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24.08.2010
 

Rekordaufschwung

"Über drei Prozent Wachstum sind unvermeidbar"

Verladeterminal im Hamburger Hafen: "Ein typisch deutscher Aufschwung"Zur Großansicht
AP

Verladeterminal im Hamburger Hafen: "Ein typisch deutscher Aufschwung"

Die Dynamik des Aufschwungs überwältigt selbst die Fachwelt: Das Wirtschaftsinstitut DIW korrigiert seine Prognose drastisch nach oben. Die DekaBank ist nahezu euphorisch - und sieht bereits die Chance auf "ein deutsches Jahrzehnt".

Düsseldorf - Deutschland ist zurück. Das ist die Botschaft, die nun von überall her erklingt. Den Ton gibt dabei Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) an, der bereits einen "Aufschwung XL" herausposaunt.

Diesem Jubel kann sich nun auch das DIW nicht mehr entziehen. Das Berliner Wirtschaftsforschungsinstitut erwartet jetzt ein Wachstum von mehr als drei Prozent in diesem Jahr. Bislang waren die Forscher lediglich von einem Plus von 1,9 Prozent ausgegangen.

"Es ist ein typisch deutscher Aufschwung, der durch die internationalen Märkte - diesmal insbesondere aus China - initiiert wurde, der aber inzwischen auch deutlich die Investitionen und den Konsum sowie insbesondere die Dienstleistungsbranchen erreicht hat", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann dem "Handelsblatt". Dies werde gestützt durch einen stabilen Arbeitsmarkt, der auch das Konsumklima stabil hält. "Es ist also ein Aufschwung auf breiter Front, der für dieses Jahr wohl unvermeidbar zu über drei Prozent Wirtschaftswachstum führen wird", sagte Zimmermann.

Für die Experten der DekaBank ist das noch untertrieben. In diesem Jahr könnte die deutsche Wirtschaft um 3,5 Prozent wachsen - und damit deutlich stärker als die meisten anderen Länder der Euro-Zone, schreiben die Volkswirte der Bank in einer Studie, über die die "Welt" berichtet.

Auch Brüderle legte am Dienstag nochmals nach: "Die wirtschaftliche Dynamik im Sommer dieses Jahres verleiht uns den Schwung, um nach dem Auslaufen der konjunkturpolitischen Maßnahmen zu einer sich selbst tragenden Entwicklung zu gelangen", sagte der Minister. Zuvor hatte das Statistische Bundesamt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,2 Prozent im zweiten Quartal bestätigt.

Die Experten sprechen sich für deutlich höhere Löhne aus

Noch in den Neunzigern galt Deutschland als kranker Mann Europas. Dies hat sich nun radikal geändert: Deutschland könnte in diesem Jahrzehnt für die europäische Wirtschaft zum Wachstumsmotor werden, schreiben die Volkswirte der DekaBank. "Auf die verlorene Dekade zu Beginn des Jahrhunderts könnte ein deutsches Jahrzehnt folgen." Dem pflichtet der DIW-Chef im "Handelsblatt" bei: Deutschland stimuliere inzwischen durch ein kräftiges Wachstum der Importe auch die Weltwirtschaft, sagte Zimmermann.

Dank der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt ergäben sich Spielräume, die Löhne zu erhöhen, schreiben die Volkswirte der DekaBank. Um die schwache Binnennachfrage zu stärken, sollen die Gehälter um knapp drei Prozent steigen.

Auch Zimmermann verlangt, dass die Gehälter wieder steigen. "Die Lohnzuwächse müssen sich an der Gewinnsituation der Unternehmen und der Branchen, zu denen sie gehören, orientieren und nicht an den guten Wachstumsraten", sagte Zimmermann dem "Handelsblatt". Wo die Gewinne hoch seien, könnten auch die Löhne stärker steigen. "Allerdings sollte man angesichts der unsicheren konjunkturellen Lage im Ausland die Priorität bei temporären Lohnsteigerungen sehen."

Wirtschaftsweiser Franz warnt: Hohes Wachstum nur Momentaufnahme

Für Wolfgang Franz ist der Optimismus seiner Kollegen ohnehin verfrüht. Das starke Wachstum sei nur eine kurze Momentaufnahme, sagte der Chef der Wirtschaftsweisen dem "Handelsblatt". "Diese Dynamik wird in ein moderates Wachstumstempo einmünden."

Wie auch Zimmermann sieht Franz die größte Gefahr in der Außenwirtschaft. Ein wesentlicher Dämpfer werde aus den USA kommen. Eine Arbeitslosenquote auf hohem Niveau werde dort einen Aufschwung des privaten Konsums verhindern und auch der Immobilienmarkt sei dort noch labil. "Das trifft uns, denn von einer Abkopplung vom US-Markt kann keine Rede sein." Auch ein stärkerer Konsum in Deutschland könne dies nicht auffangen.

Zimmermann sieht außerdem in der chinesischen Wirtschaft eine Gefahr für das deutsche Wachstum. Zudem markierten schwache Konjunkturerwartungen in vielen europäischen Partnerländern die Gesamtlage.

yes/Reuters

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