Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Es waren gigantische Summen, die an diesem Donnerstag flossen: 442 Milliarden Euro mussten Europas Banken an die Europäische Zentralbank zurückzahlen. So viel wie noch nie. Das Geld hatte die Notenbank den klammen Instituten vor zwölf Monaten zur Verfügung gestellt, nun wurde die Rücküberweisung fällig.
Die große Frage lautete nun: Schaffen es die Banken, so viel Geld auf einen Schlag zusammenzubekommen? Oder müssen sie erneut Hilfe der EZB in Anspruch nehmen?
Die gute Nachricht: Den Großteil der 442 Milliarden Euro konnten die Banken tatsächlich aus eigener Kraft stemmen. So hatte die EZB erneut Hilfe angeboten, doch die Nachfrage war überraschend gering. Schon am Mittwoch konnten die betroffenen Banken - es sind mehr als tausend - eine Dreimonatsfinanzierung in Anspruch nehmen. Abgerufen wurden nur 132 Milliarden Euro, Experten hatten mit Summen von bis zu 300 Milliarden Euro gerechnet. Am Donnerstag folgte noch einmal eine Offerte, diesmal mit einer Kurzfristlaufzeit von sechs Tagen. Doch auch jetzt wurden nur Kredite von 111 Milliarden Euro nachgefragt.
Brancheninsider und Bankmanager atmeten auf: Die Geldhäuser sind offenbar nicht mehr auf die EZB angewiesen, endlich fangen sie wieder an, sich gegenseitig Geld zu leihen. Das Vertrauen der Banken untereinander scheint zurückgekehrt.
Heißt das, dass die Finanzkrise nun vorbei ist? Keineswegs, für Euphorie ist es zu früh. Denn die Lage ist nach wie vor "fragil", wie Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler warnt. Und schon bald könnten neue Hiobsbotschaften für Verunsicherung sorgen.
Der Grund: Europas Banken stehen in diesen Tagen Stresstests ins Haus. Dabei wird eine erneute Kredit- und Wirtschaftskrise simuliert. So mancher Banker sieht den Ergebnissen sorgenvoll entgegen.
Hinter vorgehaltener Hand sind skeptische Stimmen zu hören
Nach außen wird freilich Zuversicht demonstriert, wie auf einer Veranstaltung der Bundesbank in Frankfurt. Ob die Rückzahlung der gigantischen Summe an die EZB in Frage stand? "Es gab überhaupt keinen Grund zur Panik", sagt Dirk Rogowski vom Vermögensverwalter Pall Mall Investment Management. "So etwas wird schließlich vorbereitet." Ein Banker wache ja nicht morgens auf und denke: Ups, schon der erste Juli, heute müssen wir Milliarden an die EZB überweisen.
Doch hinter vorgehaltener Hand sind auch andere Stimmen zu hören. Der gute Verlauf des Tages sei vielleicht ein positives Signal, sagt ein hochrangiger Banker mit ernstem Gesicht. "Aber das heißt noch nicht, dass alles in Ordnung ist." Das Misstrauen sei nach wie vor groß. Ohne hohe Sicherheiten bekomme man an den Interbankenmärkten immer noch kein Geld.
Auch Manfred Jäger-Ambrozewicz vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt: "Die Banken sind noch nicht aus der Gefährdungszone." Das Problem sei, "dass auf jede schlechte Nachricht eine völlig überzogene Reaktion folgt". Und schlechte Nachrichten gibt es viele. Mal drohen hohe Abschläge beim Kreditgeschäft. Mal sorgen sich die Banker wegen der Regulierungswut der Politik.
Vor allem jedoch fürchten sie eines: die Stresstests, denen sich die europäischen Geldinstitute unterziehen müssen und deren Szenarien in diesen Tagen ausgearbeitet werden. Die EU und auch die Bundesregierung hatten angekündigt, die Ergebnisse vollständig zu veröffentlichen. Bis dato ein Tabu bei solchen Belastungsplanspielen.
