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06.06.2010
 

Währungskrise

Britische Ökonomen erwarten Euro-Crash

Zwei-Euro-Münze: Gemeinschaftswährung unter DruckZur Großansicht
dpa

Zwei-Euro-Münze: Gemeinschaftswährung unter Druck

Die Staatsschulden explodieren, der Euro fällt auf immer neue Rekordtiefs - und unter Ökonomen wächst die Angst vor dem Ende der Währungsunion. Laut einer Umfrage des "Daily Telegraph" geben zwölf von 25 britischen Experten dem europäischen Projekt nur noch wenige Jahre.

Hamburg - Britische Ökonomen sind gemeinhin für ihre Euro-Skepsis bekannt - doch die Einschätzungen, die einige von ihnen derzeit äußern, sind selbst für ihre Verhältnisse dramatisch: Der Euro kämpfe derzeit seinen Todeskampf, so lautet der Tenor einer Umfrage des britischen "Daily Telegraph" unter 25 Wirtschaftsexperten. Ohne radikale Änderungen könne die Gemeinschaftswährung schon sehr bald zugrundegehen.

Zwölf der 25 britischen Experten geben der Währungsgemeinschaft in ihrer aktuellen Form höchstens noch fünf Jahre. Acht glauben an die Stabilität des Euro, fünf wollten sich nicht festlegen. Die Einschätzungen der Experten haben sich laut "Telegraph" dramatisch verschlechtert. Noch vor einem Jahr hätte kaum jemand an einen möglichen Untergang der Gemeinschaftswährung geglaubt, schreibt die Zeitung. Doch die Verwerfungen der letzten Wochen und düstere Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Euro befinde sich in einer "Existenzkrise" hätten den Glauben in die Euro-Zone erschüttert.

Die Weltwirtschaftskrise treibt die Verschuldung vieler EU-Staaten rapide in die Höhe; sie lässt zudem strukturelle Probleme in einzelnen Ländern wie Griechenland, Portugal und Spanien (siehe Info-Box links), aber auch in Frankreich und Ungarn in schonungsloser Deutlichkeit hervortreten. Immer mehr Investoren werden nervös, Zweifel wachsen, dass die Regierungen angesichts ihrer Strukturprobleme die Explosion ihrer Schulden eindämmen können. Trotz immer neuer Sparankündigungen, trotz eines 750 Milliarden Euro schweren Garantierahmens für Euro-Wackelkandidaten (siehe Info-Box links) grassiert die Angst vor einer Staatspleite auf dem alten Kontinent.

Das aber drückt die Gemeinschaftswährung auf immer neue Rekordtiefs. Am Freitagabend war der Euro erstmals seit vier Jahren unter 1,20 Dollar gefallen. Seit Jahresbeginn hat er rund 16 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar eingebüßt.


In einzelnen Punkten ist der Verfall der Währung sogar hilfreich: Exporte aus der Euro-Zone ins Ausland werden günstiger, entsprechend steigt Europas Wettbewerbsfähigkeit, was die Konjunktur ankurbelt. Auch der deutsche Haushalt profitiert von der Euro-Krise. Weil Anleger in sichere deutsche Staatsanleihen flüchten, sinken die Zinsen - und somit auch der Aufwand für den Bund. Das strukturelle Defizit beläuft sich dadurch inzwischen nicht mehr auf 70 Milliarden Euro, sondern nun nur noch auf 60 Milliarden. Statt zehn Milliarden Euro muss der Finanzminister nun jährlich nur noch 8,3 Milliarden einsparen.

Doch es gibt auch Ängste, dass die Regierungen über die Euro-Krise jegliche Kontrolle verlieren. Wenn ein Staat tatsächlich pleitegeht, so fürchten die Experten, könnte das ein ähnliches Finanzbeben auslösen wie der Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers.

Entsprechend besorgt äußern sich auch die Ökonomen in der "Telegraph"-Umfrage. Sie fürchten, dass die Belastungen letztlich so groß werden, dass die Währungsunion ganz auseinanderbricht - oder dass einzelne Staaten für ihren Erhalt geopfert werden müssen.

Müssen Griechenland, Portugal und Irland die Euro-Zone bald verlassen?

Die Chance, dass die Währungsunion mit all ihren jetzigen Mitgliedern überlebe, gehe "gegen null", sagte Andrew Lilico, Chefökonom beim einflussreichen konservativen Think-Tank Policy Exchange. Eine griechische Staatspleite etwa sei kaum mehr abzuwenden. Vier Ökonomen halten es zudem für möglich, dass Deutschland die Währungsunion bald verlässt, wenn die Belastungen durch andere Euro-Staaten zu hoch werden.

Tim Congdon von International Monetary Research prophezeit, dass drei Staaten aus der Euro-Zone austreten: Griechenland, Portugal und Irland. Die Währungsunion als Ganzes sieht er nur in Gefahr, wenn die Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich weiter wachsen. Congdon hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach kritisch zur Entwicklung der EU geäußert.

Besonders pessimistisch äußerte sich Douglas McWilliams, ein Forscher des Centre for Economics and Business Research. Er sagte, er habe Zweifel, dass der Euro "die nächste Woche überlebt".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wird der Ökonom Tim Congdon dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zugeordnet. Das trifft nicht zu. Tatsächlich arbeitet Congdon für das Institut International Monetary Research. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

ssu

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16.06.2010 von Helmut Pirkl: Sie gehört umgehend abgelöst.

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