Wirtschaft


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08.09.2010
 

EuGH-Urteil

Börsianer feiern Aus für staatliches Wettmonopol

Werbung für Sportwetten: Milliardenmarkt vor dem UmbruchZur Großansicht
DPA

Werbung für Sportwetten: Milliardenmarkt vor dem Umbruch

Steht der deutsche Glücksspielmarkt vor dem Großumbau? Nachdem der EuGH das staatliche Wettmonopol gekippt hat, hoffen private Anbieter auf die Öffnung des Markts. An der Börse verbuchen die Aktien der Unternehmen satte Kursgewinne.

Brüssel - Der Europäische Gerichtshof ( EuGH) hat das staatliche Monopol bei Sportwetten und Lotterien in Deutschland gekippt, jetzt triumphieren die privaten Glücksspielanbieter. Das Urteil sei "bahnbrechend", sagte die Generalsekretärin des Europäischen Spiel- und Wettverbandes (EGBA), Sigrid Ligné. Der Urteilsspruch vom Donnerstag könnte die Neuordnung des milliardenschweren Glücksspielmarkts in Deutschland einleiten.

Das Gericht hatte seine Entscheidung damit begründet, dass ein Monopol des Staates nur dann gerechtfertigt wäre, wenn es konsequent die Gefahren des Glücksspiels bekämpfe. Doch genau das sei in Deutschland nicht der Fall. Der Staat werbe viel zu sehr für seine Wettangebote.

So verwiesen die Luxemburger EU-Richter auf "intensive Werbekampagnen", mit denen die Lotto-Monopolgesellschaften der Länder versuchten, ihre Gewinne zu maximieren. Damit entfernten sich die Lottogesellschaften von den Zielen, die ihr eigenes Monopol rechtfertigen. Außerdem würden Kasinos, Spielhallen und Geldspielautomaten in Gaststätten nicht ernsthaft begrenzt, obwohl das Suchtpotential hier höher sei als beim Lotto.

7,8 Milliarden Euro Umsatz

Private Anbieter kämpfen seit Jahren gegen das Monopol. Nach dem EuGH-Spruch hoffen sie darauf, dass die Bundesländer den Glücksspielmarkt nun neu regeln. Dies würde der Branche ein enormes Wachstum ermöglichen.

Tatsächlich ist der Markt gigantisch. Der geschätzte Jahresumsatz liegt schon jetzt bei 7,8 Milliarden Euro. Allerdings finden die meisten Wettgeschäfte bisher in einem juristischen Graubereich statt. So entfallen lediglich 485 Millionen Euro auf legale Wetten, davon 185 Millionen Euro auf den staatlichen Anbieter Oddset. Die restlichen 94 Prozent der Umsätze generieren Unternehmen, die ihren Sitz im europäischen Ausland haben. Sie zahlen auf ihre Einnahmen in Deutschland weder Steuern noch Abgaben.

Mit anderen Worten: Durch das Urteil des EuGH könnte ein Milliardenmarkt legalisiert werden. Und er könnte noch weiter wachsen, wenn die privaten Anbieter künftig auch Werbung schalten dürfen.

Der größte europäische Internet-Sportwettenanbieter Bwin begrüßte denn auch die richterliche Entscheidung. "Die heutigen Urteile sind richtungsweisend für ganz Europa", sagte der Bwin-Direktor Jörg Wacker. Das Gericht habe die Rechtsauffassung des Unternehmens bestätigt. Der Wettanbieter appellierte an die Politik, schnell Alternativen zum bestehenden Glücksspielrecht auszuarbeiten. "Es ist dringend notwendig, dass Deutschland eine moderne, marktgerechte und EU-konforme Glücksspielregulierung beschließt", sagte Wacker. So könne auch Verbraucherschutz auf breiter Basis gewährleistet werden.

