Wirtschaft



ThemaHartz IVRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
14.08.2010
 

Hartz-IV-Reform

Von der Leyen plant Bildungs-Chipkarten für alle Kinder

Arbeitsministerin von der Leyen (CDU):Zur Großansicht
ddp

Arbeitsministerin von der Leyen (CDU):

Bargeld? Kommt nicht in Frage. Arbeitsministerin von der Leyen hat im SPIEGEL ihre Pläne für Bildungs-Chipkarten konkretisiert: Künftig sollen nicht nur bedürftige, sondern alle Kinder Musikunterricht oder Förderstunden per Karte bezahlen können. Doch die Kritik an dem Vorhaben wächst.

Berlin - Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will die geplante elektronische Bildungs-Card für Hartz-IV-Kinder nach und nach allen Kindern zur Verfügung stellen. "Wir wollen mittelfristig bedürftigen Kindern eine elektronische Bildungs-Card mit einem persönlichen Bildungsguthaben geben", sagte von der Leyen in einem Gespräch mit dem SPIEGEL. Damit sollen sie Zugang zu Förderkursen oder Musikunterricht bekommen.

In weiteren Schritten sollen die Bildungs-Card mit finanzieller Unterstützung von Stiftungen, Wirtschaft und privaten Spendern auch Kinder von Eltern mit niedrigen Einkommen nutzen können. "Am Ende könnte im Prinzip jedes Kind die Bildungs-Card nutzen", sagte von der Leyen.

Bis Ende des Jahres muss die Regierung nach dem Willen des Bundesverfassungsgericht die Hartz-IV-Regelsätze neu berechnen und die Bildungs- und Teilhabechancen von Hartz-IV-Kindern verbessern. Als Antwort auf das Urteil will von der Leyen ein Bildungspaket schnüren, dass aus vier Komponenten besteht: Lernförderung für bedürftige Kinder, freies Schulmaterial und Mittagessen sowie die Möglichkeit, kostenfrei Musikschulen oder Sportvereine besuchen zu können. Die Jobcenter sollen diese Hilfen sicherstellen.

"Dazu wird künftig ein Familienlotse im Jobcenter die Aufgabe übernehmen, das Amt mit allen Sozial-, Kultur- und Betreuungseinrichtungen vor Ort zu vernetzen", sagte die Arbeitsministerin. Der Forderung, das Bildungspaket als Geldleistung auszuzahlen, erteilte von der Leyen ein klare Absage. Würde dies geschehen, hätte zwar jeder ein paar Euro zur Verfügung. "Um die Nachhilfe zu bezahlen, reicht das Geld aber immer noch nicht", sagte die Arbeitsministerin. Da nicht alle Kinder Nachhilfe bräuchten, solle die Leistung nur jenen zugutekommen, die sie benötigten.

Dessen ungeachtet wächst die Kritik an den Plänen der Ministerin auch in der Union. "Bildungsgutscheine sehe ich skeptisch", sagt Alexander Dobrindt, Generalsekretär der CSU. Stattdessen wolle die CSU "Zielvereinbarungen mit den Eltern". Habe man sich auf einen Bildungsweg für die Kinder geeinigt, gebe es Geldleistungen. Peter Weiß, Chef der Arbeitnehmergruppe in der Unionsbundestagsfraktion, sagt: "Ich halte Bildungsgutscheine für diskriminierend."

In der Diskussion um die schlechten Umfragewerte der Regierung räumte von der Leyen Fehler ein. Die Unionsführung müsse den Bürgern die Politik deutlicher begründen und erklären. "Die CDU, auch ich, haben da zu wenig getan", sagte von der Leyen.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 2798 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.08.2010 von bammy:

Seine Kritik ist nicht auf Ausländer, sondern auf unsere Politik gerichtet. mehr...

25.08.2010 von Juro vom Koselbruch: Sarrazin ist auf seine Art Teil des Problems und nicht dessen Lösung

Herr Sarrazin weiß als SPD-Mitglied und Politiker, wie der Hase läuft und was er tut. Er kennt die Macht der Rede und er nutzt sie weidlich zur Diskriminierung von Bevölkerungsgruppen. Er, weiß, dass Worte enorme Zerstörung und [...] mehr...