"Der Hype um die Stresstests ist übertrieben"
Dass die Ergebnisse in der zweiten Julihälfte tatsächlich publik gemacht werden, gilt in der Branche mittlerweile als sicher. Zwar betont die Bundesbank, ohne die Zustimmung der betroffenen Institute gehe es rechtlich nicht. "Aber so, wie das schon kommuniziert wurde, können Sie als Bank Ihr Ergebnis gar nicht mehr geheim halten", sagt ein Veranstaltungsteilnehmer in Frankfurt. Es würde sofort so aussehen, als sei das Ergebnis zu schlecht, um es publik zu machen.
Die Unsicherheit wegen der Stresstests in Frankfurts Bankentürmen ist dementsprechend groß. Was bedeutet es, wenn eine Bank nicht besteht? Oder nur schlechter abschneidet als andere?
Ein Banker antwortet auf diese Frage mit Schulterzucken. Leichter werde es dann sicher nicht, neues Geld aufzutreiben.
Auch Finanzexperten sehen die Stresstests kritisch: "Der Hype, der darum gemacht wird, ist übertrieben", sagt der Kölner Bankenprofessor Thomas Hartmann-Wendels. Solche Tests seien nur ein "Indikator, um zu sehen, wie stabil eine Bank ist". Ein realistisches Abbild dessen, was in einer Krisensituation passiert, seien sie nicht. "In Extremsituationen verhalten sich Menschen anders, das lässt sich nicht prognostizieren", sagt Hartmann-Wendels.
"Die können auch die nächste Krise nicht verhindern"
Auf der Veranstaltung in Frankfurt warnt ein Teilnehmer mit klaren Worten: "Mehr Information bringt nicht unbedingt mehr Stabilität." Selbst die Bundesbank sei gegen eine vollständige Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse, heißt es in der "Financial Times Deutschland". Offiziell gibt es dazu keinen Kommentar. Doch hinter den Kulissen wird offenbar heftig gerungen, was publiziert wird und was nicht.
Fest steht: Die Banker fühlen sich überreguliert. Mit skeptischen Blicken werden die dicken Ordner betrachtet, in denen die neuen Vorgaben für die Finanzmärkte und die neuesten Ideen zum Thema Eigenkapital erläutert werden. Die Politik versuche, alle Risiken von vornherein auszuschließen, den gesamten Markt komplett zu überwachen, heißt es in Frankfurt. "Aber eine Aufsicht hinkt immer hinterher", glaubt Nobert Kadau, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Hessen. "Die werden auch die nächste Krise nicht verhindern können."
Auch Ralf Peter Beitner, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heilbronn, sagt: "Ich habe das Gefühl, dass verzweifelt versucht wird, alles unter Kontrolle zu bekommen." Dahinter stecke offenbar die Hoffnung, "dass man die Welt mit einem Autopiloten steuern könnte". Aber Finanzkrisen seien nicht zu verhindern, sagt Beitner. "Wichtig ist, dass das Management in der Krise gut ist."
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Wetten, daß die Banken die Stresstests überstehen werden? Und sollten sie das nicht - nun, dann wird es die breite Öffentlichkeit nicht oder so verklausuliert erfahren, daß nur Experten verstehen, was wirklich vor sich geht. Die [...] mehr...
Tender Komödie, Spiegel, Spiegel, Sie bekamen die Summe nicht zusammen sondern die wurde Ihnen wiederum "besorgt"! http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/ mehr...
Sehr richtig alles nur Buchhaltertricks. Es wird ja derzeit über die Halbwertzeit von Mamas Regierung nachgedacht. Wenn sie den Banken nicht ganz anständig über die Füße fährt dann werden wir die Regierung wirklich nicht mehr [...] mehr...
Finanzkrisen können nur durch TRANSPARENZ und messerscharfe KONTROLLEN verhindert werden. Dafür ist die BAFIN verantwortlich, die bei der letzten Krise auch schon versagt hat, weil die Entscheidungsträger im Finanzministerium [...] mehr...
...etwas bringen würde, wäre die strikte Trennung des Investmentbanking vom Geschäftsbanking. Mit Ausschluß von gegenseitigen Kapitalverflechtungen und Personalverflechtungen. Ähnlich funktionierte es nach dem New Deal des [...] mehr...
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