Börse feiert Monopol-Entscheidung

Die Börse reagierte positiv, Aktien der Anbieter gewannen deutlich. Bwin-Papiere Chart zeigen legten am Mittwoch um über sieben Prozent zu. Der Aktienkurs der Jaxx AG, die Beteiligungen an verschiedenen Unternehmen der Glücksspielbranche hält, schoss sogar um mehr als 50 Prozent nach oben. Und auch die Aktien von Tipp24 Chart zeigen profitierten. Sie gewannen bis zum Mittag fast neun Prozent und setzten sich an die Spitze des SDax Chart zeigen.

Für den Glücksspielanbieter Tipp24 sei das eine positive Nachricht, kommentierte ein Börsenhändler. Ein anderer Investor sagte, bis es erste Einschätzungen von Juristen gebe, seien noch viele Frage offen. "Aber auf den ersten Blick sieht das gut aus."

Zurückhaltend äußerte sich Analyst Christoph Schmidt vom Vermögensverwalter N.M.F. AG. Er gab zu bedenken, dass es wohl noch dauern werde, bis die deutsche Justiz auf das Urteil reagieren werde. Sollte sich dann aber die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs durchsetzen, böten sich für Anbieter wie Tipp24 gute Expansionschancen.

Auch der Deutsche Lottoverband (DLV) begrüßte die Entscheidung. Er rechne damit, dass die gewerblichen Spielevermittler wie Faber oder Tipp24 bald wieder "vernünftig arbeiten können", sagte DLV-Geschäftsführer André Jütting.

Geradezu euphorisch reagierten die Spitzenfunktionäre des Sports auf die Entscheidung. "Das Urteil ist ein Meilenstein. Es erlaubt den Gemeinwohlinteressen des Sports ebenso gerecht zu werden wie denen der Sportveranstalter, ohne die es keine Sportwetten gäbe", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach.

Landessportbünde zeigten sich dagegen besorgt: Sie haben die Befürchtung, dass sie künftig weniger Lottogelder bekommen könnten und damit ihre Existenz auf dem Spiel steht. Das Urteil bedeutet noch kein automatisches Ende des staatlichen Wettmonopols, konkrete Details für die geforderte Neuregelung gibt der EuGH nicht vor.

kim/Reuters/dpa

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insgesamt 49 Beiträge zum Forum...
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09.09.2010 von BruSie: International?

Wenn ich als Deutscher bei einem ausländischen Unternehmen, welches hier keinen Sitz hat und keine Steuern zahlt, Wetten abschließe, würde ich mich fragen, ob dieses Unternehmen dann in Deutschland die eventuellen Gewinne [...] mehr...

09.09.2010 von jdm11000: Äpfel und Birnen

Ich habe gar keinen Vergleich angestellt - das kam von Ihnen, da ich mich nur auf einen Beitrag, den Sie mit einem anderen Forumsteilnehmer hatten, bezog. Sie sollten schon genauer hinsehen, mit wem Sie diskutieren. Ihr [...] mehr...

09.09.2010 von JoschSche: ...

Ich sehe weder Gesetzmaessigkeit noch den Zusammenhang. Das von Ihnen (vermutlich) gemeinte Wirtschaftsmodell zerbrach ja an der Konkurrenz mit einem anderen Wirtschaftsmodell, welches wir heute praktisch nicht mehr haben... [...] mehr...

09.09.2010 von weltoffener_realist: ...

Sie sollten evtl. das Posting lesen, auf das ich mich bezog. Der Mitforist bejammerte, dass nun der Sportförderung Geld entzogen werde, wenn das Monopol falle. Ihre Argumente spielten dabei keine Rolle, nur die Generierung von [...] mehr...

09.09.2010 von weltoffener_realist: ...

Das wage ich nicht abschließend zu beurteilen, wahrscheinlich ist es in der Tat nicht. Diese rein politische Frage spielt juristisch auch keine Rolle. Ein Richter wendet Recht an. Wenn die Politik ein anderes Ergebnis [...] mehr...

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