25.08.2010 von klaus meucht:

Wenn man jahrzehntelang betont dass man kein Einwanderungsland ist, dann macht man nicht über Steuerung Gedanken. Wir können nur soviele Migranten aufnehmen wie wir integrieren können, aber wir sollten nicht dijenigen die [...] mehr...

25.08.2010 von Pirx: Fehler

Bei wem? Wenn dem sein Geschwafel Realismus ist ... mehr...

25.08.2010 von klaus meucht:

Ich glaube nicht dass es das Schulsystem ist, obwohl wir hier sehr viel verbessern können. Die Schulen sind nur ein Abbild der Gesellschaft. Was will denn eine Schule machen, wenn sie fast nur "Problemkinder" hat. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Hartz IV

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Mehr dazu im SPIEGEL

Fotos Yousuf Karsh/Camera Press/Picture Press, H. Hoffmann/Staatsbibliothek München
Heft 33/2010:
Allein gegen Hitler
Wie Winston Churchill die Nazis stoppte

Inhaltsverzeichnis

Titelthema - diskutieren Sie mit

Hier geht es zum E-Paper

Hier kaufen Sie das Heft

Hier finden Sie Ihre Abo-Angebote und Prämien


Wer bekommt Hartz IV?

Die Politik führt eine heftige Debatte über die Weiterentwicklung von Hartz IV - doch wer bezieht die Arbeitslosenhilfe eigentlich? SPIEGEL ONLINE hat demografische Merkmale zusammengetragen.

Schulbildung

Berufsbildung

Migrationshintergrund

Behinderung

Schwerwiegende gesundheitliche Einschränkung

Verweildauer


Schulabschluss Anteil in Prozent
Noch Schüler 4,2
Schule beendet ohne Abschluss 8,4
Sonder-/ Förderschule 1,2
Hauptschule 47,2
Realschule 29
Fachhochschule 1,9
Abitur 7,5
Werte gerundet, fehlende Anteile zu 100 Prozent: keine oder falsche Angaben; Quelle: IAB "Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung"

Die Hartz-Reformen

Arbeitslosengeld I

Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, wer
- arbeitslos ist,
- der Arbeitsvermittlung zur Verfügung steht,
- die Anwartschaftszeit erfüllt,
- sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und
- Arbeitslosengeld beantragt hat.
- Die Dauer des Anspruchs hängt von der Länge der versicherungspflichtigen Beschäftigung und vom Alter ab. Die Höchstgrenze sind 24 Monate.

Arbeitslosengeld II

Hartz IV/SGB II

ARGE/Jobcenter

Peter Hartz


Hartz IV

Seit Jahren gibt es Streit über die Betreuung von Hartz-IV-Empfängern. Organisatorisch zuständig sind seit 2005 Arbeitsgemeinschaften von Bundesagentur für Arbeit (BA) und kommunalen Sozialämtern - abgekürzt als Arge bezeichnet.

Verankert wurde diese Mischverwaltung im Hartz-IV-Gesetz über die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Derzeit gibt es 353 Argen, in denen sich 55.000 Mitarbeiter um 5,2 Millionen Hilfsbedürftige kümmern. Daneben gibt es das sogenannte Optionsmodell, bei dem in 69 Kreisen und Gemeinden die Kommunen die alleinige Verantwortung haben.

Von Beginn an gab es Reibereien in den Arbeitsgemeinschaften. Nach Feststellungen des zuständigen Ombudsrats krankt die Organisationsform an dem "ständigen, oft zeitaufwendigen Abstimmungsbedarf" zwischen den Beteiligten. Dabei konkurrieren Kommunen und BA um das Ausmaß ihrer Zuständigkeiten. Die Zusammenarbeit vor Ort leidet auch darunter, dass die Argen kein eigenes Personal haben und die dort tätigen Mitarbeiter von Bundesagentur und Kommune unterschiedlich bezahlt werden.



TOP



TOP