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16.07.2010
 

Kurserholung

Finanzmärkte entdecken den Euro wieder

Ein-Euro-Münze: Erholung nach sechs Monaten KriseZur Großansicht
ddp

Ein-Euro-Münze: Erholung nach sechs Monaten Krise

Das Vertrauen kehrt zurück: Dank des Rettungsschirms und rigider Sparprogramme feiert der Euro Wiederauferstehung an den Finanzmärkten. Zeitweise war die Gemeinschaftswährung sogar wieder mehr als 1,30 Dollar wert - doch ganz gebannt ist die Gefahr noch nicht.

Frankfurt am Main - Die Erholung erfolgte überraschend schnell. Experten hatten dem Euro eine düstere Zukunft vorausgesagt, nachdem die Einzelheiten über die Haushalte der südeuropäischen Euro-Staaten bekanntgeworden waren. Nun jedoch gewinnt der Euro in Dollar wieder an Stärke. Seit dem Jahrestief von Anfang Mai bei 1,18 US-Dollar erholte er sich Zug um Zug und notierte am Freitag zeitweise knapp über der Marke von 1,30 Dollar Chart zeigen. Ökonomen werten das als Rückkehr des Vertrauens in die Märkte.

Der Währungsraum schüttele die Schuldenkrise zusehends ab, urteilen Experten. "Der Wind am Devisenmarkt hat gedreht", sagt etwa Klaus Gölitz, Devisenexperte vom Bankhaus M.M. Warburg. Hennig Klodt vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel meint: "Die Märkte sind offenbar nicht mehr so in Sorge um die Zukunft des Euro."

Das Dilemma begann im Herbst 2009, als Griechenland einräumen musste, dass seine Finanzen noch zerrütteter sind als befürchtet. Die neue griechische Regierung berichtigte Zahlen zu Schuldenstand und Neuverschuldung drastisch nach oben. Seit Jahresbeginn gerieten auch andere hochverschuldete und strukturschwache Euro-Länder wie Spanien und Portugal an den Märkten unter Beschuss. Der Euro stürzte um rund 30 Cent ab.

Rettungsschirm leitet Wende ein

Dass die Vorzeichen für den Euro wieder besser sind, führen Ökonomen nicht zuletzt auf den gigantischen Rettungsschirm von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) zurück. Auch der Sparkurs, den zum Beispiel die Regierung in Athen eingeschlagen hat, wird von den Märkten goutiert. "Sowohl die USA als auch die Euro-Zone haben strukturelle Probleme. Die Euro-Zone packt sie an, dafür gibt es die Belohnung auf der Emissionsseite wie auf der Währungsseite", sagt die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Gertrud Traud.

In der Tat: Nachdem das Milliardenpaket für die angeschlagenen Euro-Länder Anfang Mai geschnürt war, fing sich der Euro zusehends - wenngleich der Weg dorthin steinig war. Vor allem die Bundesregierung hatte sich der Lösung lange versperrt. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) stand insbesondere einer Beteiligung des IWF kritisch gegenüber. Doch als sich die Lage an den Finanzmärkten immer mehr zuspitzte, lenkte die Bundesregierung Anfang Mai ein. Der Sinkflug des Euro konnte gestoppt werden.

Das Abebben der Schuldenkrise in Europa rückt zusehends die USA in den Fokus. Kritisch beäugen Anleger allerdings weniger die immense Verschuldung des amerikanischen Staates, sondern die zusehends schlechtere Konjunkturlage. "Immer ungünstigere Konjunkturdaten aus den USA haben den Dollar zuletzt unter Druck gesetzt", erklärt Devisenfachmann Gölitz.

USA rücken in den Mittelpunkt

Neben wichtigen Frühindikatoren, die in den letzten Wochen immer wieder enttäuscht hatten, bereitet vor allem der für den privaten Konsum wichtige Arbeitsmarkt Sorgen. Die starke Rezession in den USA hatte rund acht Millionen Arbeitsplätze gekostet. Seit Mitte 2009 hatte sich die Lage zwar ein wenig entspannt. In den letzten beiden Monaten scheint die Erholung aber ins Stocken zu geraten: So wurden in der Privatwirtschaft kaum neue Stellen geschaffen. Die Wochenarbeitszeit war zuletzt sogar rückläufig, die Stundenlöhne und damit die Einkommen der privaten Haushalte stagnierten. Dies befeuert Sorgen vor einem sogenannten Double Dip - einem erneuten Rückfall in die Rezession. Seit Wochen steht der Dollar deswegen unter Druck.

Für endgültige Entwarnung im Euro-Raum ist es nach Einschätzung des Kieler Ökonomen Klodt trotz der positiven Signale noch zu früh: "Die Schuldenkrise kann jederzeit vom Glimmen wieder in offenes Feuer umschlagen." Dennoch schätzen Experten die Chancen für eine weitere Erholung der Gemeinschaftswährung als gut ein. "In den letzten Tagen hat der Euro wichtige Marken durchbrochen", sagt Marc Burgheim, Leiter der Devisenabteilung bei der BayernLB. Mittelfristig sieht Burgheim Luft nach oben bis rund 1,38 Dollar. "Neben zuletzt fast ausnahmslos schwachen US-Konjunkturdaten ist entscheidend, dass der Dollar zurzeit nicht mehr als Hort der Sicherheit gefragt ist."

Allzu stark sollte der Euro ohnehin nicht werden, warnen Ökonomen. Ein starker Euro verteuert Waren, die aus dem Euro-Raum ins Ausland verkauft werden - eine ungute Entwicklung für die exportorientierte deutsche Wirtschaft. "Eine Abwertung des Euro ist gut für den Export, eine Aufwertung schlecht. Aber ob der Euro bei 1,19 US-Dollar steht oder bei 1,29 macht da noch keinen großen Unterschied", sagt Klodt.

mik/dpa-AFX

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