Nürnberg - Die Zahl der Erwerbslosen steigt - doch die Erholung am Arbeitsmarkt geht weiter. Im Juli meldeten sich 39.000 Menschen mehr arbeitslos als einen Monat zuvor. Insgesamt sind bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) jetzt 3,19 Millionen Menschen erwerbslos gemeldet, wie die größte Behörde Deutschlands am Donnerstag bekannt gab. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent.
Doch bei dem Anstieg handelt es sich lediglich um einen kleinen Knick auf der Arbeitslosenkurve, wie auch BA-Vorstand Frank-Jürgen Weise betonte. Denn im Juli melden sich immer mehr Menschen arbeitslos als in anderen Monaten - weil viele Unternehmen pausieren, und sich zahlreiche Schulabgänger erwerbslos melden.
Ein Indiz dafür, dass sich das kleine Jobwunder der vergangenen Monate fortsetzt, ist der Vergleich zum Vorjahr. So waren im Juli 2009 gut 271.000 Menschen mehr arbeitslos als heute. Bereinigt um saisonale Einflüsse verringerte sich die Arbeitslosenzahl sogar aktuell um 20.000. "Die deutsche Wirtschaft ist auf Erholungskurs, die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich weiter verbessert", sagte Weise.
Zahl der Erwerbstätigen nähert sich Rekordniveau
Auch Experten bewerteten die aktuellen Daten als positiv. Sie hatten mit einem etwas stärkeren Anstieg gerechnet. "Der Arbeitsmarkt ist in einer außerordentlich robusten Verfassung. Grund dafür ist vor allem, dass der Export floriert", sagte etwa Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus. Auch langfristig sind die Fachleute zuversichtlich: "Der Arbeitsmarkt bleibt auch in den kommenden Monaten stabil, weil die Auftragsbestände noch vorhanden sind", sagte Peter Leonhardt von der Dekabank.
Die BA rechnet daher für das Gesamtjahr nur noch mit 3,2 Millionen Erwerbslosen. Bisher war die Behörde von 3,4 Millionen im Jahreschnitt ausgegangen. Die positive Entwicklung mache eine Korrektur der Prognose erforderlich, sagte BA-Chef Weise. Entsprechend geringer werde das für 2010 erwartete Defizit der Bundesagentur ausfallen. Statt mit 15 Milliarden Euro rechne er jetzt nur noch mit einem Minus von 11,3 Milliarden Euro. Nach Abzug der Rücklagen sei daher nur noch ein Bundeszuschuss von 8,4 Milliarden Euro erforderlich, erläuterte Weise.
Wie gut sich der Arbeitsmarkt bereits in den vergangenen Monaten entwickelt hat, zeigten auch Daten des Statistischen Bundesamts vom Donnerstag. Im Juni wurden rund 40,3 Millionen Erwerbstätige gezählt - 131.000 mehr als vor einem Jahr und 41.000 mehr als im Vormonat. "Seit der Wiedervereinigung wurden in einem Juni noch nie so viele Erwerbstätige gezählt", sagte ein Statistiker. Damit rückt die im Oktober 2008 erreichte Rekord-Beschäftigung von knapp 40,8 Millionen in Reichweite.
Die meisten Experten rechnen auch hier mit einer weiter positiven Tendenz. Das Ifo-Institut erwartet für dieses Jahr durchschnittlich 40,35 Millionen und für 2011 mit rund 40,5 Millionen Beschäftigten.
yes/Reuters/dpa
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