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22.07.2010
 

US-Notenbankchef

Bernanke hält US-Wirtschaft für "außergewöhnlich unsicher"

Droht der US-Konjunktur der Rückfall in die Rezession? Die amerikanische Notenbank Fed schließt zumindest weitere Schritte zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht aus. Vor allem der Arbeitsmarkt bereitet den Experten Sorge.

Washington - Diese Worte schrecken auf: Die Erholung der US-Wirtschaft sei "außergewöhnlich unsicher", sagte der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, am Mittwoch in Washington. Sogar so unsicher, dass die Fed bereit sei, neue geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen, um die Konjunktur zu stützen.

Zwar sagte Bernanke in seinem halbjährlichen Konjunkturbericht vor dem Bankenausschuss des US-Senats nicht, welche konkreten Schritte ergriffen werden sollen. Darüber gebe es noch keine Entscheidung. Doch an den US-Börsen folgte prompt die Reaktion auf die Worte des einflussreichen Geldexperten: Der wichtigste US-Index Dow Jones rutschte ins Minus. Er schloss bei 10.120 Punkten und einem Minus von gut einem Prozent.

Auch in Deutschland reagierten Anleger verunsichert. Der Dax startete am Donnerstag mit einem Abschlag. Am späten Vormittag erholte sich der Leitindex aber um rund ein Prozent auf etwa 6050 Punkte.

Eigentlich will die Notenbank die Konjunkturprogramme auslaufen lassen

Für Verunsicherung sorgte, dass Bernanke in seiner Rede unter anderem eine Anhebung der Zinsen, die die Geschäftsbanken für Einlagen bei der Fed erhalten, erwähnt hatte. Solche neuen fiskalpolitischen Maßnahmen könnten notwendig werden, um die Wirtschaft zu stützen, wenn sich die Notenbank von ihrer Nullzinspolitik verabschieden muss.

Zurzeit befindet sich der Leitzins auf einem historischen Tiefstand, was laut Bernanke auch für einen "längeren Zeitraum" so bleiben soll. Allerdings müsse ab einem gewissen Zeitpunkt über Zinserhöhungen nachgedacht werden, um Inflationsgefahren zu vermeiden.

Auf der anderen Seite unterstrich Bernanke, dass die Notenbank weiter plane, aktuelle Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft auslaufen zu lassen, die während der Finanzkrise ergriffen wurden.

Zwar sei die Erholung der US-Wirtschaft insgesamt auf einem guten Weg, weil unter anderem der private Konsum, Exporte und Investitionen der Unternehmen zugenommen hätten. So sei für 2010 mit einem Plus zwischen 3,0 und 3,5 Prozent zu rechnen und in den beiden Jahren danach mit 3,5 bis 4,5 Prozent. Doch gebe es derzeit große Abwärtsrisiken für das Wachstum, sagte der Fed-Chef.

Sorgen bereite insbesondere die zögerliche Erholung des Arbeitsmarkts. Im ersten Halbjahr dieses Jahres seien weniger neue Jobs geschaffen worden, als für eine nachhaltige Erholung notwendig gewesen wäre. "Sehr wahrscheinlich wird es viel Zeit brauchen, die fast 8,5 Millionen Arbeitsplätze wieder aufzubauen, die 2008 und 2009 verloren gingen", sagte der Notenbankchef. Die zunehmende Langzeitarbeitslosigkeit könne dem privaten Konsum schaden und zu einem Verlust qualifizierter Fachkräfte führen.

Darüber hinaus sei der Häusermarkt nach wie vor schwach, das Überangebot an Immobilien belaste die Preise. Auch die europäische Schuldenkrise belaste, sagte der Fed-Chef.

Auch die deutsche Konjunktur ist laut Experten nicht stabil

Auch in Deutschland warnen Experten vor konjunkturellen Risiken. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, hält zwar ein Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent in diesem Jahr "für möglich". Allerdings gebe es "Indikatoren, die zur Vorsicht mahnen". Für 2011 sei seine Prognose "etwas skeptischer, weil wir nicht wissen, wie sich die Weltwirtschaft entwickelt, wohin der Euro geht und was der Ölpreis macht", sagte Franz dem "Handelsblatt".

Eine erneute Rezession fürchtet Franz dennoch nicht. Dies halte er für "sehr unwahrscheinlich", sagte er weiter.

yes/dpa

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