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16.08.2010
 

Kampf um Azubis

Biete Lehrstelle plus Gratis-Netbook

Von Yasmin El-Sharif

Azubis beim Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf: Immer weniger SchulabsolventenZur Großansicht
AP

Azubis beim Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf: Immer weniger Schulabsolventen

Verkehrte Welt auf dem Ausbildungsmarkt: Früher fehlten Stellen, heute Bewerber. Zwischen den Betrieben ist ein harter Wettbewerb um die besten Lehrlinge entbrannt - sie ködern Jugendliche mit Prämien, Auslandsaufenthalten und teuren Geschenken.

Hamburg - Den schärfsten Gegner von Veronika Peters kennt jedes Kind. Er heißt Audi Chart zeigen, ist einer der bekanntesten Autohersteller weltweit und zieht junge Bewerber an wie ein Magnet. Peters dagegen muss um jeden fähigen Lehrling kämpfen. "Jedes Jahr ist es hier in Ingolstadt dasselbe: Erst sortiert Audi die Bewerber aus, danach ist EADS Chart zeigen dran, zuletzt sind Mittelständler wie wir an der Reihe", sagt die Mitinhaberin des Sanitärbetriebs Gebrüder Peters.

Das war schon immer so, doch so schlimm wie in diesem Jahr noch nie. Die Zahl der Bewerber nimmt nicht nur in den von Peters angebotenen Berufen Elektrotechnik oder Bürokaufmann ab - sondern insgesamt. "Wir sind ständig gezwungen, uns etwas Neues zu überlegen. Sonst laufen wir Gefahr, irgendwann ohne Nachwuchskräfte dazustehen", sagt Peters.

Die neueste Idee des mittelständischen Unternehmens: Es lockt Jugendliche mit einem Aufenthalt im Ausland. "Wer will, kann einen Teil seiner Ausbildung an unserem Brüsseler Standort verbringen", wirbt die Personalerin. Und wer besonders engagiert sei, bekomme eine monatliche Prämie zusätzlich zum Ausbildungsgehalt. "Das können bis zu 150 Euro mehr im Monat sein."

Prämien, Auslandsaufenthalte, Geschenke - immer mehr Unternehmen umschmeicheln ihren Nachwuchs mit ungewöhnlichen Mitteln. Häufig sind es kleinere Betriebe, die ihren Firmensitz auf dem Land haben und nicht gegen die Attraktivität der Großstädte antreten können, und schon gar nicht gegen bekannte Konzernnamen wie Siemens Chart zeigen oder Daimler Chart zeigen. Aber selbst große Unternehmen werden kreativer - weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. So hat etwa der Discounter Lidl den "Azubi on Tour" ins Leben gerufen. Dahinter verbirgt sich die Chance, mehrere Wochen lang eine Supermarktfiliale zu leiten - als Lehrling.

Jeder fünfte Ausbildungsplatz blieb unbesetzt

So unterschiedlich die Beispiele sind: Sie zeigen, wie radikal sich der Ausbildungsmarkt gewandelt hat. Nicht mehr die Unternehmen suchen ihre Auszubildenden aus - immer häufiger haben die Jugendlichen die freie Wahl unter mehreren Arbeitgebern. In manchen Regionen Deutschlands wird das zum ernsten Problem, vor allem dort, wo es kaum noch Junge gibt. Oder dort, wo es besonders viel Arbeit gibt, wie beispielsweise in Ingolstadt bei den Gebrüdern Peters. In der Stadt liegt die Arbeitslosenquote bei gerade mal 3,3 Prozent. Deutschlandweit sind es 7,6 Prozent.

Nach Angaben des Wirtschaftsverbands DIHK blieb bereits im vergangenen Jahr bundesweit jeder fünfte Ausbildungsplatz unbesetzt. Und in den kommenden Jahren dürfte sich die Situation noch dramatisch verschärfen. Denn jedes Jahr geht die Zahl der Schulabgänger zurück. So haben aktuell knapp 580.000 Haupt- und Realschüler ihren Abschluss gemacht. In zehn Jahren verlassen nur noch 500.000 Jugendliche die Schule.

"Der Wettbewerb um den besten Nachwuchs ist in die heiße Phase gegangen", sagt Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit. In vielen Regionen kämen schon heute mehr Lehrstellen auf einen potentiellen Bewerber als umgekehrt. "Die Unternehmen müssen sich ernsthaft überlegen, wie sie Lehrlinge finden."

Tausend-Euro-Willkommenspakete bei Vertragsabschluss in Thüringen

Je größer der Leidensdruck, desto kreativer die Einfälle: In Thüringen, wo die Lage ähnlich wie in anderen ostdeutschen Bundesländern besonders ernst ist, suchen die Kammern mit Hochdruck nach neuen Ideen. "Gute Azubis findet man hier immer seltener, weil die jungen Leute schon sehr früh woanders hingehen", sagt ein Sprecher der Erfurter IHK. Hinzu komme die mangelnde Ausbildungsreife vieler Jugendlicher - eine Kritik an den Schulen, die nicht nur Unternehmen in Thüringen äußern.

Auf einer Jobmesse im Herbst will die Erfurter Kammer nun zusammen mit mehreren Unternehmen ein Tausend-Euro-Willkommenspaket schnüren, das begehrte Schulabgänger bei Unterzeichnung eines Ausbildungsvertrags erhalten. Darin enthalten: ein Netbook und eine Jahreskarte für das Nahverkehrsnetz.

