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09.09.2010
 

Gaspipeline-Projekte

Fischer zofft sich mit Putin

Ex-Außenminister Fischer: "Zeitpläne nicht in Stein meißeln"Zur Großansicht
dpa

Ex-Außenminister Fischer: "Zeitpläne nicht in Stein meißeln"

Der Streit um Gaslieferungen nach Europa hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin und der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer liefern sich einen offenen Schlagabtausch. Im Zentrum des Streits: der Bau zweier konkurrierender Pipelines nach Europa.

Düsseldorf - Sowohl Joschka Fischer als auch Russlands Premier Waldimir Putin betreiben knallkarte Lobby-Politik wegen Gaslieferungen und Gastransit nach Westeuropa. Putin setzt sich dabei massiv für den Bau der sogenannten South-Stream-Pipeline ein. Diese soll von Russland aus zunächst auf dem Grund des Schwarzen Meeres verlaufen und dann ab Bulgarien oder Rumänien in zwei Strängen weiter nach Italien und Österreich. Fischer zufolge dient South Stream vor allem dazu, den Transit russischen Gases durch die Ukraine überflüssig zu machen.

Fischer selbst setzt sich für den Bau der Nabucco-Pipeline ein. Er berät den RWE-Konzern bei dem Projekt. Die Pipeline soll Europa Zugang zu neuen Gasquellen in Asien erschließen, sprich: unabhängiger vom russischen Gas machen. Potentielle Lieferanten sind Aserbaidschan, Turkmenistan oder der Irak. Die Pipeline soll durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich verlaufen.

Doch bei der Planung von Nabucco gibt es Probleme. Eine Finanzierung der teuren Pipeline ergibt nur Sinn, wenn Gaslieferanten feststehen. Ohne die Aussicht, dass letztlich wirklich Gas durch Nabucco fließt, werden sich für das Projekt kaum Investoren finden lassen. Doch genau in diesem Punkt gibt es immer wieder Ärger: Bisher konnte sich das Projekt keinen Lieferanten sichern.

Wie Putin Nabucco torpediert

Laut "Handelsblatt" ist daran vor allem Putin Schuld. Immer wieder habe der Ministerpräsident den Abschluss von Lieferantenverträgen vereitelt, immer wieder habe Russland das Gas potentieller Lieferanten selbst gekauft. Am Dienstag habe Putin das erstmals offen zugegeben. "Aserbaidschan hat nicht das nötige Volumen, um die Pipeline zu füllen, und hat vor wenigen Tagen erst ein Abkommen mit Russland unterzeichnet", sagte er. Nabucco dagegen habe keinen einzigen Lieferanten, monierte Putin. Falls Unternehmen dennoch Milliarden in das Projekt investieren wollten, wünsche er ihnen Gottes Hilfe.

Am Donnerstag nun keilte Fischer zurück. Putins South-Stream-Pipeline sei politisch abwegig, sagte er dem "Handelsblatt". "Ökonomisch macht South Stream keinen Sinn. Politisch ist das Projekt nicht im europäischen Interesse." Es trage nicht zu Diversifizierung der europäischen Gasbezugsquellen bei. Obendrein sei das Projekt extrem teuer. Sollte South Stream jemals gebaut werden, wäre die Leitung mit Kosten von mehr als 20 Milliarden Euro das mit Abstand teuerste Pipeline-Projekt, sagte Fischer.

Wie er auf diese Zahl kommt, sagte Fischer nicht. Die Nabucco-Initiatoren selbst, ein Konsortium von Unternehmen aus mehreren europäischen Ländern, veranschlagen für ihr Pipeline-Projekt nur sieben bis acht Milliarden Euro.

Zweifelhafter Zeitplan

Für das Nabucco-Projekt äußerte sich Fischer optimistisch, selbst wenn bisher kein definitiver Partner für Gas-Lieferungen gefunden wurde. Wenn ein Land sich verpflichte, wirke sich dies günstig auf die Entscheidung der anderen aus, so der ehemalige Außenminister. Für Turkmenistan sei etwa "die entscheidende Frage", ob Aserbaidschan mitziehe. "In den Verhandlungen mit Aserbaidschan ist man auf gutem Wege."

Zugleich seien für Lieferungen aus dem Nordirak in Verhandlungen mit der kurdischen Regionalregierung konkrete Fortschritte erzielt worden. "Die Sache ist über den Sommer in die richtige Richtung gelaufen und wird sich in der zweiten Jahreshälfte weiter positiv entwickeln", sagte Fischer.

Ob - wie geplant - bis Ende des Jahres über den Bau von Nabucco entscheiden werden kann, ist dennoch fraglich. "Zeitpläne sind Pläne", sagte Fischer. "Man muss die Monate und Tage nicht in Stein meißeln."

ssu/dpa-AFX

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insgesamt 5 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
10.09.2010 von der.letzte.dodo: Das Projekt ist im europäischen Interesse

Die rhetorischen Ausfälle gegen Fischer sind dabei unproduktiv Wenn er das Projekt vorantreiben kann, warum nicht? Wenn er seine Beziehungen ausnutzt und dabei auch noch a bisserl Geld verdient? Es sei ihm gegönnt [...] mehr...

09.09.2010 von leo06: Fischers Job

Es ist Fischers Job Nabucco anzupreisen! http://www.welt.de/politik/article4000115/Auch-Joschka-Fischer-wird-jetzt-Pipeline-Lobbyist.html mehr...

09.09.2010 von leo06: Fischers Nabucco Job

Es ist Fischers Job Nabucco anzupreisen! http://www.welt.de/politik/article4000115/Auch-Joschka-Fischer-wird-jetzt-Pipeline-Lobbyist.html mehr...

09.09.2010 von blob123y: Der Fischer hat ausser bla bla fuer das er viel Geld einsackt

noch nie was gebracht, reines Gruengas von hinten kennen wir doch. Die Nabuccoleute sollten sich einen Durchsetzer suchen und keien bla bla Posauner, denn den Fischer nimmt auch niemand ernst. Der hat einfach noch nie irgendetwas [...] mehr...

09.09.2010 von mitbürger: Taxi bitte!

Die Welt ist nicht genug. Bald verhandelt er über die Flugrechte der Galaxis, falls wir auf neue Lebensformen stoßen. Was sagt denn der ehemalige Bundeskanzler und Gasseiteneinsteigerexperte Schröder zu seinem Projekt? mehr...

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Erdgas ist nach Mineralöl der zweitwichtigste Bestandteil des deutschen Energiemix. Fast jede zweite Wohnung in Deutschland wird nach Angaben des BDEW inzwischen damit beheizt. Insgesamt sind es mehr als 18 Millionen Haushalte - Tendenz steigend. Zudem wird mit Erdgas Strom erzeugt, und umweltfreundliche Autos werden mit Erdgas angetrieben. Die Erdgas-Lagerstätten sind auf wenige Regionen begrenzt - mehr als die Hälfte der globalen Vorkommen befinden sich in den Ländern Russland, Iran und Katar.

Erdgas ist der am wenigsten klimaschädliche aller fossilen Brennstoffe. Bei seiner Verbrennung werden etwa 200 Gramm CO2 pro Kilowattstunde freigesetzt. Dies ist im Vergleich zu Erdöl (270 g/kWh) und Kohle (je nach Qualität 330 bis 400 g/kWh) gering.





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