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27.07.2010
 

Report

Warum die Deutschen immer öfter im Krankenhaus landen

Arzt im Krankenhaus: Hamburger bleiben besonders lange in der KlinikZur Großansicht
DDP

Arzt im Krankenhaus: Hamburger bleiben besonders lange in der Klinik

Wo bleibt nur das ganze Geld? Rund 55 Milliarden Euro geben die Kassen pro Jahr für die Behandlungen im Krankenhaus aus. Ein neuer Report enthüllt, wofür die Kliniken das Geld verwenden - und welche dramatischen Fehlentwicklungen es gibt.

Hamburg - Es ist der größte Ausgabenblock der gesetzlichen Versicherungen: Für keinen Bereich geben die Kassen so viel Geld aus wie für Behandlungen in einer Klinik. Im vergangenen Jahr ist fast jeder dritte Euro in die stationäre Versorgung geflossen - rund 55 Milliarden Euro.

Wo aber bleibt diese gigantische Summe? Wer muss besonders häufig in die Klinik? Und welche Krankheiten werden dort vor allem behandelt? Antworten auf diese Fragen gibt der Krankenhaus-Report der Barmer GEK. Dafür hat die größte gesetzliche Versicherung die Daten von mehreren Millionen Patienten für 2009 ausgewertet.

SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Ergebnisse der umfassenden Studie vor:

  • Die Deutschen müssen immer öfter ins Krankenhaus
    Zwar werden die Aufenthalte im Krankenhaus seit Jahren im Schnitt kürzer, da die Vergütung der Kliniken von der Dauer des Aufenthalts auf Fallpauschalen umgestellt wurde. 1990 blieb ein Patient noch durchschnittlich 13,4 Tage in der Klinik, 2000 waren es 10,3 Tage und im vergangenen Jahr nur noch 8,5 Tage. Gegenüber 2008 ist das ein Rückgang um 1,3 Prozent. Dafür werden die Deutschen aber immer öfter in eine Klinik geschickt. So stieg allein zwischen 2008 und 2009 die Häufigkeit der Behandlungen deutlich an: Sie nahm von 182 auf 186 Fälle pro 1000 Versicherte zu.
  • Hamburger sind besonders lange in der Klinik
    Die Dauer eines Krankenhausaufenthalts ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich: Während eine Behandlung in einer Hamburger Klinik 2009 im Schnitt knapp achteinhalb Tage dauerte, war sie in Niedersachsen bereits nach gut sieben Tagen beendet. Allerdings gibt es auch zahlreiche Flächenländer, in denen es länger dauerte als im Bundesdurchschnitt. Das gilt etwa für Sachsen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Die demografische Entwicklung ist für das Auseinanderklaffen nicht verantwortlich, denn es wurden nur Versicherte unter 65 Jahren untersucht.
  • Ostdeutsche sind besonders oft in stationärer Behandlung
    Die vier ostdeutschen Bundesländer Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen waren 2009 Spitzenreiter bei der Anzahl der Krankenhausbehandlungen. Unter 1000 Versicherten gab es etwa in Sachsen-Anhalt 161 Aufenthalte in einer Klinik. In Baden-Württemberg waren es dagegen nur 118.


  • Psychische Krankheiten nehmen dramatisch zu
    Die Anzahl der psychischen Erkrankungen nimmt weiter rapide zu. Betrachtet man die zehn häufigsten Diagnosen, die im vergangenen Jahr in Kliniken gestellt wurden, gehören allein die Top Vier zur Gruppe der psychischen Beschwerden. Patienten kommen außerdem vor allem wegen Herzstörungen, Brüchen und Arthrose in eine Klinik. Hinzu kommt: Die Behandlung psychischer Krankheiten nimmt immer mehr Zeit in Anspruch. Während die Verweildauer im Krankenhaus bei den meisten Diagnosen seit langem rückläufig ist (bei Kreislauferkrankungen seit 1990 um mehr als 40 Prozent), gibt es bei psychischen Störungen seit Jahren einen deutlichen Anstieg. Im vergangenen Jahr lag die Verweildauer von psychisch Kranken in einer Klinik um mehr als 50 Prozent höher als zwei Jahrzehnte zuvor. Besonders dramatisch ist, dass sich der Anstieg in den vergangenen Jahren nochmals beschleunigt hat. Vor allem die Behandlung von Depressionen nimmt inzwischen im Schnitt bis zu 38 Tage in Anspruch.
  • Operationen für künstliche Gelenke boomen
    Ältere Menschen ohne künstliches Knie- oder Hüftgelenk könnten schon bald in der Minderheit sein. Denn es werden immer mehr neue Hüft- und Kniegelenke implantiert. Zwischen 2003 und 2009 kam es zu fast 1,4 Millionen Hüftgelenks- und gut einer Million Kniegelenksoperationen. Allein im letzten Jahr wurden fast 210.000 Hüft- und 175.000 Knieprothesen eingesetzt. Kostenpunkt allein für die gesetzliche Versicherung im vergangenen Jahr: rund 2,9 Milliarden Euro. Am deutlichsten ist der Anstieg bei Operationen für neue Kniegelenke: 2009 gab es davon rund 50 Prozent mehr als noch 2003.
  • Arbeitslose sind besonders häufig im Krankenhaus
    Macht Arbeitslosigkeit krank? Zumindest liefert der Barmer-GEK-Report für diese These ein neues Indiz: So gab es 2009 unter 1000 Arbeitslosen 182 Aufenthalte im Krankenhaus, deren Dauer sich auf 1572 Tage summierte. Ganz anders dagegen das Bild bei berufstätigen Ingenieuren: Hier gab es nur 83 Behandlungsfälle - und auch der durchschnittliche Verweildauer in der Klinik war deutlich kürzer als bei Arbeitslosen.

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Die neuesten Beiträge:
17.07.2011 von n13l5: Mindestens zwei weitere unabhaengige Meinungen einholen, vor groesseren Eingriffen!

zwischen 60 und 70 Prozent aller Kaiserschnitte die in Los Angeles vorgenommen werden sind unnoetig und allein deswegen gemacht, weil das Krankenhaus dann statt 500 Dollar 4,000 Dollar kassiert. Ich bin mir ziemlich sicher [...] mehr...

28.07.2010 von Milkka: Operationsverweigerung

Hallo liebe LeserInnen, ich hatte mir mal einen unbemerkten Kahnbeinbruch am rechten Handgelenk eingehandelt. Der war deswegen unbemerkt, weil ich keinerlei Schmerzen hatte und meine Hand uneingeschränkt bewegbar war. Jahre [...] mehr...

28.07.2010 von Tini222: aha

Interessante meinung, die Sie da über 40 Mio (abhängig beschäftigte) Arbeitnehmer haben ... mehr...

28.07.2010 von mm2112: Haben Sie ein Problem?

Wer sagt dass ich jammere? Wer seinen Arsch selbst bewegen muß, um Geld zu verdienen, setzt die Prioritäten eben anders als jemand, der entweder von der Stütze lebt, Staatdiener ist oder einen bequemen Angestellenjob hat. Das [...] mehr...

27.07.2010 von weltbetrachter: Arbeitslose oft im Krankenhaus ???

Warum sind Arbeitslose mehr im Krankenhaus als Ingenieure ? Liegt es an der Ernährung, das Arbeitlose sich öfter den Magen verderben? Sind es Unfälle, (Schwarzarbeit oder Nachbarschaftshilfen), ein Schelm, der Böses dabei [...] mehr...

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