Energiewende 1500 Unternehmen beantragen Rabatt für Stromnetzkosten

Hunderte Firmen profitieren von einer Ausnahme bei den Stromnetzentgelten. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen haben 2013 bereits 1500 Unternehmen einen Rabatt beantragt. Die Regelung betrifft unter anderem Hotels, Autohäuser, Golfclubs.

Strommasten: Netzentgelt macht etwa ein Fünftel des Strompreises aus
DPA

Strommasten: Netzentgelt macht etwa ein Fünftel des Strompreises aus


Hamburg - Das Ziel klingt nachvollziehbar: Kein Unternehmen, das extrem viel Strom verbraucht, soll unter der Energiewende leiden. Deshalb können sich energieintensive Firmen von den Netzgebühren befreien lassen. Die Kosten werden auf den Verbraucher und kleine Unternehmen umgelegt. Für Ärger sorgt in diesem Zusammenhang aber eine Regelung, die auch kleinen, nicht energieintensiven Firmen Rabatte ermöglicht. Dazu zählen etwa Hotels, Autohäuser - und Golfclubs.

Im laufenden Jahr haben nun wieder bereits 1500 Unternehmen einen Rabatt für die Netzentgelte beantragt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Demnach laufen derzeit die Genehmigungsverfahren - und die Chancen stehen nicht schlecht: In den Jahren 2011 und 2012 gab es 4376 Anträge, davon wurden bislang 2329 genehmigt, gerade mal 339 Anträge wurden eingestellt.

Für die komplette Befreiung von den Netzgebühren sind laut Bundesregierung in diesem Jahr bislang 46 Anträge eingegangen. Auch über sie sei noch nicht entschieden worden.

Das Netzentgelt ist ein wichtiger Bestandteil des Strompreises: Laut Bundesnetzagentur macht es rund ein Fünftel davon aus. Die Sonderregel für sogenannte atypische Stromkunden wurde im Sommer 2011 beschlossen. Union und FDP begründeten dies mit einem Beitrag der Industrie zur Netzstabilisierung. Einen Nachweis dafür müssen die Unternehmen aber gar nicht erbringen. Tatsächlich dürfte es der Regierung eher darum gegangen sein, Unternehmen vor einem Anstieg der Stromkosten im Rahmen der Energiewende zu bewahren.

"Die Strompreise sind um 35 Prozent gefallen"

Die Grünen kritisieren aber, dass dies gar nicht notwendig sei. Die Grünen-Abgeordnete Bärbel Höhn sagte SPIEGEL ONLINE, die Ausnahmen für Firmen seien eingeführt worden, weil die schwarz-gelbe Bundesregierung dachte, dass die Strompreise nach dem Atomausstieg massiv steigen würden. "Sind sie aber nicht. Im Gegenteil, die Preise an der Börse sind um rund 35 Prozent gefallen."

Ihr Fraktionskollege Oliver Krischer fordert, die "Ausnahmen deutlich zurückzuschrauben und nur dann zu gewähren, wenn eine tatsächliche Stabilisierung des Netzes unterstützt wird". Es könne nicht sein, "dass die privaten Haushalte die Strompreise für Golfplätze, Autohäuser und Hähnchenmäster mitbezahlen".

Höhn ist jedoch skeptisch, dass sich schnell etwas ändert. Sie gehe davon aus, dass auch eine "neue schwarz-rote Bundesregierung die Regelung wegen des starken Lobbydrucks nicht fallen lässt".

cte



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 510 Beiträge
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kumi-ori 21.10.2013
1. Ich hätte gern mal Informationen,...
... welche Produkte ich in Zukunft meiden sollte, um deren Herstellern unnötig hohe Stromkosten zu ersparen.
u.loose 21.10.2013
2. Ach nee, die Tröte Höhn mal wieder...
Die kann offenbar auch nur in Worthülsen reden... Niemand der Strom zuverlässig benötigt, kann es sich leisten seinen Strom am Spot-Markt - Rudis Reste Rampe - zu kaufen. Ansonsten immer noch die selbe Leier: Klassenkampf per Golfplatz, Autohaus (bevorzugt natürlich Porsche und Mercedes) und Hähnchenmäster... Wie wäre es da mit ein wenig Ehrlichkeit und man würde die ganze ÖPNV Betriebe nennen, die ja gaaaanz schwer in internationaler Konkurrenz stehen?
DieterLang 21.10.2013
3. Abzockermentalität
Hier zeigt sich wieder einmal die deutsche Abzockermentalität! Ich erwarte, dass die SPD -dann im Regierungsboot- den diesbezüglichen Lobbyisten die rote Karte zeigt. Wenigstens dies sollte die SPD neben Ihrem "Flagschiff" Mindestlohn als Regierungspartei durchsetzen. Sonst wäre sie ja wirklich nur noch ein Spielball ihrer Randgruppen und man könnte sie nicht mehr wählen.
Hilfskraft 21.10.2013
4. dann sollten ...
... vielleicht sämtliche Privathaushalte Unternehmen gründen mit Gegenstand: "Familienführung zum Zwecke zur Erlangung von Steuerleistungen an den Staat", wofür auch Strom benötigt wird und auch den Rabatt beantragen ... ???
arioffz 21.10.2013
5. Man werden wir all
Zitat von sysopDPAHunderte Firmen profitieren von einer Ausnahme bei den Stromnetzentgelten. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen haben 2013 bereits 1500 Unternehmen einen Rabatt beantragt. Die Regelung betrifft unter anderem Hotels, Autohäuser, Golfclubs. 1500 Unternehmen beantragen Rabatt für Stromnetzkosten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/1500-unternehmen-beantragen-rabatt-fuer-stromnetzkosten-a-928950.html)
verar..t! Ist schon ein trolliges Land geworden unser D, Die obrigen backen sich es, wie sie es brauchen und wir wählen sie zum Dank. Naja so ein Golfclub ist schon Systemrelevant, da verstehe ich den Antrag, man stelle sich nur vor die obrigen müssen ohne Licht feiern.....
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