Von Christian Teevs
Hamburg - Die Gewaltbereitschaft in der Welt ist gestiegen. Das besagt der Global Peace Index, der am Dienstag zum vierten Mal veröffentlicht wird. Für die Autoren um den australischen Gründer Steve Killelea ist klar: Das Ergebnis steht in enger Verbindung mit dem wirtschaftlichen Abschwung der vergangenen beiden Jahre. Dieser habe in vielen Ländern zu mehr Morden, gewalttätigen Demonstrationen und Angst vor Kriminalität geführt.
2007 hat Killelea den Global Peace Index (GPI) zum ersten Mal veröffentlicht (siehe Weltkarte in der linken Spalte). Killeleas Antrieb: "Mehr Frieden kann die globale Wirtschaft verändern und Reichtümer freisetzen, um Schulden zu begleichen, Expansion zu finanzieren und ein nachhaltigeres Umfeld zu schaffen."
So koste die weltweite Gewalt die Wirtschaft jährlich sieben Billionen Dollar. "Natürlich lässt sich die Welt nicht über Nacht in einen friedlichen Ort verwandeln", sagt Killelea. Doch bereits ein 25-prozentiger Rückgang der Gewaltrate würde 1,8 Billionen Dollar bringen - "genug um Griechenlands Schulden zu bezahlen, die Milleniums-Entwicklungshilfeziele der Uno zu finanzieren und den weltweiten CO2-Ausstoß um 20 Prozent zu reduzieren".
Der GPI zeigt die Friedfertigkeit von 149 Staaten. In den Wert fließen etwa Militärausgaben, Beziehungen mit Nachbarstaaten und das Niveau der Gewaltverbrechen ein. Wie 2008 steht Neuseeland an der Spitze, Island konnte sich durch die Stabilisierung seiner Wirtschaft von Platz vier auf Platz zwei verbessern.
Als positive Überraschung bewertet Killelea die Entwicklung im Nahen Osten und in Teilen Afrikas: "Afrika ist zwar der Kontinent mit der meisten Gewalt, aber dort gab es auch die meisten Verbesserungen. Das macht Hoffnung." So seien Äthiopien, Mauretanien und der Libanon unter den Ländern, die sich im Ranking am meisten verbessert hätten. Hintergrund sei eine größere politische Stabilität, weniger Militärausgaben und verbesserte Beziehungen zu Nachbarstaaten.
Skandinavien am friedfertigsten
Im Gegenzug verzeichne der Süden Asiens den größten Abstieg - wegen zunehmender politischer Konflikte, einer gestiegenen Todesrate sowie Menschenrechtsverletzungen. Indien, Sri Lanka und Pakistan waren am meisten betroffen. Im Vergleich zu 2008 gab es laut GPI in Lateinamerika den stärksten Anstieg der Gewaltbereitschaft durch interne Gewalt, Morddelikte und einer erhöhten wahrgenommenen Kriminalität.
Die USA verbesserten ihre Punktzahl, rutschten aber aufgrund der Einbeziehung neuer Länder und der neuen Gewichtung bei der Anzahl schwerer Waffen drei Plätze nach unten. Abgesehen davon nahm die Friedfertigkeit in den Vereinigten Staaten jedoch so stark zu wie nie zuvor. Das führen die Autoren der Studie auf die politische Stabilität und eine gesunkene Zahl an Todesfällen durch externe Konflikte zurück.
Westeuropa bleibt die friedfertigste Region, die wenigste Gewalt gibt es laut der Studie in Skandinavien: Alle fünf Länder haben einen Platz in den Top Ten. Dänemark rutsche allerdings um fünf Plätze ab - auf Rang 7. Als Gründe nennen die Autoren die sinkende Achtung der Menschenrechte sowie die andauernde Beteiligung am Afghanistan-Konflikt.
| Global Peace Index | ||||||
|
Platz
|
Land |
Ergebnis
|
Platz
|
Land |
Ergebnis
|
|
| 1 | Neuseeland | 1.188 | ||||
| 2 | Iceland | 1.212 | ||||
| 3 | Japan | 1.247 | ||||
| 4 | Österreich | 1.290 | ||||
| 5 | Norwegen | 1.322 | ||||
| 6 | Ireland | 1.337 | ||||
| 7 | Dänemark | 1.341 | ||||
| 7 | Luxemburg | 1.341 | ||||
| 9 | Finnland | 1.352 | ||||
| 10 | Schweden | 1.354 | (...) | |||
| 11 | Slowenien | 1.358 |
140
|
Kongo | 2.925 | |
| 12 | Tschechien | 1.360 | 141 |
Tschad | 2.964 | |
| 13 | Portugal | 1.366 |
142
|
Georgien | 2.970 | |
| 14 | Kanada | 1.392 |
143
|
Russland | 3.013 | |
| 15 | Qatar | 1.394 |
144
|
Israel | 3.019 | |
| 16 | Deutschland | 1.398 |
145
|
Pakistan | 3.050 | |
| 17 | Belgien | 1.400 |
146
|
Sudan | 3.125 | |
| 18 | Schweiz | 1.424 |
147
|
Afghanistan | 3.252 | |
| 19 | Australien | 1.467 |
148
|
Somalien | 3.390 | |
| 20 | Ungarn | 1.495 |
149
|
Irak | 3.406 | |
| Quelle: Institute for Economics and Peace 2010 | ||||||
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Das ist schon klar, dass ein Sieger etwas gewinnt. Von der Metaebene aus betrachtet ist Gewalt jedoch ein loose/loose Spiel. (Nullsummenspiel + Kolateralschaden, wobei die Kolateralschäden Umwelt/Atomwaffen... so hoch werden [...] mehr...
.... Am kostspieligsten und für viele einträglichsten sind dabei Kriege. Aber die sind in dieser Zusammenstellung wohl noch nichtmal berücksichtigt... rabenkrähe mehr...
Das sehe ich genauso. Ich suche schon seit langem erfolglos nach einer Karte/Tabelle der Länder nach Kriminalitätsrate um die Risiken von Geschäftsreisen besser abschätzen zu können. Wer einen Link dazu findet, bitte [...] mehr...
Unsere Spezies handelt nicht nachhaltig, human und logisch. Wir vergeuden ca. 90 % unserer Energie im Kampf miteinander anstatt uns eine echt gute Zeit auf dem "Raumschiff Erde" zu machen. Ist das nicht bekloppt? [...] mehr...
Ich habe erwartet, aus dem Index die Sicherheit für Ausländer vor Kriminalität herauslesen zu können. Das ist bei dem Kriterienmix praktisch nicht möglich. Dass sie mit dem Index nur entfernt korreliert, erkennt man leicht an [...] mehr...
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