Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Die Geschichte hat jetzt alles, was sie braucht, um ein Skandal zu werden. Es geht um Telefonate, die Ermittler laut "Süddeutsche Zeitung" abgehört und protokolliert haben. Darin wurde etwa diskutiert, einem Banker eine Luxusreise oder ein hochwertiges Motorrad anzubieten. Weil das doch bestimmt in Erinnerung bliebe. Und vor allem: Es geht nun auch um die Deutsche Bank. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Mitarbeiter von Deutschlands größtem Geldhaus, eine millionenschwere Steuerhinterziehung beim Handel mit CO2-Rechten zumindest unterstützt zu haben.
Die Staatsanwälte waren bei ihren Ermittlungen gegen einen internationalen Betrügerring unter anderem auf Verbindungen zur Deutschen Bank
gestoßen und hatten im April 230 Wohnungen, Firmen und Banken durchsucht. Der Fall entwickelte am Wochenende noch einmal eine neue Dimension, als die "SZ" berichtete, dass die großangelegte Razzia an die Deutschbanker verraten worden war.
Damit gerät das Geldhaus erneut in die Defensive, auch wenn man sich überzeugt zeigt, dass die Vorwürfe gegen die Mitarbeiter entkräftet werden können. Eine Untersuchung einer von dem Dax-Konzern beauftragten Anwaltskanzlei habe bislang "keine Anhaltspunkte erbracht, die die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stützen", sagt ein Sprecher.
Helfen wird das wenig: Der Schaden ist bereits eingetreten. Wieder wird es zahlreiche Bürger geben, die sich durch die Affäre aufs Neue bestätigt sehen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird das maßlos ärgern. Kämpft er doch seit geraumer Zeit vehement um sein Image. Und um das der Bank.
Ackermann als Finanzwelt-Erklärer
Und er bemüht sich sehr. Ackermann ist mittlerweile demonstrative Bescheidenheit, wenn Kameras und Fotografen in der Nähe sind. Große Gesten spart er sich.
Und er sucht die Öffentlichkeit geradezu, so scheint es. Ackermann setzt sich eine Stunde lang in die TV-Show "Maybritt Illner" und erklärt Laien die Finanzwelt, er meldet sich beim G-20-Gipfel zu Wort und verhandelt an vorderster Front mit der Politik, wenn es um die Rettung von wankenden Konkurrenten geht. Der 62-Jährige mit dem silbernen Scheitel hat seine größte Bürde offenbar zur Tugend erklärt: Dass ganz Deutschland lauscht, wenn er etwas sagt.
Wenn er gut ist, macht er auf Vermittler zwischen Volk und Finanzelite. Bei "Illner" etwa erklärte er jüngst mit Engelsgeduld, warum Bankmanager seiner Ansicht nach keinesfalls eine Horde von rücksichtslosen Hasardeuren seien. "Außerordentlich viel" sei geschehen, seit die Finanzkrise ausbrach, sagte Ackermann mit freundlicher Stimme. "Wir haben die Bilanzsummen reduziert, wir haben das Eigenkapital gestärkt", erklärt er zum wohl hundertsten Mal. "Wir nehmen viel weniger Risiken." Auf alle Fragen hat er wohl formulierte Antworten. Obwohl es einem wie ihm manchmal sichtlich auf die Nerven geht, wenn immer und immer wieder von "Finanzjongleuren" die Rede ist, die "am großen Rad drehen".
Ackermann kann sympathisch wirken. Charmant. Er hat ein Spitzbubenlächeln und wirkt trotzdem souverän. Meistens. Wenn er nicht gerade wieder irgendeinen Spruch loslässt, der den Rest Deutschlands vor den Kopf stößt. Oder irgendein Skandal um seine Bank hochkocht. Beides ist ausgesprochen oft der Fall.
Angefangen hat es schon damals, als Ackermann im Mannesmann-Prozess auf der Anklagebank saß. Einer PR-Legende zufolge war das berühmte Foto, auf dem Ackermann den Fotografen mit breitem Grinsen das Victory-Zeichen entgegenstreckt, nur Ergebnis eines grandiosen Missverständnisses. Der Deutsche-Bank-Chef habe Pop-Idol Michael Jackson imitiert, der so vor Gericht erschienen war, heißt es. Das mag man glauben oder nicht - jedenfalls spart sich Ackermann derartige Witze inzwischen. Im Tonfall vergreift er sich allerdings immer noch ziemlich oft. Findet zumindest die Politik.
Etwa, wenn er wieder einmal mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit eine Eigenkapital-Rendite von 25 Prozent beschwört. Oder wenn er erklärt, er würde sich schämen, wenn seine Bank Geld vom Staate nehmen müsste. Oder wenn er Griechenland im Fernsehen in einem Nebensatz die Bonität abspricht, unmittelbar nachdem das Land gerade mit Hängen, Würgen und gigantischem Kraftaufwand vor dem Kollaps gerettet wurde.
Gute Geschäfte sind nicht immer gute Werbung
Ackermann selbst findet in solchen Momenten freilich, dass er nur seinen Job macht. Dass er im Interesse seines Unternehmens spreche und seinen Aktionären die Wahrheit sagen müsse. Nur macht die Wahrheit nicht immer beliebt. Und gute Geschäfte - oder solche, von denen man denkt, dass sie gut laufen können - sind nicht immer auch gute Werbung. Im Gegenteil. Seit die Finanzkrise von Öffentlichkeit und Politik aufgearbeitet wird, ist so mancher kühle Deal ans Licht gekommen, der das Image der Deutschen Bank gründlich beschädigt hat.
Bislang sind solche unfeinen Affären irgendwann immer wieder in Vergessenheit geraten. Auch weil etwaiges Fehlverhalten, wenn es überhaupt zugegeben werden muss, in der Regel auf einzelne Angestellte abgewälzt werden konnte. Und weil Ackermann selbst am Ende immer mit weißer Weste dastand.
Zum Falle des Umsatzsteuerskandals hat sich der Bankenchef bislang nicht geäußert.
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Ganz einfach: Ein Mitforist schob diesen Fall von Kriminalität auf "das System". Ich versuchte lediglich darzustellen, dass Kriminalität eben nicht vom System abhängt. Da liegen wir ja dann auf einer Linie, denn [...] mehr...
Nabend zusammen, Jetzt müssen Sie mir nur noch erklären, was das Eine mit dem Anderen zu tun hat. Denn das eine Unrecht-System rechtfertigt das Andere noch lange nicht. Denn nur weil in der DDR das System nur geringfügig [...] mehr...
Der eigentliche Skandal ist der , dass in dem "Rechts"staat Bundesrepublik eine Bank ohne einen strengen Verdacht auf eine Straftat und ohne richterlicher Genehmigung offenbar von staatlichen "Diensten" [...] mehr...
Zu erwähnen wäre noch, daß laut SZ die Staatsanwalt von einem Maulwurf nur 'ausgehe'. Soll heissen, konkrete Indizien handelnder Personen gibt es nicht. Der Tipp kann auch mittels elektronischer Hilfen geliefert worden sein. [...] mehr...
Die Banken haben mehr Geld flüssig, als die Staaten. Es ist naiv zu glauben, dass die Exekutive bei schlechter Bezahlung loyal zum Staat bleibt. Dass die Legislative gegen die Banken wenig zustande bringt, ist Fakt. Es wird [...] mehr...
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