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08.09.2010
 

Deutsche Energiewende

Stromstoß für das Ökozeitalter

Von Stefan Schultz

Die Regierung verkauft den Entwurf für das Energiekonzept als Blaupause für die Ökorepublik - trotz erheblich längerer AKW-Laufzeiten. Doch kann die Wende wirklich gelingen? SPIEGEL ONLINE zeigt, was am Versprechen einer Stromrevolution wirklich dran ist.

Strommast: Vier Bausteine für die Stromversorgung der ZukunftZur Großansicht
REUTERS

Strommast: Vier Bausteine für die Stromversorgung der Zukunft

Hamburg - Offshore-Windparks, bessere Gebäudedämmung, mehr Elektroautos und ein europäisches Supergrid: Im Entwurf für das Energiekonzept der Regierung finden sich zahlreiche Vorschläge für die Umstellung der Republik auf erneuerbare Energien. Vieles in dem 39-seitigen Entwurf bleibt vage, immerhin aber ist das Papier ein Anfang. Es definiert Leitlinien für alle drei Energiesektoren - für Strom, Wärme und Verkehr - und für alle Wertschöpfungsstufen, von der Erzeugung bis zum Verbrauch.

Wärmeeffizienz ist ebenso ein Thema wie die Umstellung des Güterverkehrs; Vorschläge für den Ausbau der Stromerzeugung durch Wind und Biomasse finden sich darin ebenso wie Vorschläge für steuerliche Stellschrauben, mit denen ganze Industriesektoren dazu ermutigt werden sollen, ihren Stromverbrauch zu senken.

Experten stellen der Regierung für ihr Energiekonzept gute Noten aus. "Ich bin positiv überrascht", sagt Helmuth Groscurth, Geschäftsführer des Arrhenius-Instituts, das in der Vergangenheit unter anderem das Umweltministerium, Greenpeace und Sharp beraten hat. "Im Grundsatz geht das in die richtige Richtung."

Michael Sterner vom Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES sagt: "Es zeichnet sich nicht ab, dass das Energiekonzept ein reines Laufzeitverlängerungskonzept wird. Viele wichtige Punkte werden angegangen." Sterner erforscht, wie sich Strom, Wärme und Verkehr zu einem ganzheitlichen, aus erneuerbaren Energien gespeisten System umbauen lassen.

Andere sehen das Energiekonzept skeptischer. RWE-Vizechef Rolf-Martin Schmitz hält die Annahmen der Regierung für überzogen, der Stromverbrauch lasse sich allein durch Effizienzsteigerungen um 28 Prozent senken. Betreiber von Stadtwerken sehen durch die Verlängerung der Atomlaufzeiten ihre Investitionen in erneuerbare Energien in Gefahr. Greenpeace warnt vor massenhaft neuem Atommüll - auf die anderen Punkte des Energiekonzepts geht die Umweltschutzorganisation nicht ein.

Tatsächlich aber spielt die Atomkraft in dem Konzept nur eine untergeordnete Rolle. Und wie stark die gerade beschlossene Laufzeitverlängerung den Ausbau der erneuerbaren Energien bremsen wird, lässt sich noch gar nicht absehen. Denn der Systemkonflikt zwischen erneuerbaren Energien und der Atomkraft hängt vor allem davon ab, dass Solar-, Wind- und Biostrom weiter bevorzugt durch die Netze geleitet werden. Und davon, wie konsequent sie in die Netze integriert und Stromangebot und -nachfrage harmonisiert werden.

Radikalumbau des Stromsystems

Und für den Klimaschutz gilt: Deutschlands CO2-Bilanz hängt weniger vom Atomstrom ab als von einer konsequenten Gebäudesanierung, einer effizienten Industrieproduktion und einer kompletten Umstellung des Verkehrssektors. Für all diese Fragen definiert die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept Anregungen, Vorschläge und zum Teil konkrete Zielsetzungen. Sogar fast völlig unerprobte Versuche wie die Erzeugung von synthetischem Gas mit Hilfe von Solar- und Windstrom werden von der Regierung erwähnt.

Eine Analyse des Entwurfs zeigt: Deutschlands Energierevolution steht ganz am Anfang. Es sind noch viele gesellschaftliche Umwälzungen nötig, damit Strom, Wärme und Verkehr gleichermaßen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gespeist werden können. Die Abschaffung der Atomkraft ist noch eins der kleineren Probleme.

Viel wichtiger ist: Windräder und Solaranlagen sind unstete Energiequellen. Mal liefern sie zu viel Strom auf einmal, mal überhaupt keinen. Je mehr Strom aus diesen Quellen kommt, desto stärker schwankt das Energieangebot. Für Deutschland ist das fatal: Die Windenergie soll künftig die größte Energiequelle sein. Die Betreiber müssen also etwas gegen die Schwankungen tun - nur was? Im Energiekonzept macht die Regierung vier Vorschläge. Sie will:

  • Energiespeicher ausbauen,
  • Schwankungen durch beständige Stromerzeugung aus Biogas ausgleichen,
  • den Stromverbrauch stärker dem Angebot anpassen,
  • erneuerbare Energien Spannungsschwankungen in den Netzen ausgleichen lassen.

Wie sinnvoll sind die Ansätze? Kann so die Energiewende gelingen? SPIEGEL ONLINE zeigt, was die Regierung bei der Stromrevolution berücksichtigen muss.

Schwarz-gelbe Energiepläne

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insgesamt 56 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
18.09.2010 von alexl1966: Zwischen Zeilen ?

Ihre Unterstellung, ich wäre ein technikfeindlicher Ökoträumer ist gelinde gesagt eine Unverschämtheit! Haben Sie das zwischen den Zeilen gelesen? Mit keiner Silbe habe ich mich gegen Technik ausgesprochen! Tatsache ist aber, [...] mehr...

14.09.2010 von sample-d:

..Störfälle sind viele der aufgeführten Beispiele, denn ein Störfall besteht wenn die "Tätigkeit aus sicherheitstechnischen Gründen nicht fortgeführt werden kann". Was Sie mit Reaktor-bedingt meinen verraten Sie [...] mehr...

12.09.2010 von Raylauncher: Technikgläubigkeit ?

Als naiv würde ich das nicht bezeichnen. Die einzige Chance der Menschheit, auf längere Sicht zu überleben, ist der innovative Einsatz von Technik. Letztlich konnte das Umweltproblem in den Industriestaaten auch nur durch den [...] mehr...

10.09.2010 von alexl1966: hahaha....

....Ihre naive Technikgläubigkeit ist wirklich niedlich! Das Problem der Menschheit ist, dass sie auch einige Dinge erfunden hat, die sie besser sein gelassen hätte. Das Öffnen der Büchse der Pandorra, genannt Kernspaltung, ist [...] mehr...

10.09.2010 von alexl1966: Gibt es auch nicht!

[QUOTE=Selektor;6201844] .....genau das ist das Problem; und das wird sich auch nicht lösen lassen (siehe Asse). Vielleicht verbuddeln wir das ganze Zeug in der Bannmeile des Reichtagsgebäudes! mehr...

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