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07.08.2010
 

Amerikas Milliardenspender

Ablasshandel in großem Stil

Ein Kommentar von Henrik Müller

Bill Gates (l.) und Warren Buffett (r.): Man fühlt sich gut beim SpendenZur Großansicht
REUTERS

Bill Gates (l.) und Warren Buffett (r.): Man fühlt sich gut beim Spenden

Wenn reiche Unternehmer reichlich spenden, ist das gut - auch für die Wohltäter selbst. Doch die Mega-Spendenaktion von Bill Gates, Warren Buffett und Co. reduziert die Verantwortung der Eliten auf das Prinzip "Tu Gutes und rede darüber". Ein fataler Irrweg - und kein Vorbild für Deutschland.

Hamburg - Man muss wohl den Status der finanziellen Unabhängigkeit erreicht haben, um solche Sätze zu formulieren: Er habe "mehr Spaß" daran, Geld für gemeinnützige Zwecke wegzugeben, als überhaupt "Geld zu machen", bekennt Peter George Peterson, Gründer der Private-Equity-Firma Blackstone und ehedem Chef von Lehman Brothers.

Investoren-Legende Warren Buffet lässt die Öffentlichkeit wissen, dass "weder unser Glück noch unser Wohlbefinden" gesteigert werden könnten, wenn er und seine Familie mehr als ein Prozent ihres Multimilliardenvermögens für sich behielten. Bill und Melinda Gates schwärmen von der "wundervollen Erfahrung", die ihnen das Weggeben großer Teile ihres Vermögens gebracht habe und die sie nun "mit anderen teilen" möchten.

Spaß, Glück, Wohlbefinden - die Bekenntnisse der Superreichen, die im Rahmen der Buffet-Gates-Initiative "The Giving Pledge" veröffentlicht wurden, zeigen in bemerkenswerter Offenheit, dass es beim Spenden auch um ganz eigennützige Motive geht: Man fühlt sich eben gut dabei.

Ja, man fühlt sich sogar besser, als es in der Funktion als Unternehmer, Manager, Investor oder Konsument möglich ist. Anders als manche rein ökonomische Aktivität vermittelt Philantropie Sinn, gesellschaftliche Wertschätzung und ein gesteigertes Selbstwertgefühl. Sie trägt hedonistische Züge. Das ist vollkommen in Ordnung. Privates Wohltätertum ist willkommen, natürlich.


Was allerdings stutzig macht, ist die frenetische Zustimmung, die die Buffet-Gates-Initiative in der Öffentlichkeit ausgelöst hat. Auch deutsche Politiker fordern nun von hiesigen Wohlhabenden, es den Amerikanern gleichzutun. Mal abgesehen davon, dass auch reiche Deutsche eine Menge Geld stiften, stellt sich die Frage: Ist dies nicht die Aufforderung zu einem postmodernen Ablasshandel in großem Stil? Ist nicht schon Unternehmertum gut für eine Gesellschaft - und wenn es das nicht ist, sollte man nicht lieber über dieses Thema reden?

Um es klar zu sagen: Die Rolle der Wirtschaftseliten darf sich nicht darauf beschränken, großzügige Spenden zu verteilen und sich ansonsten nicht um die Folgen ihres Geschäftsgebarens zu kümmern. Eliten müssen ihre besondere Stellung dadurch rechtfertigen, dass sie die Gesellschaft voranbringen.

Denn eigentlich darf es Eliten ja gar nicht geben: Wer es mit der Freiheit und der Gleichheit der Bürger ernst meint, dem fällt es nicht leicht zu begründen, warum eine Minderheit etwas gleicher sein sollte als der Rest - warum eine kleine Gruppe über mehr Geld, mehr Macht, mehr Prestige, mehr Einfluss verfügen sollte.

Eliten müssen sich permanent legitimieren

In liberalen Gesellschaften müssen sich die Eliten durch außergewöhnliche Leistungen für das Gemeinwesen legitimieren. Wer nicht fortwährend dabei erfolgreich ist, droht seine Position wieder zu verlieren. Diese permanente Möglichkeit zur Abberufung - durch Abwahl, Kündigung, Versetzung oder Bankrott - macht die Existenz von Eliten überhaupt erst erträglich. Gerade von Geldeliten erwarten die weniger Begüterten, dass sie ihre Mittel zum Wohl der Vielen einsetzen. Und zwar durch Taten in ihrem unternehmerischen Kerngeschäft, nicht durch Philantropie.

Der traditionelle deutsche Weg, den letztlich unlösbaren Konflikt zwischen dem gesellschaftlichen Gleichheitspostulat und der ökonomisch unvermeidbaren Ungleichheit zu entschärfen, besteht denn auch in der Selbstverpflichtung der Unternehmer - der Reichen, wenn man so will -, am Heimatstandort Werte zu schaffen und dessen Fortentwicklung voranzutreiben. Bei vielen Mittelständlern, aber auch bei manchem Großkonzern gehört das nach wie vor zum Geschäftsmodell: Unternehmen und Standort gehen eine Symbiose ein.

Das läuft, natürlich, nicht immer reibungslos ab. Aber es ist ein Modell, das sich in der Vergangenheit als überaus widerstands- und anpassungsfähig erwiesen hat und das gerade derzeit wieder mal sehr erfolgreich ist - siehe die überraschend gute Entwicklung in der Industrie und auf dem Arbeitsmarkt.

Der Graben zwischen Big Business und Normalbürgern wächst

Anders in den USA: Der Graben zwischen Big Business und dem Normalbürger wächst. Amerika steckt in einer tiefen gesellschaftlichen Krise. Eine großangelegte Studie des Meinungsforschungsinstituts Pew zeichnet das Bild einer frustrierten und massiv verunsicherten Gesellschaft: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist die höchste seit Generationen. Zwei Drittel der Amerikaner haben ihre Ausgaben eingeschränkt; die Mittelklasse schrumpft, die Unterklasse wächst.

Auch wenn Ökonomen technisch einen Aufschwung diagnostizieren, fühlt es sich für eine Mehrheit immer noch an, als stecke das Land in der Rezession. Auch was die langfristigen Aussichten der USA angeht, bröckelt der Optimismus; die Mehrheit der Bürger sieht ihre materiellen Möglichkeiten längerfristig eingeschränkt.

Das ist der gesellschaftliche Hintergrund, vor dem Buffet, Gates und Co. sich nun dazu bekennen, Milliarden Dollar zu spenden. Die Situation erinnert an das Gilded Age, jene amerikanische Gründerzeit im späten 19. Jahrhundert, als Leute wie John D. Rockefeller, Cornelius Vanderbilt, Andrew W. Mellon und Andrew Carnegie zu Superreichen wurden. Ihren Wohlstand verdankten sie aggressiven Geschäftspraktiken und der Vermachtung ganzer Märkte.

"Räuberbarone" wurden Rockefeller und Co. damals geschmäht. Die Superreichen reagierten, indem sie große Teile ihrer Vermögen spendeten. Der US-Öffentlichkeit indes genügten die großzügigen Gesten nicht: Ab 1890 wurden neue Anti-Trust-Gesetze verabschiedet - und die allzu mächtigen Konzerne zerschlagen. Letztlich kommt es eben doch auf das Geschäftsgebaren an.

Übersicht: Wie spendabel Deutschlands Milliardäre sind

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13.08.2010 von libertarian: Interessant

Interessante Formulierung. Wer oder was ist denn "Government"? Fuer mich (und meine Verfassung) faengt das auf lokaler Ebende an und setzt sich auf bundesstaatlicher Ebene fort. Wenn also mutige Maenner wie Mark [...] mehr...

13.08.2010 von plleus: Das ist

richtig, der Druck auf die Gouverneure kam allerdings nicht vom Government. mehr...

13.08.2010 von libertarian: .

Naja, das sehe ich und viele meiner Parteikollegen eben ein wenig anders. Bildung faengt zuhause an und dann kommt lange nichts. Bei Bedarf gibt es dann oeffentliche und private Schulen. Und die sollten auch auf lokaler ebende [...] mehr...

12.08.2010 von plleus: Glaub' ich nicht,

Sie verstellen sich nur. MfG aus (z.Zt) Niedersachsen (auch auf'm Land) mehr...

12.08.2010 von Silosis: naja - in der Lausitz eben...

ach seien Sie bitte nachsichtig....ich wohne auf dem Land, da ist das mit dem Bildungsstand anderst proportioniert.... Gruss aus der Lausitz mehr...

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