Washington - Die gute Nachricht ist: Die US-Wirtschaft wächst und erholt sich langsam von der Krise. Die schlechte lautet jedoch: Das Wachstum hat sich deutlich abgeschwächt. Wenn auch nicht so stark wie befürchtet.
Während sich Deutschland deutlich schneller von der schlimmsten Krise seit Jahrzehnten erholt und im laufenden Jahr Wachstumsraten von bis zu drei Prozent möglich sind, geht es in Amerika nur langsam voran. Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von lediglich 1,6 Prozent. Das teilte das Handelsministerium mit.
In einer ersten Schätzung war mit 2,4 Prozent Wachstum noch ein weit höherer Zuwachs veranschlagt worden. Experten hatten sogar damit gerechnet, dass die Zahl noch weiter nach unten korrigiert wird - statt auf 1,6 auf 1,4 Prozent.
Insbesondere der Außenhandel bremste das Wachstum. Die US-Wirtschaft wächst zwar seit mehr als einem Jahr wieder, doch vor allem zwei Faktoren machen der weltgrößten Volkswirtschaft zu schaffen: eine hohe Arbeitslosigkeit und Probleme am Immobilienmarkt.
Die Wirtschaft war zunächst kraftvoll ins Jahr 2010 gestartet: Im ersten Quartal legte das BIP nach den jüngsten Daten um 3,7 Prozent zu. Die noch immer nicht ausgestandene Krise am Immobilienmarkt und die Konsumzurückhaltung der Verbraucher schüren Sorgen, dass die Erholung im laufenden Sommerquartal ins Stocken geraten könnte.
"Eine Erholung, die steckengeblieben ist"
Trotz der trüben Daten rechnen Experten in den USA nicht mit einem Rückfall in die Rezession. "Wir haben hier eine Erholung, die steckengeblieben ist, aber wir erwarten keinen Double Dip", sagte der Chefökonom des US-Versicherers Nationwide Mutual, Paul Ballew, der Fachagentur Bloomberg vor Veröffentlichung der Zahlen. "Hier ist eine sehr langsame, zögerliche Erholung am Werk." Ende September legt das Ministerium dann den endgültigen Quartalswert vor.
Ein Lichtblick sind die Verbraucherausgaben, von denen die US-Wirtschaft zu 70 Prozent abhängt: Sie stiegen im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet nach den neuen Zahlen um zwei Prozent. Vor einem Monat war noch von 1,6 Prozent die Rede gewesen.
Allerdings hatte es in den vergangenen Tagen eine Reihe von düsteren Wirtschaftsdaten gegeben. So sackten die Bestellungen langlebiger Güter im Juli deutlich ab. Die Verkäufe existierender Häuser brachen um 27 Prozent ein, die neuer Häuser um zwölf Prozent. Die Arbeitslosenquote in den USA liegt derzeit bei 9,5 Prozent.
Die amerikanische Wirtschaft ist immer noch erheblich vom staatlichen Finanztropf abhängig: Nach einer am Dienstag veröffentlichten Studie der überparteilichen Etat-Abteilung des Kongresses ist das milliardenschwere Konjunkturpaket von Präsident Barack Obama für 1,7 bis 4,5 Prozent des Wachstums im zweiten Quartal verantwortlich. Demnach werden die Gesamtkosten für die Maßnahmen auf 814 Milliarden Dollar steigen. Bislang war von 787 Milliarden Dollar die Rede gewesen.
otr/Reuters/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
Gute Nachrichten scheinen rar geworden zu sein, wenn man im markthörigen und gläubigen Amerika schon ein Wachstum beschwören muß, welches dank staatlicher Eingriffe entstanden ist, finanziert durch riesige neue Schulden, die [...] mehr...
Wachstum. Selbst wenn das zur Abwechslung mal stimmen sollte, wäre das ein Hammer, in der Tendenz lange vorausgesagt und -gesehen von kritischen Beobachtern der Theatervorstellung der Neu-Keynesianer im weißen Haus. Da Nr. 44 von [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Wirtschaft in den USA | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH