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01.07.2010
 

Extreme Haushaltsnot

Kommunen planen Schock-Sparprogramm

Straßenbau in Leipzig: Schlaglöcher und bröckelnde SchulenZur Großansicht
ddp

Straßenbau in Leipzig: Schlaglöcher und bröckelnde Schulen

Straßenbeleuchtung, Schwimmbäder, Kitas: Wegen der Rekordverschuldung streichen Deutschlands Kommunen ihren Bürgern die Leistungen zusammen. Einer neuen Studie zufolge wollen 84 Prozent der Städte und Gemeinden Steuern und Gebühren erhöhen - SPIEGEL ONLINE gibt den Überblick.

Hamburg - Die kommunale Schuldenkrise zwingt Städte und Gemeinden zu drastischen Maßnahmen: 60 Prozent der Gemeinden wollen kommunale Leistungen reduzieren, 84 Prozent Gebühren und Steuern erhöhen. Das sind Ergebnisse einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young unter 300 deutschen Kommunen.

Die Wirtschaftskrise hat die Gemeinden mit voller Wucht erreicht. Ihre Einnahmen werden 2010 deutlich zurückgehen, für 2011 ist - wenn überhaupt - nur eine leichte Erholung absehbar. Gleichzeitig steigen, trotz erheblicher Sparanstrengungen, die Ausgaben. Jede dritte Kommune kann schon jetzt keinen ausgeglichenen Haushalt vorlegen, die Verschuldung der Städte und Gemeinden steigt.

Das bekommen jetzt auch die Bürger zu spüren:

  • 31 Prozent der Kommunen wollen bei der Straßenbeleuchtung Geld sparen,
  • 29 Prozent wollen das Geld für Jugend- und Seniorenbetreuung kürzen,
  • 14 Prozent wollen Bäder schließen,
  • 11 Prozent wollen den Nahverkehr ausdünnen und die Öffnungszeiten von Kitas kappen.

Zusätzliche Einnahmen erhoffen sich die Kommunen von Gebühren- und Steuererhöhungen:

  • 46 Prozent wollen Steuern für Grundstück-Eigentümer anheben,
  • 44 Prozent wollen die Eintrittspreise von Bädern, Theatern und Museen erhöhen.
  • Die Kita-Gebühren will etwa jede dritte Kommune erhöhen,
  • ebenso viele Kommunen planen eine höhere Hundesteuer.

Schlaglöcher und bröckelnde Schulen

So schlimm steht es um einige Kommunen, dass manche sich noch nicht mal mehr dringend nötige Investitionen leisten können. 68 Prozent geben an, dass sie Unterhaltsmaßnahmen für Straßen und Gebäude strecken müssen. 61 Prozent reduzieren Neuinvestitionen in Straßenbau und Stadtentwicklung. Schlaglöcher werden nur provisorisch gestopft, Schulbauten verfallen - und das Problem wird sich an vielen Orten noch verschärfen. 46 Prozent der Kommunen wollen 2010 weniger investieren - trotz zusätzlicher Mittel, die sie aus dem Konjunkturpaket II erhalten.

Klicken Sie auf die Grafik-Strecke für den großen Überblick:


"Deutschlands Städte und Gemeinden sind so hoch verschuldet wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland", sagt Hans-Peter Busson, Partner bei Ernst & Young. "Die Finanzsituation ist katastrophal."

Eine Besserung sei an vielen Orten nicht in Sicht: Strukturelle Probleme, eine rückläufige Bevölkerungszahl, eine hohe Erwerbslosigkeit und eine geringe wirtschaftliche Substanz stehen vor allem in Ostdeutschland an vielen Orten einer finanziellen Gesundung entgegen.

"Die Folge wird eine weiter steigende Verschuldung der Kommunen sein", sagt Busson. "Viele deutsche Städte sind im Grunde bankrott. Sie werden die Schuldenkrise nicht aus eigener Kraft lösen können." Die Sozialausgaben dürften weiter steigen, die Einsparmöglichkeiten sind oft schon ausgereizt.

