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05.07.2010
 

Steuerrazzia

Maulwurf-Affäre sabotiert Ackermanns Image-Offensive

Von Anne Seith, Frankfurt am Main

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Wenn er gut ist, spielt er VermittlerZur Großansicht
AP

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Wenn er gut ist, spielt er Vermittler

Josef Ackermann hat mit einer Charmeoffensive versucht, den Ruf seiner Bank wiederherzustellen - doch das Geldhaus liefert Kritikern immer neue Munition. Der Skandal um die Warnung vor einer Steuerrazzia ist nur der jüngste in einer ganzen Serie. SPIEGEL ONLINE dokumentiert Flops und Affären.

Die Geschichte hat jetzt alles, was sie braucht, um ein Skandal zu werden. Es geht um Telefonate, die Ermittler laut "Süddeutsche Zeitung" abgehört und protokolliert haben. Darin wurde etwa diskutiert, einem Banker eine Luxusreise oder ein hochwertiges Motorrad anzubieten. Weil das doch bestimmt in Erinnerung bliebe. Und vor allem: Es geht nun auch um die Deutsche Bank. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Mitarbeiter von Deutschlands größtem Geldhaus, eine millionenschwere Steuerhinterziehung beim Handel mit CO2-Rechten zumindest unterstützt zu haben.

Die Staatsanwälte waren bei ihren Ermittlungen gegen einen internationalen Betrügerring unter anderem auf Verbindungen zur Deutschen Bank Chart zeigen gestoßen und hatten im April 230 Wohnungen, Firmen und Banken durchsucht. Der Fall entwickelte am Wochenende noch einmal eine neue Dimension, als die "SZ" berichtete, dass die großangelegte Razzia an die Deutschbanker verraten worden war.

Damit gerät das Geldhaus erneut in die Defensive, auch wenn man sich überzeugt zeigt, dass die Vorwürfe gegen die Mitarbeiter entkräftet werden können. Eine Untersuchung einer von dem Dax-Konzern beauftragten Anwaltskanzlei habe bislang "keine Anhaltspunkte erbracht, die die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stützen", sagt ein Sprecher.

Helfen wird das wenig: Der Schaden ist bereits eingetreten. Wieder wird es zahlreiche Bürger geben, die sich durch die Affäre aufs Neue bestätigt sehen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird das maßlos ärgern. Kämpft er doch seit geraumer Zeit vehement um sein Image. Und um das der Bank.

Ackermann als Finanzwelt-Erklärer

Und er bemüht sich sehr. Ackermann ist mittlerweile demonstrative Bescheidenheit, wenn Kameras und Fotografen in der Nähe sind. Große Gesten spart er sich.

Und er sucht die Öffentlichkeit geradezu, so scheint es. Ackermann setzt sich eine Stunde lang in die TV-Show "Maybritt Illner" und erklärt Laien die Finanzwelt, er meldet sich beim G-20-Gipfel zu Wort und verhandelt an vorderster Front mit der Politik, wenn es um die Rettung von wankenden Konkurrenten geht. Der 62-Jährige mit dem silbernen Scheitel hat seine größte Bürde offenbar zur Tugend erklärt: Dass ganz Deutschland lauscht, wenn er etwas sagt.

Wenn er gut ist, macht er auf Vermittler zwischen Volk und Finanzelite. Bei "Illner" etwa erklärte er jüngst mit Engelsgeduld, warum Bankmanager seiner Ansicht nach keinesfalls eine Horde von rücksichtslosen Hasardeuren seien. "Außerordentlich viel" sei geschehen, seit die Finanzkrise ausbrach, sagte Ackermann mit freundlicher Stimme. "Wir haben die Bilanzsummen reduziert, wir haben das Eigenkapital gestärkt", erklärt er zum wohl hundertsten Mal. "Wir nehmen viel weniger Risiken." Auf alle Fragen hat er wohl formulierte Antworten. Obwohl es einem wie ihm manchmal sichtlich auf die Nerven geht, wenn immer und immer wieder von "Finanzjongleuren" die Rede ist, die "am großen Rad drehen".

Ackermann kann sympathisch wirken. Charmant. Er hat ein Spitzbubenlächeln und wirkt trotzdem souverän. Meistens. Wenn er nicht gerade wieder irgendeinen Spruch loslässt, der den Rest Deutschlands vor den Kopf stößt. Oder irgendein Skandal um seine Bank hochkocht. Beides ist ausgesprochen oft der Fall.

Angefangen hat es schon damals, als Ackermann im Mannesmann-Prozess auf der Anklagebank saß. Einer PR-Legende zufolge war das berühmte Foto, auf dem Ackermann den Fotografen mit breitem Grinsen das Victory-Zeichen entgegenstreckt, nur Ergebnis eines grandiosen Missverständnisses. Der Deutsche-Bank-Chef habe Pop-Idol Michael Jackson imitiert, der so vor Gericht erschienen war, heißt es. Das mag man glauben oder nicht - jedenfalls spart sich Ackermann derartige Witze inzwischen. Im Tonfall vergreift er sich allerdings immer noch ziemlich oft. Findet zumindest die Politik.

