet sich auch hier keine Einigung an. Politiker in Berlin monieren bereits, die Zeit ewiger Prüfaufträge sei langsam vorbei. Vom G-20-Gipfel in Toronto erwarteten die Menschen endlich Lösungen.

Rückendeckung erhält Merkel immerhin von der EU-Kommission - und überraschenderweise von Großbritannien. Der für Finanzdienstleistungen zuständige EU-Kommissar Michel Barnier erklärte, dass er kommende Woche Vorschläge für eine europäische Bankenabgabe präsentieren wolle. Auch die neue britische Regierung will eine solche Abgabe einführen.

Noch weiter geht Frankreich: Die Regierung in Paris dringt auf eine neue internationale Währungsordnung. Es sollte unter anderem Reformen beim Zusammenspiel von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank geben, kündigte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde an.

yes/dpa/Reuters

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insgesamt 16 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.05.2010 von Andree Barthel: *

Das Verbots kommt jedenfalls zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, da die Anleger dieses nicht als Signal der Stärke, sondern darin eine Schwäche der Politiker sehen. Jetzt so zu tun, als ob einem alles, was an der Börse [...] mehr...

21.05.2010 von c++: Märchenstunde

Nichts gegen Verbot von Leerverkäufen oder Einführung einer Finanztransaktionssteuer, nur hat das überhaupt nichts mit der gegenwärtigen Krise zu tun. Was die Regierung jetzt macht, ist reine Symbolpolitik, reiner Populismus. [...] mehr...

21.05.2010 von Gebetsmühle:

für die rettung von banken sind allein banken zuständig. das geld muss vollständig an den steuerzahler zurückgezahlt werden und alle schäden gehören durch die banken beglichen. wenn die das nicht wollen, muss das eben durch eine [...] mehr...

21.05.2010 von Sternundwinkelcruiser: Was kriminell ist, hängt von der Branche ab

jeder normale Mensch, der einen sog. Leerverkauf machen würde (egal ob gedeckt oder ungedeckt), käme ganz drakonisch hinter Gitter wegen Betrugs. Weltweit. Selbst in Despoten- und Schurkenstaaten. Außer er ist ein Bänker. Dann [...] mehr...

21.05.2010 von zila: Die Kanadier haben wohl Recht, hoffentlich setzt sich Merkel nicht noch durch.

Die Kanadier suchen bezueglich Finanztransaktionssteuer bei den G20 Laendern Unterstuetzung, die ihr Haus ebenfalls fiskalisch im Griff haben, v.a. Indien und China. Ist schon toll, wenn einem jmd., der im Glashaus sitzt, [...] mehr...

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Eckdaten der neuen Bankenregeln

Bankenabgabe

Alle deutschen Kreditinstitute sollen eine Zwangsgebühr in einen Krisenfonds einzahlen. Die Rede ist von insgesamt 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Wie viel eine Bank zahlen muss, soll sich am systemischen Risiko - der Bedeutung der Bank für Branche und Volkswirtschaft - orientieren. Berücksichtigt werden soll neben dem Umfang der Verpflichtungen die Vernetzung eines Instituts am Finanzmarkt. Gegebenenfalls sollen weitere Indikatoren herangezogen werden. Der geplante Stabilitätsfonds soll als Sondervermögen des Bundes außerhalb des Haushalts errichtet und von der bestehenden Finanzmarktstabilisierungsanstalt verwaltet werden. Diese ist schon für den Bankenrettungsfonds Soffin zuständig.

Restrukturierung/Zerschlagung

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Schulden in Europa

Gesamtverschuldung in Euro-Land

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Mit der gigantischen Summe von mehr als sieben Billionen Euro sind die Euro-Länder verschuldet. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Staaten jetzt einen riesigen Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro für Länder gespannt, die mit dem Schuldenberg nicht mehr fertig werden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

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