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13.08.2010
 

Wachstumsschub

Deutscher Boom verblüfft Experten

Die Bundesrepublik erholt sich weit schneller von der Krise als erwartet - und deutlich stärker als andere europäische Staaten. Die Regierung feiert einen Aufschwung XL, sogar Fachleute staunen über den Zuwachs von 2,2 Prozent.

Berlin - Wirtschaftsminister Rainer Brüderle nennt es einen "Aufschwung XL", Experten sprechen von einem "weltmeisterlichen Anstieg der Wirtschaftsleistung". Auch wenn diese Euphorie ein wenig übertrieben erscheinen mag - die Zahlen sind in der Tat herausragend: Im zweiten Quartal ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Vergleich zum Vorquartal um 2,2 Prozent gewachsen, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beläuft sich das Plus sogar auf 4,1 Prozent. Auch die Zahl für die ersten drei Monate des Jahres korrigierten die Statistiker nach oben - von 0,2 auf 0,5 Prozent Wachstum.

Volkswirte rechnen nun für 2010 mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung von über drei Prozent, es könne sogar der gesamtdeutsche Rekord von 3,2 Prozent übertroffen werden, sagt DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Der Aufschwung sei zwar auch durch Sonderfaktoren begünstigt, könne aber insgesamt als gesund - also nachhaltig - bezeichnet werden. Als Belege führt Scheuerle den wachsenden privaten Konsum, kräftige Ausrüstungs- und Bauinvestitionen sowie die Exporte an.

Die deutschen Zahlen sind vor allem im Vergleich mit den EU-Partnern bemerkenswert. Nach bisher vorliegenden Zahlen ist Litauen das einzige Land mit einem noch höheren Wachstum als in der Bundesrepublik (siehe Tabelle).

Frankreich verzeichnet für das zweite Quartal ein Wachstum von lediglich 0,6 Prozent, in Spanien sind es 0,2 Prozent. Das ist zwar immer noch ein positiver Trend - angesichts der schwachen Ausgangslage 2009 ist es allerdings nur eine sehr langsame Erholung. Im krisengebeutelten Griechenland schrumpfte die Wirtschaft sogar um 1,5 Prozent.

Wachstum in EU-Ländern, 2. Quartal 2010
Land Wachstum (in Prozent)
Belgien 0,7
Deutschland 2,2
Estland 2,0
Frankreich 0,6
Griechenland -1,5
Großbritannien 1,1
Italien 0,4
Lettland 0,1
Litauen 2,9
Niederlande 0,9
Österreich 0,9
Portugal 0,2
Slowakei 1,2
Schweden 1,2
Spanien 0,2
Tschechische Republik 0,8
Ungarn 0,0
Zypern 0,4
Prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorquartal. Quelle: eurostat
Insgesamt geht es in der Euro-Zone aufwärts: Das Bruttoinlandsprodukt legte hier im Schnitt um 1,0 Prozent zu - vor allem dank Wachstumsmotor Deutschland. Damit habe die Euro-Zone die US-Wirtschaft im Frühjahr überflügelt, sagten Experten. Im ersten Quartal war die Wirtschaft in den 16 Euro-Staaten nur um 0,2 Prozent gewachsen.

Großer Optimismus bei Banken-Volkswirten

Für Deutschland haben nun mehrere Banken ihre Erwartungen nach oben korrigiert: "Wir erhöhen unsere Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr von 2,0 auf 3,5 Prozent", schreibt die Unicredit in einer Studie. Der Aufschwung habe auf beeindruckende Art und Weise das deutsche Geschäftsmodell bestätigt. Da die Stimmung in der deutschen Wirtschaft auch zu Beginn des zweiten Halbjahres gut sei, werde das Wachstum im laufenden dritten Quartal zwar schwächer, aber immer noch solide ausfallen.

Auch die Volkswirte der NordLB geben sich euphorisch: "Die heutigen Daten sind trotz eines im Vorfeld allgemein erwarteten starken Quartals dennoch eine faustdicke Überraschung", heißt es in einer Studie der Landesbank. Die Stimmung in den Unternehmen und die Auftragsentwicklung wiesen auf eine positive Entwicklung auch im dritten Quartal hin. Für das Gesamtjahr ergebe sich aufgrund dieser positiven Zahlen ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von gut drei Prozent.

Die Commerzbank hebt ihre Prognose ebenfalls an: von 2,5 Prozent auf 3,25 Prozent. Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet allerdings, dass das Wachstum sich im Herbst deutlich abschwächt. Auch in den Quartalen danach werde es verhaltener bergauf gehen. Das liege auch daran, dass die Frühindikatoren in den USA und in China nach unten wiesen. Eine solche Delle in der Aufwärtsbewegung sei üblich.

cte/Reuters/dpa-AFX

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Die neuesten Beiträge:
17.12.2010 von hoppeditz2: und jetzt ist Brüderle schuld ...

... an der zu vorsichtigen Schätzung seiner Mitarbeiter. Dabei ist es doch im Sinne kaufmännischer Vorsicht geboten, dass man sich erst mal am unteren Rand der Prognosen bewegt. Schulden haben wir auch so schon genug. Und [...] mehr...

17.12.2010 von ergoprox:

Sie haben, so glaue ich, den Sarkasmus nicht verstanden ;-)) Ansonsten sollten alle Prognostiker und deren minderbemittelte Freunde mal N.Taleb lesen. Je expertiger die Experten sind, desto schlechter die Prognosen. Gilt immer [...] mehr...

17.12.2010 von elbröwer: auf Kosten des Volkes

Experten und Gutachter müssen definitiv nichts können. Wenn eine Prognose nicht stimmt wird sie rückwirkend angepaßt. Ich bin richtig neidisch auf so viel Scharlatanerie. Der Brüderle soll wohl demnächst FDP Vorsitzender werden. [...] mehr...

17.12.2010 von Hubert Rudnick: Witzbold

Da kann man nur zu sagen, sie sind ein Witzbold, oder einer deren Vertreter, die sich erneut auf Kosten derjenigen, die die Werte der Gesellschaft hart erarbeiten bereichern wollen, um anschließend erneut alles in den [...] mehr...

16.12.2010 von rabenkrähe:

...... Es ist eben alles relativ: Im Vorjahr war der Vergleichszeitraum ein sehr guter, also fiel der Rückgang mit runden sechs Prozent dramatisch aus, nun ist der Vorjahreszeitraum ein schlechter, also wirken gute drei [...] mehr...

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