Hamburg - Es sind bemerkenswerte Zahlen: 88 Prozent der Deutschen wünschen sich eine "neue Wirtschaftsordnung". Der Kapitalismus sorge weder für einen "sozialen Ausgleich in der Gesellschaft" noch für den "Schutz der Umwelt" oder einen "sorgfältigen Umgang mit den Ressourcen". Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergeben, aus der die "Zeit" zitiert.
Droht nun die Revolution? Wohl kaum. Denn die Bürger sind eher nachdenklich als wütend: Sie sehen die Verantwortung nicht nur bei Politikern und Wirtschaftsführern, sondern auch bei sich persönlich. Laut "Zeit" sind vier von fünf Deutschen der Ansicht, dass "jeder seine Lebensweise dahingehend überdenken sollte, ob wirtschaftliches Wachstum für ihn alles ist". Soziale Beziehungen, Gesundheit und Umweltbedingungen sind einer großen Mehrheit wichtiger als "Geld und Besitz zu mehren".
Die Deutschen sind sich in ihrer neuen Werteordnung quer durch alle Schichten außerordentlich einig. So stimmten der Aussage "Wohlstand ist für mich weniger wichtig als Umweltschutz und der Abbau von Schulden" 75 Prozent der Befragten mit Abitur, aber auch 69 Prozent jener mit Hauptschulabschluss zu.
Durchaus optimistisch sind die Deutschen, dass sich das System in die richtige Richtung verändern lässt. Nach Angaben der "Zeit" hält es eine Mehrheit der Befragten für möglich, dass sich Wachstum und Umweltschutz miteinander vereinbaren lassen, den entsprechenden politischen Willen vorausgesetzt.
82 Prozent halten weiteres Wachstum sogar für unabdingbar für politische Stabilität. Die sprichwörtlichen "Selbstheilungskräfte des Marktes" hält hingegen nur noch ein Drittel für glaubhaft, insbesondere die Jungen sind in diesem Punkt skeptisch. Ebenfalls zwei Drittel erwarten nicht, dass der Wirtschaftsaufschwung automatisch auch ihre private Lebensqualität steigern wird.
fdi
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