Etwa, wenn er wieder einmal mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit eine Eigenkapital-Rendite von 25 Prozent beschwört. Oder wenn er erklärt, er würde sich schämen, wenn seine Bank Geld vom Staate nehmen müsste. Oder wenn er Griechenland im Fernsehen in einem Nebensatz die Bonität abspricht, unmittelbar nachdem das Land gerade mit Hängen, Würgen und gigantischem Kraftaufwand vor dem Kollaps gerettet wurde.

Gute Geschäfte sind nicht immer gute Werbung

Ackermann selbst findet in solchen Momenten freilich, dass er nur seinen Job macht. Dass er im Interesse seines Unternehmens spreche und seinen Aktionären die Wahrheit sagen müsse. Nur macht die Wahrheit nicht immer beliebt. Und gute Geschäfte - oder solche, von denen man denkt, dass sie gut laufen können - sind nicht immer auch gute Werbung. Im Gegenteil. Seit die Finanzkrise von Öffentlichkeit und Politik aufgearbeitet wird, ist so mancher kühle Deal ans Licht gekommen, der das Image der Deutschen Bank gründlich beschädigt hat.

  • Beispiel IKB: Die Deutsche Bank verkaufte der Mittelstandsbank Derivate auf US-Ramschhypotheken. Auch noch zu einem Zeitpunkt, als Fachleute aus den eigenen Reihen längst nicht mehr an den riskanten Markt glaubten. Die IKB Chart zeigen ging unter anderem wegen solcher Ramschpapiere später fast zugrunde. Bei der IKB seien Profis am Werk gewesen, verteidigte sich Ackermann mit Blick auf das unrühmliche Kapitel einmal vor Gericht. Trotzdem wirkte die Deutsche Bank ein bisschen wie der grausame Riese, der den Zwerg bewusst hat in sein Verderben rennen lassen.

  • Ähnlich verheerend war die Wirkung der Swap-Geschäfte, die die Deutsche Bank etlichen Kommunen andiente. In vielen Fällen endete das Experiment mit den bizarren Zinsgeschäften zur Aufbesserung der Gemeindekasse im Desaster. Die Stadt Hagen etwa machte auf diese Weise 42 Millionen Euro Miese. Man habe doch in diesen Fällen stets mit Spezialisten gesprochen, sagt Ackermann zu diesem unrühmlichen Kapitel. Die meisten Gerichtsverfahren in der Sache gewann die Bank. Doch obwohl auch so mancher gierige Stadtkämmerer die Deals mit Dollarzeichen in den Augen unterschrieben haben dürfte, wird vor allem Ackermann der Skandal immer wieder unter die Nase gerieben.

  • Immer wieder fühlen sich auch Anleger geprellt - wie etwa bei den sogenannten DB Life Fonds. Das Geldinstitut hatte mit den morbiden Vehikeln in Lebensversicherungen investiert, die US-Bürger loswerden wollen. Das simple Geschäftsmodell: Beim Tod des ursprünglichen Policen-Inhabers sollte die Ausschüttung letztlich an die Investoren gehen. Dummerweise hatten sich die Banker, die das Investment-Vehikel konstruierten, bei der Kalkulation mit Lebenserwartungen und Prämien-Ausschüttungen gründlich verrechnet - die erhofften Renditen blieben aus. Und die Anleger machten so lange Ärger, bis sie mit 80 Prozent ihrer Investition aus den Fonds herausgekauft wurden.

  • Auch mit dem Riesenradfonds Global View hat die Deutsche Bank derzeit mächtig Ärger. Dabei hat sie das Flop-Investment, mit dem eigentlich einmal gigantische Aussichtsräder in allen möglichen Städten gebaut werden sollten, nicht einmal selbst aufgelegt. Doch nach SPIEGEL-Informationen sollen überhöhte Provisionen vereinbart worden sein. Diesen Vorwurf weist die Deutsche Bank zwar zurück - viele Anleger sind aber trotzdem stinkwütend. Ihnen wurden vom verantwortlichen Bankhaus Delbrück Bethmann Maffei (DBM) lediglich 60 Prozent ihrer ursprünglichen Investition als Vergleich angeboten. Hunderte Geschädigte wollen deshalb jetzt klagen. Notfalls auch gegen die Deutsche Bank.

Bislang sind solche unfeinen Affären irgendwann immer wieder in Vergessenheit geraten. Auch weil etwaiges Fehlverhalten, wenn es überhaupt zugegeben werden muss, in der Regel auf einzelne Angestellte abgewälzt werden konnte. Und weil Ackermann selbst am Ende immer mit weißer Weste dastand.

Zum Falle des Umsatzsteuerskandals hat sich der Bankenchef bislang nicht geäußert.

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06.07.2010 von excitable_boy: ...

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