Sparmaßnahmen werden nicht reichen

Eine nachhaltige Reform der Kommunalfinanzen sei deshalb dringend geboten. "Die Kommunen haben inzwischen einen Großteil ihrer Autonomie verloren, ihre Handlungsoptionen sind extrem begrenzt", sagt Busson. "Sie müssen wieder stärker selbst über ihre Ein- und Ausgaben entscheiden können."

Auch die Kommunen selbst seien in der Pflicht: Sie müssten Bürokratie abbauen, Arbeitsprozesse optimieren und überflüssige Leistungen radikal streichen. In vielen Bereichen müssten mehrere Kommunen außerdem kooperieren, fordert Busson. Potential sieht er unter anderem bei der IT-Infrastruktur, beim Immobilienmanagement und bei internen Dienstleistungen wie der Rechnungsprüfung.

Selbst die Zusammenlegung kleiner Kommunen "darf kein Tabu sein", sagt Busson. Noch schreckten viele Gemeinden vor tiefen Einschnitten zurück. Das müsse sich jetzt rasch ändern.

ssu

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insgesamt 122 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
04.07.2010 von mws: Freunde

Weil unsere Kanzlerdarstellerin eben Damen wie Friede Springer und Liz Mohn ihre "Freundinnen" nennen darf. Und nun raten Sie mal, welchen von den beiden Damen allein DER SPIEGEL zu 25% gehört. Also auf die Presse [...] mehr...

04.07.2010 von dualbore: Prima!

es geht nicht so sehr um's ob als um das wie, und um dessen Ausgewogenheit. ---Zitat--- Hierzu ist anzumerken, dass die Bezieher von Sozialleistungen absolut wie relativ die größte Wählergruppe in Deutschland sind. [...] mehr...

03.07.2010 von Diskutant_EF: Kein Titel

Das ist nicht korrekt. Im Übrigen ist der Sozialetat der mit weitem Abstand größte Posten im Bundeshaushalt. Ausgerechnet dort nicht zu sparen dürfte kaum möglich sein, will der Staat seine Schulden langfristig in den Griff [...] mehr...

03.07.2010 von dualbore: Hier könnte ihr Titel stehen.

Sie lesen ungenau. Angst vor einem nicht mehr existenten Sozialstaat trifft es eher. ---Zitat--- Selbstverständlich muss gespart werden, warum aber Soziales davon ausgeschlossen bleiben soll, erschließt sich mir nicht! [...] mehr...

02.07.2010 von postcat: Grundversorgung gewährleisten - Luxus teurer machen

Eine Stadt, derer Hallenbäder durch Besucherzahlen nicht ausgelastet sind und unrentabel arbeiten, muss diese Zahl reduzieren. Eine bestimmte Zahl Hallenbad auf 100.000 Einwohner sollte Grundversorgung sein. Strassenbeleuchtung [...] mehr...

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Ausgabeposten der Kommunen

Personalausgaben

Die Personalausgaben sind bundesweit im Jahr 2009 voraussichtlich um 4,8 Prozent gestiegen. Im laufenden Jahr wird sich der Anstieg mit 2,4 Prozent fortsetzen. In den neuen Ländern ist der Anstieg im Jahr 2009 mit 5,9 Prozent wahrscheinlich sogar stärker ausgefallen, in diesem Jahr wird er mit plus 1,7 Prozent voraussichtlich etwas schwächer als im Durchschnitt.

Sachaufwendungen

Soziale Leistungen

Ínvestitionen


Einnahmequellen der Städte

Gewerbesteuer

Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sind im Jahr 2009 deutlich zurückgegangen: Der Deutsche Städtetag rechnet mit einem Minus von 17,4 Prozent - das entspricht 5,4 Milliarden Euro. Für 2010 werden weitere Mindereinnahmen befürchtet.

Einkommensteuer

Umsatzsteuer

Zuweisungen von Bund und Ländern

Gebühren

Wer gewinnt, wer verliert

Corbis; DDP
Tiefe Einschnitte im Sozialetat, Milliardenbeiträge aus der Wirtschaft: Am Sparpaket der Bundesregierung sollen die Finanzen der Republik in den kommenden Jahren gesunden. SPIEGEL ONLINE analysiert, wer unter den Plänen am meisten leidet - und wer vom Rotstift verschont bleibt...





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