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06.07.2010
 

Gehälterdebatte

Weiblich, bescheiden, übervorteilt

Von Christian Teevs

Angestellte: Geben sich Frauen mit weniger Lohn zufrieden?Zur Großansicht
Corbis

Angestellte: Geben sich Frauen mit weniger Lohn zufrieden?

Eine Studie sorgt für Aufregung: Frauen sollen mit ihrem Gehalt zufriedener sein als Männer - obwohl sie weniger verdienen. Doch sind sie wirklich bescheidener? Experten winken ab und erklären die Ergebnisse mit veralteten Rollenvorstellungen.

Hamburg - Die erste Reaktion des Personalberaters auf die Studie ist drastisch: "Dass Frauen behaupten, dass ihnen ein geringeres Einkommen als Männern ausreiche, ist doch Unsinn." Hermann Sendele von "Board Consultants" hält es für unglaubwürdig, dass Frauen freiwillig auf Geld verzichten. "Für Führungskräfte kann ich das jedenfalls ausschließen, das habe ich in 22 Jahren Berufsjahren noch nie erlebt."

Doch eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt genau das: Demnach empfinden Frauen Löhne als gerecht, die rund ein Viertel niedriger sind als die Wunschgehälter von Männern - und damit sogar unter jener Summe liegen, die männliche Kollegen tatsächlich verdienen. Dies gelte für alle Einkommensschichten und Branchen, schreiben die DIW-Autoren. Frauen würden daher in Vertragsgesprächen weniger Ansprüche stellen als Männer. Die Studie basiert auf Daten, die das DIW seit 2005 jährlich von mehr als 10.000 Haushalten erhebt.

Dass Frauen sich freiwillig unterordnen, könne er sich nur bei Geringverdienern vorstellen, sagt Personalberater Sendele. "In diesem Bereich könnte das zutreffen wegen traditioneller Rollenvorstellungen, aber ganz sicher nicht bei gut ausgebildeten weiblichen Führungskräften." Dagegen spreche aus seiner Sicht, dass Frauen heute bei der Qualifikation längst gleichgezogen hätten, "oft sogar besser ausgebildet sind".

Was der Berater aber unterschlägt: Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern sind unbestritten. 23 Prozent weniger Gehalt bekommen Frauen im Vergleich zu Männern - bei gleicher Qualifikation. Doch woran liegt das?

Bislang wurde die Schuld stets den Unternehmen zugeschoben, die weibliche Mitarbeiter angeblich diskriminieren. Auch die Politik kommt meist schlecht weg, weil sie Frauen zu wenig fördere. Doch mit ihrer Studie, die sich auch auf zwei Umfragen der Universitäten Bielefeld und Konstanz beruft, hat das DIW nun eine weitere Deutungsmöglichkeit in die Debatte eingebracht: Nämlich dass die Frauen selbst schuld sind. Weil sie sich mit ihrem niedrigen Lohn zufrieden geben und nicht auf ihr Recht pochen.

So drastisch drücken die DIW-Autoren das natürlich nicht aus. Und es entspricht wohl auch kaum der Realität auf dem Arbeitsmarkt. Allerdings zeigen auch andere Untersuchungen, dass Frauen eher zufrieden mit ihrem Gehalt sind.

"Fatale Interpretation"

Hagen Lesch und Jenny Bennett haben das Gerechtigkeitsempfinden von Niedriglöhnern analysiert - für eine noch nicht veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Während bei den Männern 61,8 Prozent mit ihrem Stundenlohn von weniger als 8,50 Euro unzufrieden waren, gaben dies nur 50,3 Prozent der Frauen an. Das liege an den unterschiedlichen Maßstäben, sagt Lesch. "Frauen hängt das Gerechtigkeitsempfinden vom etwa vom gesamten Haushaltseinkommen ab, während es für Männer wichtiger ist, selbst Einkommen zu erzielen." Auch andere "weiche Faktoren" wie Zeitmanagement und Ortsgebundenheit seien für Frauen wichtiger als für Männer.

Für Reinhard Bispinck, Tarifexperte von der Hans-Böckler-Stiftung, ist es jedoch eine "fatale Interpretation, dass die Frauen selbst schuld sein sollen". Seiner Ansicht nach würden die niedrigeren Erwartungen lediglich die realen Einkommensunterschiede widerspiegeln. Die Ergebnisse zeigten demnach, "wie festgefahren die Rollenvorstellungen und Erwartungshaltungen in der Gesellschaft sind". Klar sei für ihn, dass die Einschätzungen durch reale Zwänge beeinflusst werden. "Ein Großteil der Frauen kann etwa gar nicht frei über den Lohn verhandeln", sagt Bispinck.

Außerdem seien die Gehaltsunterschiede bei gleicher Qualifikation immer noch nicht allen bekannt. "Die Unternehmen müssen transparenter machen, wem sie wie viel bezahlen", sagt Bispinck. Die Böckler-Stiftung bietet daher einen Gehaltscheck für 280 Berufe an. Dort können Beschäftigte ausrechnen lassen, wie viel Männer wirklich mehr verdienen.

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insgesamt 39 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
03.08.2010 von serenità: .

Aber finanzielle Not ist doch nicht der einzige Anreiz, um arbeiten zu gehen? Wäre ja traurig! mehr...

03.08.2010 von serenità: ?

Moment mal... ich bin keine überzeugte Feministin, aber da wundere ich mich jetzt schon, worauf sie diese einfach so in den Wald gerufene Aussage denn basieren? Zumal ich das Gegenteil lebe. mehr...

08.07.2010 von Christian Krippenstapel: Eine Frage der Interpretation

Was Sie da schreiben, ist auch immer sehr schön zu beobachten, wenn die europäischen Länder miteinander vergleichen werden! da wird dann oft sehr bitter beklagt, daß Frauen hierzulande viel seltener berufstätig sind und im [...] mehr...

08.07.2010 von kdshp: aw

Dass Frauen sich freiwillig unterordnen, könne er sich nur bei Geringverdienern vorstellen, sagt Personalberater Sendele. "In diesem Bereich könnte das zutreffen wegen traditioneller Rollenvorstellungen, aber ganz sicher [...] mehr...

08.07.2010 von Christian Krippenstapel: Die Kernfrage ist nicht beantwortet

Daß Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer, läßt sich nicht bestreiten. Daß dies in allererster Linie so ist, weil die meisten Frauen Arbeit und Einkommen nicht den selben, überragenden Stellenwert einräumen wie Männer und [...] mehr...

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Warum verdienen Frauen weniger?

Frauen verdienen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen - bei gleicher Qualifikation. Wer ist daran schuld?

  • Die Unternehmen - sie drücken die Löhne, wo sie können.
  • Die Gesellschaft - sie ist durch und durch patriarchalisch.
  • Die Politik - sie müsste viel mehr für Gleichberechtigung tun.
  • Die Männer - sie drängen ihre Kolleginnen oft zur Seite.
  • Die Frauen selbst - sie sind bescheidener und treten anders auf als Männer.

Entwicklung des Durchschnittsverdiensts
Jahr Bruttoverdienst in Euro Veränderung gegenüber Vorjahr Stunden-
Lohn in Euro
2000 25.108 18,10
2001 25.563 1,8 18,59
2002 25.904 1,3 18,97
2003 26.231 1,3 19,29
2004 26.399 0,6 19,36
2005 26.470 0,3 19,55
2006 26.706 0,9 19,76
2007 27.128 1,6 20,04
2008 27.751 2,3 20,51
2009 27.648 -0,4 21,12
Quelle: Statistisches Bundesamt





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