Berlin - Zwischen Finanz- und Wirtschaftsministerium gibt es nach SPIEGEL-Informationen Streit, wer in Zukunft Fondsvermittler überwachen soll. Als Konsequenz aus der globalen Wirtschaftskrise hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bereits im März einen umfassenden Gesetzentwurf zur Stärkung des Anlegerschutzes noch bis zur Sommerpause angekündigt.
Schäuble schlägt unter anderem eine Verschärfung der Anforderungen beim Vertrieb von Produkten des grauen Kapitalmarkts vor. Knackpunkt dabei ist eine mögliche Erweiterung des Finanzinstrumente-Begriffs: Geht es nach dem Willen von Schäuble, sollen auch geschlossene Fonds künftig als Wertpapiere gelten und unter das Kreditwesengesetz fallen. Deren Vermittler aber unterliegen der Aufsicht durch die Finanzaufsichtsbehörde BaFin.
Im Wirtschaftsministerium hält man von dieser Idee wenig - und sorgte dafür, dass Schäubles Entwurf von der Tagesordnung des Kabinetts verschwand. Außerdem will man kurzfristig einen neuen Entwurf erarbeiten, allerdings mit deutlichen Unterschieden.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will die Anlageberater unter die Gewerbeaufsicht stellen, was zur Freude der Lobbyisten wenig mehr als einer Registrierung gleichkäme. Das könne man "in jedem Fall als Erfolg unserer Anstrengungen verbuchen", heißt es in einem internen Schreiben des Verbands Unabhängiger Finanzdienstleistungs-Unternehmen.
Die Opposition sieht Brüderles Vorstoß mit Skepsis. Das Gewerberecht böte nur eine Scheinaufsicht, "die den vielen schwarzen Schafen bei den Beratern das Leben erleichtern", kritisiert die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn.
chs
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Wirtschaftspolitik | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH