Wirtschaft



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10.08.2010
 

Ältere auf dem Arbeitsmarkt

Von der Leyen kämpft für Rente mit 67

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU): SPD-Zahlen Schnee von gesternZur Großansicht
dpa

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU): SPD-Zahlen Schnee von gestern

Die SPD will die Rente mit 67 aussetzen, doch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat dafür wenig Verständnis. Ihr Argument: Schon heute arbeiten immer mehr Menschen auch im Alter.

Berlin - Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Kritik der SPD an der Rente mit 67 zurückgewiesen. "Es stimmt nicht, wie die SPD behauptet, dass wir eine anhaltend schlechte Situation für Ältere auf dem Arbeitsmarkt haben", sagte von der Leyen der "Rheinischen Post". Genau das Gegenteil sei der Fall. "In den letzten fünf Jahren ist der Anteil der 60- bis 64-Jährigen in Arbeit um 12 Prozentpunkte auf inzwischen 40 Prozent gestiegen. Angesichts der großen Zahl gut ausgebildeter Älterer und des zunehmenden Fachkräftemangels muss man kein Prophet sein, um zu sagen: Dieser deutliche Trend wird anhalten", sagte die Ministerin. Die Zahlen, auf die sich SPD-Chef Sigmar Gabriel bezog, nannte sie "Schnee von gestern".

Die SPD will die Rente mit 67 solange aussetzen, bis ein größerer Anteil älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich auch Beschäftigung findet. Dies sieht der Kompromissvorschlag von SPD-Fraktionsvize Olaf Scholz im parteiinternen Rentenstreit vor. Eine Quote wird in dem Papier nicht genannt.

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind die beruflichen Chancen von Älteren tatsächlich ziemlich gut. "Die Älteren sind in den vergangenen zehn Jahren eindeutig die Gewinner am Arbeitsmarkt", sagte DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke der "Frankfurter Rundschau". Dies liege an politischen Korrekturen wie der Einschränkung der Frühverrentung und den Hartz-Reformen.

Geholfen hat laut Brenke auch eine Einstellungsänderung bei den Arbeitgebern: "Die Unternehmen kommen weg vom Jugendkult, weil sie angesichts des Fachkräftemangels die erfahrenen Leute brauchen." Auch bei Rentenexperten stieß Gabriels Vorschlag auf Kritik. "Ich halte das für Sommerloch-Populismus", sagte der Leiter des Mannheimer Forschungsinstituts für Altersökonomie (MEA), Axel Börsch-Supan, der "Mitteldeutschen Zeitung". Gabriel erwecke den fälschlichen Eindruck, als sollten bereits von 2012 an die Menschen bis zum 67. Lebensjahr arbeiten, tatsächlich sei dies aber erst 2029 der Fall.

"Anhebung des Rentenalters dringend erforderlich"

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) pflichtete der Kritik bei. "Die schrittweise Anhebung des Rentenalters ist dringend erforderlich, damit die Rentenversicherung finanzierbar bleibt. Wir brauchen die Rente mit 67 auch, um den Rückgang unseres Arbeitskräftepotenzials zu begrenzen", hieß es.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte am Sonntag in der ARD gesagt: "Solange es uns nicht gelingt, tatsächlich den Anteil derjenigen zu erhöhen, die zwischen 60 und 64 arbeiten, können Sie die Rente mit 67 nicht einführen, weil es de facto nichts anderes ist als eine Rentenkürzung." Heute arbeiteten 65 Prozent der Deutschen nicht einmal länger als 60 Jahre, sagte er zur Erläuterung.

So viel Rente gibt es im Schnitt (in Euro)
Bundesland Männer Frauen
Baden-Württemberg 1055,39 516,05
Bayern 983,41 496,12
Berlin 1039,27 684,06
Brandenburg 1035,67 677,38
Bremen 1044,16 507,53
Hamburg 1069,70 596,02
Hessen 1051,61 493,95
Mecklenburg-Vorpommern 1000,65 652,84
Niedersachsen 1024,05 459,31
Nordrhein-Westfalen 1118,28 457,83
Rheinland-Pfalz 1013,52 429,57
Saarland 1119,18 390,32
Sachsen 1059,04 682,58
Sachsen-Anhalt 1031,79 649,76
Schleswig-Holstein 1017,89 482,99
Thüringen 1030,28 669,74
Bundesdurchschnitt 1049,27 528,23
Quelle: Deutsche Rentenversicherung. Angaben für gesetzl. Altersrenten, Stand: 31.12.2008

Unterstützung erhielt Gabriel vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und früheren SPD-Chef Kurt Beck. "Wir müssen zuerst einen Nachweis führen, dass Leute, die länger arbeiten sollen, auch eine Chance dazu haben", sagte er dem "Handelsblatt". "Erst dann sollten wir ansetzen, dauerhaft und zukunftsgerichtet auf die demografische Veränderung zu reagieren." Beck schlug vor, dass die Tarifparteien künftig Rentenkonten einrichten sollten.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier trat dem Eindruck eines Streits mit Gabriel in dieser Frage entgegen. "Wir lassen uns da keinen Grundsatzstreit einreden", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Wir werden in Europa und Deutschland mittelfristig länger arbeiten müssen", sagte Steinmeier. Gabriel weise darauf hin, dass die Menschen auch die Möglichkeit haben müssten, länger zu arbeiten. "Das sind nur zwei Seiten ein und derselben Medaille."

Die Altersgrenze für die Rente wird zwischen 2012 und 2029 schrittweise von 65 Jahren auf 67 Jahre angehoben. Erst für Versicherte ab Jahrgang 1964 wird dann die Regelaltersgrenze von 67 Jahren gelten.

mik/dpa/apn

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18.05.2011 von karl-felix: In dieser Frage tendiere ich

dazu XM Recht zu geben. Ich erinnere mich an ein Gespräch zwischen Helmut Schmidt und Frau Maischberger in dem Herr Schmidt sinngemäß sagte: Was heißt Pressefreiheit? Pressefreiheit ist das Recht von 100 Leuten auf dieser Welt [...] mehr...

17.05.2011 von Berg:

Also, für die "vielen", die "gar nicht können", ist doch das ALG und Hartz4 eingerichtet worden. *Ohne* ALG und Hartz4 wären diese Leute tatsächlich arm. mehr...

17.05.2011 von Epoporp: Quelle der Weisheit

Wenn sie mit der Bewusstseinindustrie u.a. den SPIEGEL meinen, dann haben Sie teilweise Recht. Da steht zwar nicht, dass die Alten die Jungen ausnutzen, aber dass das System so nicht mehr funktioniert. Wenn Sie natürlich meinen, [...] mehr...

17.05.2011 von Madir: ...

Doch sie hatten da so einige Beispiele bei den vielen neuen Berufsfeldern die man mit Mitte 50++ anstreben kann. Fakt ist aber das es diese ganzen offenen Stellen nicht gibt und viele das gar nicht können werden. Klar kann [...] mehr...

17.05.2011 von matthias schwalbe:

Und immer wieder falsch Berg: "Muss es lassen!" Sie lernen ja noch nicht mal im hohem Alter dazu... mehr...

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Rentengarantie

ddp
Die Rentengarantie wurde 2009 von der Großen Koalition beschlossen. Die Schutzklausel sieht vor, dass Rentenkürzungen in wirtschaftlich schwachen Zeiten ausgeschlossen sind. Mit der gesetzlichen Garantie wird sichergestellt, dass die Renten in Deutschland auch dann stabil bleiben, wenn die Löhne sinken sollten. Rentner werden somit vor sinkenden Altersbezügen geschützt.

Die damalige Bundesregierung hatte für 2010 und die Folgejahre keine Lohnsenkungen erwartet. Die Rentengarantie war daher eine reine Vorsichtsmaßnahme. Das Gesetz war eine Reaktion auf eine Debatte über mögliche Rentenkürzungen im Jahr 2010.


Die Berechnung der Rentensteigerung

Lohn der Arbeitnehmer

Das Prinzip der dynamischen Rente besagt, dass die Rentner vom steigenden Wohlstand der Arbeitnehmer proftieren sollen. Deshalb steigen die Bezüge der älteren Generation grundsätzlich um den gleichen Prozentsatz, mit dem sich auch der Durchschnittslohn je Arbeitnehmer im Vorjahr erhöht. Vereinfacht gesagt: Verdient ein durchschnittlicher Arbeitnehmer dank Lohnererhöhungen zwei Prozent mehr, erhöht sich auch die Rente entsprechend. Allerdings wurden in den vergangenen Jahren zwei Faktoren eingeführt, die den Rentenanstieg bremsen.

Riester-Faktor

Nachhaltigkeitsfaktor

Rentengarantie

Die Säulen des Sozialsystems

Arbeitslosenversicherung

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.

Krankenversicherung

Rentenversicherung

Pflegeversicherung


Alles zur Rente ab 67

So steigt das Rentenalter

Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.

Das sind die Ausnahmen

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So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag

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