Wirtschaft



ThemaArbeitsmarktRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
22.07.2010
 

Statistik

Frauen sind die Gewinner der Krise

Maschinenbauer: Die Wirtschaftskrise traf vor allem typische Männerberufe Zur Großansicht
AP

Maschinenbauer: Die Wirtschaftskrise traf vor allem typische Männerberufe

Die Wirtschaftskrise hat vor allem die Branchen getroffen, in denen viele Männer arbeiten. Hier sank die Zahl der Arbeitnehmer im Krisenjahr 2009 deutlich. Weibliche Beschäftigte gibt es dagegen mehr als vor dem Abschwung.

Wiesbaden - Der Arbeitsplatzabbau im Krisenjahr 2009 hat vor allem Männer erwischt. Im Vergleich zu 2008 gab es im vergangenen Jahr 245.000 männliche Arbeitnehmer weniger. Das entspricht einem Minus von 1,5 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Bei den Arbeitnehmerinnen kamen hingegen 177.000 Beschäftigte hinzu - ein Plus von 1,2 Prozent.

Hintergrund ist, dass vor allem Branchen mit typischen Männerberufen, wie etwa der Maschinenbau oder Autokonzerne, von der Krise betroffen waren. Hier traf es insbesondere Arbeitnehmer in Zeitarbeit, die im wirtschaftlichen Abschwung spürbar zurückging. So sank bei den Männern die Zahl unbefristeter Voll- und Teilzeitjobs mit 0,9 Prozent nur leicht - auch weil das Instrument der Kurzarbeit stark genutzt wurde. Aber bei der Zeitarbeit und bei Jobs mit befristeten Verträgen fiel das Minus mit 5,4 Prozent sehr stark aus.

"Diese Entwicklung macht deutlich, dass vor allem Zeitarbeit und befristete Beschäftigung von den Unternehmen als Mittel genutzt wurden, flexibel auf die konjunkturellen Veränderungen zu reagieren", teilten die Statistiker mit. Bei den Frauen hingegen blieb die Zahl der Zeitarbeiter und befristet Beschäftigten nahezu konstant (-0,2 Prozent). Die unbefristeten Arbeitsverträge in Voll- oder Teilzeit nahmen sogar um 2,1 Prozent zu. Das liegt vor allem daran, dass weiblich dominierte Branchen, wie öffentliche und private Dienstleistungen, Zuwächse verzeichneten.

Erstmals seit 1991 mehr Beschäftigte im öffentlichen Dienst

Insgesamt ging die Zahl der Zeitarbeitnehmer laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr um 8,5 Prozent auf 560.000 zurück. Kaum verändert hat sich hingegen die Anzahl der Menschen in normalen Arbeitsverhältnissen, die unbefristet in Vollzeit oder in Teilzeit von mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten und nicht Leiharbeiter sind: Sie stieg 2009 minimal um 0,3 Prozent.

Im öffentlichen Dienst gibt es allerdings trotz der leeren Staatskassen erstmals seit knapp 20 Jahren wieder mehr Personal. Ende Juni 2009 arbeiteten mit rund 4,5 Millionen Beschäftigten 0,9 Prozent mehr Menschen für den öffentlichen Dienst als im Vorjahr. Der leichte Anstieg sei größtenteils auf eine Zunahme der befristeten Arbeitsverhältnisse zurückzuführen. Zuvor hatte die Beschäftigtenzahl im öffentlichen Dienst seit 1991 kontinuierlich abgenommen.

lgr/AFP/dpa/apn

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 9 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.07.2010 von nemopuk: Ein Vorteil am Arbeitsmarkt ist ein Gewinn

Diese Mütter sind genauso gut oder schlecht dran wie die Väter, deren Ehefrauen immer noch keinen Job haben. Und dabei haben Frauen derzeit offenbar sogar die bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz. Das verstehe ich unter [...] mehr...

23.07.2010 von Skade: Frauen die Gewinner

auch die Mütter deren Ehemänner immer noch keinen Job haben? mehr...

