Der frühere Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch und seine Frau sind tot. Das berichten die "Süddeutsche Zeitung" und die Nachrichtenagentur dpa übereinstimmend. Näheres wurde zunächst nicht bekannt.
Brauchitsch galt als Drahtzieher der Flick-Affäre, die Anfang der achtziger Jahre die Bundesrepublik erschütterte. Der damalige Generalmanager des Flick-Konzerns verteilte seinerzeit rund 26 Millionen D-Mark an Parteien, Stiftungen und zahlreiche Politiker. Zu den Empfängern gehörten die FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff und Hans Friderichs, die zu hohen Geldstrafen verurteilt wurden. Lambsdorff musste als Wirtschaftsminister zurücktreten.
Hintergrund des Skandals war der Wunsch Flicks, Erlöse aus dem Verkauf einer Beteiligung an Daimler-Benz steuerbegünstigt anlegen zu können. Wegen Steuerhinterziehung wurde er 1984 zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.
Brauchitsch galt in den siebziger Jahren als einer der mächtigsten deutschen Wirtschaftsbosse. Im Düsseldorfer Flick-Konzern machte der Manager eine steile Karriere, begünstigt auch durch eine persönliche Verbindung. Mit dem späteren Unternehmer und Milliardär Friedrich Karl Flick hatte er die Schulbank im oberbayerischen Bad Tölz gedrückt.
"Pflege der Bonner Landschaft"
Der berufliche Aufstieg des 1926 in Berlin geborenen Brauchitsch begann Mitte der fünfziger Jahre bei der Lufthansa. Zuvor hatte er in Mainz und Berlin Rechtswissenschaften studiert. Der 1,96 Meter große Mann, der aus einer schlesischen Adelsfamilie stammt, besuchte die London School of Economics und die Akademie für Internationales Recht in Den Haag. Die engen Beziehungen zur Familie Flick brachten den sportbegeisterten Manager Mitte der sechziger Jahre zur Flick KG, wo er geschäftsführender Gesellschafter wurde.
Von 1971 bis 1973 war er Generalbevollmächtigter des Verlegers und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender im Axel Springer Verlag in Berlin. 1973 folgte von Brauchitsch dem testamentarischen Wunsch des verstorbenen Friedrich Flick, als Gesellschafter in das Imperium am Rhein zurückzukehren. Dort kümmerte er sich fortan um die "Pflege der Bonner Landschaft" und versuchte, mit seinen Kontakten ein günstiges Klima für das Unternehmen zu schaffen. Das führte ihn in die Flick-Affäre. 1982 trennte sich Flick von ihm.
Über die Flick-Affäre äußerte Brauchitsch sich 1999 noch einmal sehr detailliert - in seinem Erinnerungsbuch "Der Preis des Schweigens". Darin nannte er die Parteispenden "Schutzgelder", die die Wirtschaft zahlte, um sich vor Repressionen in Form einer wirtschaftsfeindlichen Politik zu schützen. Den permanenten Bitten sämtlicher Parteien und Schatzmeister habe man sich nicht entziehen können.
cte/dpa
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