Auch in Köln und Hamburg bleiben Hunderte Lehrstellen unbesetzt. "Auf 120 Ausbildungsplätze kommen 100 Bewerber", sagt ein Sprecher der IHK Köln. Die Kammern an Rhein und Elbe bringen die Jugendlichen und Betriebe daher bei sogenannten Azubi-Speed-Datings zusammen: Zehn Minuten haben Unternehmen und Jugendliche Zeit, sich kennenzulernen - und sich von ihrer besten Seite zu präsentieren. "Viele Betriebe sind froh, dass wir ihnen diese Chance bieten", sagt ein Sprecher der IHK Köln. Denn es passiere immer wieder, dass ein Schulabsolvent gleich mehrere Verträge unterschreibe - ohne die anderen abzusagen.

Seit Jahren klagt das Handwerk, dass unzählige Stellen etwa für Bäcker und Konditoren generell unbesetzt bleiben. Mittlerweile reagieren die Betriebe, seit einigen Monaten läuft eine umfassende Imagekampagne: "Am Anfang waren Himmel und Erde. Den Rest haben wir gemacht", heißt es etwa auf Plakaten und in Anzeigen.

Prämienaktionen können das Demografieproblem nicht lösen

Attraktiv zu sein, heißt für die Unternehmen auch, sich jugendlich zu geben. So präsentieren sich immer mehr Betriebe auf Internetportalen wie Facebook oder StudiVZ.

Doch mit solchen Aktionen allein lässt sich das Demografieproblem nicht lösen. Und schon gar nicht das der mangelnden Ausbildungsreife - selbst wenn das eine oder andere Präsent für die Jugendlichen verlockend sein mag. Arbeitsagentur-Vorstand Becker fordert die Unternehmen deshalb auf, mehr in lernschwache Jugendliche zu investieren. Statt Geld für Prämien und Ähnliches auszugeben, sollten sie Nachhilfeunterricht anbieten und sich schon früh um eine Kooperation mit den Schulen bemühen.

Auch Veronika Peters aus Ingolstadt sagt, dass Geld allein kein Nachwuchsproblem löst. Sie versucht daher seit Jahren, über Bedarf auszubilden - selbst wenn unter ihren Lehrlingen nicht nur Spitzenabsolventen sind. Gerne stellt sie auch Azubis ein, die ausländische Eltern haben. Die Vielfalt macht's, sagt sie. Das zahle sich langfristig mehr aus als jedes Geschenk.

Lehrstellen: Wie Deutschlands Topkonzerne um Nachwuchs werben

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insgesamt 71 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.08.2010 von SethGecko: back to life

Da kann ich Ihnen nur zustimmen. Diese deutsche Besessenheit für sogenannte Formalqualifikationen (also Zettelchen, die zur Ausübung von Tätigkeiten berechtigen) wurde schon des öfteren angekreidet. Es gibt dazu passend in den [...] mehr...

17.08.2010 von Dr.Buhmann: Na sowas

Tja, nun also Azubimangel.... Zu schön um wahr zu sein. Dann würde sich die Ausbeutung billiger Arbeitskräfte ein wenig eindämmen. Wenn ich mir manche Stellenanzeigen für Ausbildungstellen in Erinnerung rufe, wundert mich das [...] mehr...

17.08.2010 von matt1981bav: Mangel = Geiz

Es ist immer wieder interessant zu sehen dass beide Seiten, das heisst von ganz Links bis Grossunternehmer das Wort Arbeitsmarkt nicht verstanden haben, da steckt MARKT drin. Z.B Ingenieursmangel gibts nicht, das ist genauso als [...] mehr...

17.08.2010 von matt1981bav: kein Wunder.....

Sparkassen z.B. nehmen am liebsten nur noch Abiturienten, früher war das ein klassischer Beruf für Realschulabsolventen. Wer kein Abi hat ist dann wohl nicht mehr würdig in der Sparkasse zu arbeiten. An Bewerber werden heutzutage [...] mehr...

17.08.2010 von Gryphos: Keine Ahnung von nix!

Sie kennen offensichtlich keinen einzigen Topmanager, Vorstandsvorsitzenden, Investmentbanker und/ oder Finanzspekulanten, sonst wüssten Sie über deren (sicher niemals vorhandene) Arbeitsscheu besser Bescheid. Und wenn es [...] mehr...

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Wer hat Schuld an der Ausbildungsmisere?

In Deutschland gelten viele Jugendliche als nicht ausbildungsfähig. Wer ist schuld?

  • Die Jugendlichen selbst. Sie müssen sich mehr anstrengen.
  • Die Eltern. Was bei der Erziehung schief läuft, kann später keiner reparieren.
  • Die Lehrer. Es kann nicht sein, dass viele Schulabgänger weder lesen noch schreiben können.
  • Die Unternehmen. Sie müssen ihre Ansprüche runterschrauben.
  • Die Politiker. Sie kümmern sich zu wenig um Jugendliche mit Problemen.

Immer weniger Schulabgänger*
Jahr Zahl Prozent
2002 936.000 +1,3
2003 950.000 +1,5
2004 965.000 +1,6
2005 959.000 -0,7
2006 975.000 +1,6
2007 974.000 -0,0
2008 940.000 -3,5
2009 903.000 -4,0
2010 877.000 -2,8
2011 905.000 +3,2
2012 888.000 -1,9
2013 929.000 +4,6
2014 861.000 -7,4
2015 858.000 -0,3
2016 856.000 -0,2
2017 839.000 -2,0
2018 815.000 -2,9
2019 806.000 -1,0
2020 781.000 -3,2
*Absolventen und Abgänger 2002 bis 2020
Quelle: Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz

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Der Ausbilder muss in der jeweiligen Fachrichtung ausgebildet sein und über entsprechende Berufserfahrung verfügen. Das regeln die Paragrafen 29 und 30 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) , die Paragrafen 21 und folgende der Handwerksordnung (HwO) sowie das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) in Paragraf 25.

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