23.07.2010 von catalina67: die Damen

"Das Staatsministerium der Justiz und für Europa ist bestrebt, den Anteil von Frauen in der staatlichen Verwaltung zu erhöhen. Frauen werden daher ausdrücklich aufgefordert, sich zu bewerben." Tja, per Frauenquote [...] mehr...

23.07.2010 von serenità: Schön wär's...

... wenn die ganze Gesellschaft der Gewinner wäre. Ich hab als Frau kein Interesse daran, Gewinner auf Kosten anderer zu sein. mehr...

23.07.2010 von dasky: Frauen und Kinder zuerst

Na da können wir für "die Frauen" ja nur hoffen, dass auch weiter alles schön schief läuft, wenn sie davon profitieren. Schließlich sind "die Frauen" sowieso alle sehr benachteiligt, diskriminiert, [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Arbeitsmarkt

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Das sagen Arbeitnehmer

Kathrin Fuchss Portela, Physikerin an der Technischen Hochschule, Aachen

Die 33-jährige Physik-Doktorin Kathrin Fuchss Portela hangelt sich trotz bester Zeugnisse von einer befristeten Arbeitsstelle zur nächsten. Ihre beiden letzten Jobs: Über eine Zeitarbeitsfirma arbeitete sie befristet bei Carl Zeiss SMT AG, nun hat sie eine Stelle als Post-Doktorandin an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.
Fuchss Portela hat den Eindruck, dass "die meisten Stellen für Physiker befristet sind. Das ist eine sehr bedenkliche Entwicklung."
Die Naturwissenschaftlerin klagt, dass sie und ihr Ehemann, ein Physiker brasilianischer Nationalität, sich nicht um ihre Lebensplanung kümmern können. "Es ist schwierig, uns für Kinder zu entscheiden, den Kauf eines Hauses zu planen oder eine private Rentenversicherung abzuschließen. Wir haben keine Arbeitsplätze, auf die wir uns verlassen könnten."
Ihnen fehlt ein dauerhaftes Zuhause, die Wohnung ist nur provisorisch eingerichtet. "Wenn der nächste Arbeitsplatzwechsel samt Umzug schon wieder absehbar ist, wozu soll man dann die Bilder aufhängen?" Außerdem ist das Geld knapp: Die Bezahlung nehme von Stelle zu Stelle ab, sagt Fuchss Portela.
"Ich glaube, in Deutschland ist die Hürde des Kündigungsschutzes zu hoch", meint die Wissenschaftlerin. Viele Unternehmen würden Beschäftigte nur befristet einstellen, weil sie Angst hätten, sie im Falle wirtschaftlicher Probleme nicht kündigen zu können. In den USA, wo Fuchss Portela auf einer unbefristeten Stelle gearbeitet hat, sei das besser geregelt. Dort gebe es so gut wie keinen Kündigungsschutz, allerdings würden junge Wissenschaftler auch viel leichter unbefristete Arbeitsverträge erhalten.

Daniel Hausmann, Projektmanager bei einer Werbeagentur, Peking

Mona Frias, Betriebsrätin bei Schlecker, Berlin

Heike Lubitsch, Arbeitsberaterin bei der Bundesagentur für Arbeit, Freiburg


Wann ist eine Kündigung gültig?

Einfach so jemanden entlassen - das geht in Deutschland nicht. Man braucht gute Gründe für eine ordentliche Kündigung. Juristen unterscheiden zwischen einer personenbedingten (etwa bei langer Krankheit), einer verhaltensbedingten (etwa bei Leistungsmängeln oder ungenehmigten Nebentätigkeiten) und einer betriebsbedingten Kündigung (etwa bei Stilllegung der Firma).

Fristlos gefeuert werden kann nur, wer sich schwere Fehler geleistet hat - zum Beispiel stiehlt oder Dienstgeheimnisse verrät.

In jedem Fall muss die Entlassung vorher mit dem Betriebsrat abgestimmt sein und schriftlich erfolgen mit leserlicher Unterschrift; SMS oder E-Mail sind ungültig. Für bestimmte Personengruppen wie Schwerbehinderte oder Schwangere gilt ein erhöhter Kündigungsschutz.






TOP



TOP