Wirtschaft


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03.08.2010
 

Amerikanische Handelskammer

Deutsche Bürokratie schreckt Fachkräfte ab

Bürokratie: Hiesigen US-Firmen zufolge ein Gräuel für ausländische FachkräfteZur Großansicht
Corbis

Bürokratie: Hiesigen US-Firmen zufolge ein Gräuel für ausländische Fachkräfte

Die Politik diskutiert über Lockprämien für ausländische Fachkräfte - doch die Debatte geht am Kern vorbei, kritisiert die amerikanische Handelskammer. Hauptgrund für die geringe Zuwanderung sei ein anderer: Deutschland ist einfach zu kompliziert.

Frankfurt am Main - Mit gezieltem Bürokratieabbau könnten nach Meinung der führenden US-Unternehmen in Deutschland deutlich mehr ausländische Fachkräfte angeworben werden als mit Prämien. In einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham) nannten mehr als ein Viertel der befragten Unternehmen die schwierige Bürokratie als Haupthindernis dafür, ausländische Fachkräfte ins Land zu locken. Außerdem schrecken die als schwierig empfundene Integration (21 Prozent) und das komplizierte Steuerrecht (elf Prozent) ab.

Anwerbeprämien wie von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) vorgeschlagen nannte die Handelskammer "nicht angemessen". Die Unternehmen täten selbst genug und böten viele Anreize. Der Fachkräftemangel sei aus Sicht der befragten Unternehmen für die Gegenwart nicht dramatisch, jedoch für die Zukunft alarmierend. So sähen 70 Prozent der Befragten heute keinen Mangel an Fachkräften. Jedoch meinen mehr als die Hälfte (58 Prozent), dass sie ihren Fachkräftebedarf in der Zukunft nicht decken könnten. Die AmCham hat nach eigenen Angaben die 50 führenden US-Unternehmen in Deutschland befragt.

Deutschland gilt bei hiesigen US-Firmen durchaus als attraktiv

Als Beispiel für bürokratische Hürden in Deutschland nannte die Kammer die fehlende Anerkennung von Führerscheinen aus einigen US-Staaten. Arbeitnehmer müssten dann erneut theoretische und praktische Prüfungen ablegen. In anderen Ländern wie den Niederlanden und Belgien werde das Problem flexibler gehandhabt. Als weitere Gründe für die Zuwanderungsmisere galten den befragten Unternehmen Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen, fehlende Sprachkenntnisse der Fachkräfte, das deutsche Arbeitsrecht, die Relation von Brutto-Netto-Einkommen und kulturelle Unterschiede.

Die Umfrage förderte aber auch Pluspunkte für Jobs in Deutschland zutage. So wurden in der Umfrage das Kultur- und Freizeitangebot (62 Prozent), die freundliche, offene Kultur (43 Prozent) und attraktive Unternehmensstrukturen (34 Prozent) genannt. Insgesamt halten der Umfrage zufolge immerhin 81 Prozent der Unternehmen (43 Firmen) Deutschland aus der Sicht von fachlich qualifizierten Arbeitnehmern aus dem Ausland für attraktiv.

fdi/dpa/dpa-AFX

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