19,5 Milliarden Überschuss Reiche Krankenkassen rechnen sich arm

Die gesetzliche Krankenversicherung hat ein Finanzpolster von fast 20 Milliarden Euro angehäuft - Beiträge erstatten wollen die Kassen aber nicht. Das Gesundheitsministerium macht jetzt Druck und mahnt, den Versicherten Prämien zu zahlen.

Apothekerin mit Arzneimitteln: Krankenkassen rechnen mit höheren Ausgaben
DPA

Apothekerin mit Arzneimitteln: Krankenkassen rechnen mit höheren Ausgaben


Berlin - Eigentlich müssten sich die Kassenfunktionäre freuen: Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat Finanzreserven von 19,5 Milliarden Euro angehäuft. Allein 2011 erzielten die einzelnen Krankenkassen einen Überschuss von rund vier Milliarden Euro, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch mit.

Doch statt sich über das Finanzpolster zu freuen, zählt der GKV-Spitzenverband Risiken auf. Denn die großen Reserven wecken Begehrlichkeiten. Politiker diskutieren über Prämien, also Beitragserstattungen an Versicherte. Auch Kliniken wollen von den Überschüssen profitieren und fordern, dass sie von Sparrunden ausgenommen werden. Die Regierung droht, den Zuschuss an die Kassen zu kürzen.

"Wir warnen dringend davor, nun eine Kürzungsdebatte vom Zaun zu brechen", sagte der Vizechef des GKV-Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg. Über den Vier-Milliarden-Euro-Überschuss der Kassen sagte er: "Dies entspricht den Ausgaben von lediglich acht Tagen." Angesichts der stabilen finanziellen Lage müssten Rücklagen für schlechte Zeiten aufgebaut werden. "Wer nur auf die Zahlen des vergangenen Jahres schaut und auf dieser Grundlage die künftigen Einnahmen kürzt, organisiert das Minus von morgen", sagte Stackelberg.

Ausgaben für Arzneimittel gingen im vergangenen Jahr zurück

Zuletzt hieß es, das Plus der Kassen sei damit zu erklären, dass Experten deren Ausgaben höher eingeschätzt hatten und die Zuweisungen deshalb höher ausfielen. Zudem gingen die Arzneimittelausgaben im vergangenen Jahr um vier Prozent zurück.

Dem GKV-Spitzenverband zufolge zeichnen sich für die Kassen aber bereits höhere Ausgaben ab. Laut Zahlen des Deutschen Apothekerverbands (DAV) stiegen die Arzneimittelausgaben bereits im Januar wieder um über fünf Prozent. Zudem ende für die Kassen im Dezember 2013 ein Großkundenrabatt auf Arzneimittel.

Der GKV-Spitzenverband rechnete vor, dass 2011 auch die Ausgaben für Leistungen um 2,6 Prozent gestiegen seien - trotz der geringeren Kosten für Arzneimittel.

Die Regierung will sich die Reserven aber genauer anschauen. Etliche Kassen verfügten über Mittel, die in dieser Höhe nicht zur Absicherung gegen Risiken gebraucht würden, hieß es. "Diese Krankenkassen sind gefordert, intensiv zu prüfen, ob vorhandene Prämienpotentiale an ihre Mitglieder weiterzugeben sind", erklärte das Gesundheitsministerium. Der Teil des Gesundheitsfonds, der verfügbar sei, sei angesichts konjunktureller Risiken ein sinnvoller Puffer. Es handelt sich um 4,4 Milliarden Euro aus dem Fonds, die nicht unter anderem als Pflichtreserve gebunden sind.

Die Gesamtreserven der gesetzlichen Krankenversicherung sind verteilt auf die einzelnen Kassen und den Gesundheitsfonds, über den die Beitrags- und Steuermilliarden gesammelt und verteilt werden. Das Finanzpolster bei den Kassen gibt das Ministerium mit rund zehn Milliarden Euro an. Der Fonds habe eine Reserve von rund 9,5 Milliarden Euro.

mmq/dpa



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insgesamt 106 Beiträge
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sagmalwasdazu 07.03.2012
1. Man siehe und staune !!
Was man dem Volke so alles abpressen kann, ohne das es dies tatsächlich bemerkt und in irgend einer Form zur Kenntnis nimmt! Leistungen werden immer massiver gekürzt, und die Kassen jammern auf hohen Niveau und wissen gar nicht wohin mit dem Geld.- Heuchler allesamt!
juergw. 07.03.2012
2. Jeder Versicherter..
Zitat von sysopDPADie gesetzliche Krankenversicherung hat ein Finanzpolster von fast 20 Milliarden Euro angehäuft - die Beiträge senken oder Zusatzgebühren zurückzahlen wollen die Kassen aber nicht. Das Gesundheitsministerium macht jetzt Druck und mahnt, den Versicherten Prämien zu zahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,819872,00.html
bekommt 19,76 € zurück erstattet -2x Pizza mit Getränken beim Italiener-Rülps,das wars.Bringt nichts. Besser wäre es mit den Überschüssen medizinische Leistungen zu verbessern .Wenn die Konjunktur nachläßt tut sich wieder ein Milliaren Loch auf.Die Rücklagen sollten aber nicht die Vorstandsgehälter erhöhen.
Xiam 07.03.2012
3. Prämien
Prämien an Versicherte fallen - vielleicht zurecht - sicherlich nicht gezahlt werden. Die fielen auch eher mager aus. Ich bin jetzt aber mal gespannt, ob sich die Kassenvorstände erstmal selbst ein paar saftige Prämien genehmigen, sozusagen als Belohnung für das umsichtige Erwirtschaften eines schönen Überschusses.
Chatzi 07.03.2012
4. Krankenkassenzuschuss?
Zitat von sysopDPADie gesetzliche Krankenversicherung hat ein Finanzpolster von fast 20 Milliarden Euro angehäuft - die Beiträge senken oder Zusatzgebühren zurückzahlen wollen die Kassen aber nicht. Das Gesundheitsministerium macht jetzt Druck und mahnt, den Versicherten Prämien zu zahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,819872,00.html
Wozu der Krankenkassenzuschuss wohl gut war, wissen wir ja jetzt. Wieso habe ich Trottel eigentlich den Wisch für die 8 Euro monatlich unterschrieben, während Tausende andere es unterließen und sogar dafür abgemahnt wurden? Traurig ist das nicht, das ist widerlich, einen bürokratischen Apparat auch noch mit privaten Geldern so zu pampern, die er dann auch gar nicht mehr zurückzahlen möchte. Pharma-Lobby und Krankankassen-Lobby sollten von der Politik in die Schranken gewiesen werden!!! JETZT!
babsi100 07.03.2012
5. Frechheit
Zitat von sysopDPADie gesetzliche Krankenversicherung hat ein Finanzpolster von fast 20 Milliarden Euro angehäuft - die Beiträge senken oder Zusatzgebühren zurückzahlen wollen die Kassen aber nicht. Das Gesundheitsministerium macht jetzt Druck und mahnt, den Versicherten Prämien zu zahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,819872,00.html
Das ist eine Frechheit und bestehlen seiner Kundschaft für uns wirds immer teurer und die machen sich die Taschen voll und wollen wie die Politiker nichts davon abgeben. Das haben die sich bestimmt von denen ab geschaut, aber mit uns kann man es ja machen.
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