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24.08.2010
 

Haushaltsminus

Staatsdefizit steigt drastisch

Finanzminister Wolfgang Schäuble: Rekordminus von 4,5 Prozent im Gesamtjahr erwartetZur Großansicht
REUTERS

Finanzminister Wolfgang Schäuble: Rekordminus von 4,5 Prozent im Gesamtjahr erwartet

Die milliardenschweren Krisenprogramme machen sich negativ in den öffentlichen Haushalten bemerkbar: Die deutsche Defizitquote ist im ersten Halbjahr auf 3,5 Prozent gestiegen - und damit über die zulässige europaweite Grenze. Vor allem die Sanierung der WestLB fiel ins Gewicht.

Wiesbaden - Das sind die heftigen Nachwehen der Wirtschafts- und Finanzkrise: Das Staatsdefizit in Deutschland ist im ersten Halbjahr drastisch gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 18,7 auf 42,8 Milliarden Euro - also auf mehr als das Doppelte.

Damit verstieß Deutschland auch wieder gegen das sogenannte Maastricht-Kriterium der Europäischen Union: Mit einer Defizitquote von 3,5 Prozent lag es deutlich über den maximal zulässigen drei Prozent. "Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung schlagen sich nun die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise und der in diesem Zusammenhang aufgelegten staatlichen Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur und der Finanzmärkte deutlich in den Haushalten von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung nieder", schrieben die Statistiker.

Darüber hinaus wirkt sich in den Zahlen des ersten Halbjahres die Sanierung der WestLB aus. Die "Erste Abwicklungsbank", eine sogenannte Bad Bank, die von der WestLB Risikopositionen und Geschäfte außerhalb des Kernbereichs übernimmt und abwickelt, wird nämlich als Teil des Staates behandelt. "Der Finanzierungssaldo des Staates hat sich dadurch um rund 900 Millionen Euro verschlechtert", teilte das Amt mit.

Für das Gesamtjahr rechnet die Bundesregierung mit einem Rekordminus von 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Allerdings lagen die Schätzungen zu Anfang des Jahres noch rund einen Prozentpunkt höher. Wegen des kräftigen Aufschwungs hat auch die Deutsche Bundesbank ihre Schätzung zur Defizitquote auf "merklich unter fünf Prozent" gesenkt. Für das kommenden Jahr dürften es nach Einschätzung der Notenbanker noch vier Prozent sein.

yes/apn/Reuters

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Die Maastricht-Kriterien

DPA
Die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion ist nach dem Vertrag von Maastricht an fünf Kriterien geknüpft. Sie sollen sicherstellen, dass die Euro-Länder sich wirtschaftlich so angenähert haben, dass sie reif für eine gemeinsame Währung sind:

1. Die Neuverschuldung soll nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen.

2. Für die Staatsverschuldung gilt ein Richtwert von 60 Prozent des BIP, den die Länder einhalten oder dem sie sich annähern sollen.

3. Die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten Länder liegen.

4. Die langfristigen Zinssätze dürfen nicht mehr als zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten EU-Länder liegen.

5. Die Währung muß sich mindestens zwei Jahre spannungsfrei und ohne Abwertung im Europäischen Währungssystem bewegt haben.







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