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Neues Modell: Mehr als 400.000 Menschen nutzen Rente mit 63

Rentner: 8,8 Milliarden Mehrkosten für 2015 Zur Großansicht
DPA

Rentner: 8,8 Milliarden Mehrkosten für 2015

Die Rente mit 63 findet großen Anklang. Mehr als 400.000 Arbeitnehmer sind bisher abschlagsfrei in Rente gegangen. Nun sollen Anreize geschaffen werden, doch noch ein wenig zu arbeiten.

Die vor eineinhalb Jahren eingeführte Rente mit 63 ist bei älteren Arbeitnehmern sehr gefragt. Allein im laufenden Jahr haben 221.000 Menschen einen Antrag auf das vorgezogene Ruhestandsgeld gestellt, wie der Vorstandschef der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) Alexander Gunkel auf der Vertreterversammlung der DRV mitteilte. Bis Ende Oktober hätten somit insgesamt 427.000 Menschen die Möglichkeit genutzt, ab 63 Jahren abschlagsfrei in Rente zu gehen.

2014 hatte die schwarz-rote Regierung die Rente mit 63 und die verbesserte Mütterrente beschlossen. Der Kompromiss der Koalition sah damals vor, den Eintritt in den Ruhestand flexibler zu gestalten. Dazu legte die Koalition im November ein Konzept vor.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hatte wiederholt kritisiert, dass die Rente mit 63 die Zahl älterer Facharbeiter ausgedünnt habe. Gunkel merkte an, dass die Rentenversicherung nicht wisse, wann und mit welcher Rentenart die Betroffenen ohne die Reform in Rente gegangen wären.

DRV-Präsident Axel Reimann begrüßte im Grundsatz die Koalitionspläne für die Flexi-Rente. Nach dem Konzept von Union und SPD sollen Menschen, die bereits mit 63 aus dem Erwerbsleben ausscheiden und dabei Abschläge in Kauf nehmen, mehr von einem eventuellen Zuverdienst behalten können. Zudem soll es attraktiver werden, nach Erreichen des regulären Rentenalters zusätzlich zur Rente etwa in Teilzeit weiterzuarbeiten.

Reimann forderte, die geplante Reform zeitlich gestaffelt in Kraft zu setzen. So sei die Neuregelung der Hinzuverdienstgrenzen technisch sehr aufwendig und solle nicht vor dem 1. Juli 2017 in Kraft treten. Andere Vorschläge der Koalitionsarbeitsgruppe seien deutlich früher umsetzbar, etwa die geplante Ergänzung der Renteninformation mit Hinweisen, wie sich ein Hinausschieben des Rentenbeginns lohnen kann oder eine vorzeitige Inanspruchnahme von Renten wirkt.

Bei den Kosten zeichne sich ab, dass es bei den Schätzungen der Bundesregierung zum Rentenpaket bleibe. Demnach stiegen die Rentenausgaben einschließlich Krankenversicherungder Rentner durch das Paket 2014 um 4,3 und 2015 um 8,8 Milliarden Euro, sagte Gunkel. Die Mütterrente verursacht im laufenden Jahr Mehrausgaben von 6,3 Milliarden Euro.

Insgesamt dürften die Ausgaben der Rentenversicherung 2015 um 4,5 Prozent auf insgesamt 272,1 Milliarden Euro steigen. Die Einnahmen bezifferte DRV-Chef Gunkel auf 270,2 Milliarden. Er bekräftigte, dass der derzeitige Beitragssatz in Höhe von 18,7 Prozent bis 2020 stabil bleiben dürfte.

sfm/dpa

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1. was für ein blödsinn?
frummler 03.12.2015
die wollen allen ernstes leute die über 40 jahre gearbeitet haben und in den verdienten ruhestand ohne abzüge gegangen sind durch weniger abzüge zurück ins arbeitsleben holen? in welcher welt leben die eigentlich? sind das nicht die selben die gerade erst die rentner besteuern wollen?
2.
formatierer 03.12.2015
Das sind bestimmt alles Dachdecker.
3. Zwei Seiten der Rente mit 63
MichaelundNilma 03.12.2015
Wenn nach Angaben der Rentenversicherung 427 000 Menschen die Rente mit 63 abschlagsfrei nutzen, sollte nicht unerwähnt bleiben, das H4 Empfänger mit empfindlichen Abschlägen, zwangsweise mit 63 in Rente geschickt werden. Die Kritik des IW kann man wie immer nicht ernst nehmen, denn viele der zwangsweise mit 63 in Rente geschickten H4 Empfänger, sind hochqualifizierte Fachkräfte und würden gerne noch arbeiten, oder müssen es sogar, weil die Rente zu niedrig ist. Aber die wurden oft genau von den Firmen entlassen, deren Verbände sich anschließend über die Ausdünnung von Fachkräften beschweren. Manchmal muß man sich fragen, wer solche Verbände noch ernst nimmt.
4. Ich wünschte mir
melladin 03.12.2015
die Generation "mit 63 in Rente" würde das Bewusstsein dafür aufbringen, dass für die Kosten immer weniger jüngere Menschen aufkommen müssen, die selbst nie- nie- niemals in diesen Genuss kommen können, auch wenn sie genauso ihre 40 Arbeitsjahre auf dem Buckel haben werden.
5. @MichaelundNilma
rdiess 03.12.2015
Bin seit 1.11. in "Rente für besonders langjährig Versicherte" (45 Jahre). Große Teile meiner letzten Jahre habe ich mit "Personalmarketing" vergeudet. Erfolge: Etliche bei der Konkurrenz abgeworben, mehrere Initiativ-Bewerber über 60 aus der Region eingestellt. "Hochqualifizierte" Langzeitarbeitslose, denen angeblich die Zwangsverrentung droht, haben sich keine beworben. Wir haben sogar für 5-stellige Beträge Annoncen im Nordosten Deutschlands geschaltet. Gelesen haben die scheinbar nur junge Polen am ostwärtigen Ufer der Oder.
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