750-Milliarden-Rettungspaket EU-Beschlüsse treiben Dax und Euro nach oben

Das gigantische Rettungspaket der EU zeigt Wirkung: Der Dax schießt in den ersten Handelsstunden um nahezu fünf Prozent in die Höhe, der Kurs des Euro steigt. Kanzlerin Merkel sieht sich bestätigt: "Wir schützen das Geld der Menschen in Deutschland."

Börsentafel in Frankfurt: Vor allem Bankenwerte gewinnen
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Börsentafel in Frankfurt: Vor allem Bankenwerte gewinnen


Berlin/Brüssel - Aufatmen an der Frankfurter Börse: Die Einigung der EU-Finanzminister auf einen gigantischen Rettungsschirm für Schuldenstaaten hat die gewünschte Wirkung erzielt - und die Märkte beruhigt. In den ersten Handelsstunden an der Frankfurter Börse schoss der Leitindex Dax Chart zeigen am Montag um 4,68 Prozent auf 5957 Punkte in die Höhe. Der EuroStoxx Chart zeigen gewann mehr als sieben Prozent. Auch der zuletzt stark geschwächte Euro Chart zeigen legte deutlich zu. Er wurde am Montagmorgen zu 1,2978 US-Dollar gehandelt. Am Freitag noch hatte der Euro-Kurs beim Börsenschluss in New York bei 1,2755 Dollar gelegen.

Die EU-Finanzminister hatten in der Nacht einen Kreditrahmen von insgesamt 500 Milliarden Euro für klamme Mitgliedsstaaten beschlossen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll mindestens noch 250 Milliarden Euro drauflegen, während die Europäische Zentralbank (EZB) die Maßnahmen durch den Aufkauf von Staatsanleihen und Geldmarktoperationen flankieren soll. Ziel ist es, den Druck auf den Euro und die europäischen Finanzwerte zu mildern.

Tatsächlich profitierten am Montag vor allem die Bankenwerte im Dax. So sprang allen voran die Deutsche Bank Chart zeigen zeitweise um fast zwölf Prozent auf 51,25 Euro nach oben, die Commerzbank Chart zeigen legte fast zehn Prozent auf mehr als sechs Euro zu. An der Spitze des EuroStoxx 50 schossen ING Chart zeigen und Société Générale Chart zeigen um rund 18 Prozent hoch.

Kanzlerin Merkel: "Einmalig in der Geschichte des Euro"

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte unterdessen das milliardenschwere Hilfspaket für klamme Euro-Länder. "Dieses Paket dient der Stärkung und dem Schutz unserer gemeinsamen Währung", sagte Merkel am Montag in Berlin. "Wir schützen das Geld der Menschen in Deutschland." Dieses Paket sei notwendig, weil es eine Attacke gegen den Euro gegeben habe. "Es ist einmalig in der Geschichte des Euro und der Europäischen Union."

Die Ursachen der Krise müssten nun an der Wurzel angepackt werden, sagte Merkel weiter. Alle Mitgliedsstaaten müssten ihre Haushalte in Ordnung bringen. Vize-Kanzler Guido Westerwelle (FDP) fügte hinzu: "Das Paket gibt es nicht zum Nulltarif." So verpflichteten sich die neben Griechenland größten Sorgenkinder des Euro-Raums, Spanien und Portugal, zu erheblichen zusätzlichen Konsolidierungsmaßnahmen. Beide Länder wollten am 18. Mai über ihren Sparkurs berichten.

Mit Blick auf die verlangte Haushaltskonsolidierung der Euro-Länder verwiesen Merkel und Westerwelle auf die im deutschen Grundgesetz festgeschriebene Schuldenbremse. Damit leiste Deutschland seinen Beitrag zur Stabilität des Euro.

Bundeskabinett wird am Dienstag Gesetzentwurf beschließen

Der Außenminister forderte mit Hinweis auf Währungsspekulationen eine bessere Regulierung der Finanzmärkte. Das beschlossene Paket zeige jenen, "die den Euro als Währung angegriffen haben", dass "wir willens, in der Lage und bereit sind, diese Angriffe abzuwehren".

Das Bundeskabinett wird nach Angaben Merkels in einer Sondersitzung am Dienstag den Gesetzentwurf für die Gewährung von Bürgschaften über insgesamt 440 Milliarden Euro durch die EU-Mitgliedstaaten verabschieden. Weitere 60 Milliarden Euro sollen über einen Notfallfonds der EU bereitgestellt werden, sie sind über die EU-Kommission bereits verfügbar.

Als rechtliche Grundlage für den neuen Mechanismus zur Abwehr von Spekulanten solle Artikel 122 des Lissabon-Vertrages dienen. Er erlaubt finanziellen Beistand der Union "aufgrund von außergewöhnlichen Ereignissen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen". Im Falle Griechenlands war ein Rückgriff auf diese Klausel noch vermieden worden, weil das hellenische Schuldendrama nicht erst durch die Wirtschafts- und Finanzmarktkrise ausgelöst wurde.

Würde der gleiche Verteilungsschlüssel wie zur Rettung Griechenlands angewandt, steuerte Deutschland bis zu 123,2 Milliarden Euro zu dem Rettungspaket bei. Deutschland habe stundenlang auf bilateralen Krediten beharrt und dem System der Garantien erst zugestimmt, als die Gründung einer eigenen Zweckgesellschaft beschlossen wurde, hieß es. Deutschland hätte sich gemeinsam mit den Niederlanden gegen die zentrale Stellung der Brüsseler EU-Behörde bei der Rettungsaktion gewehrt.

yes/Reuters/dpa

Forum - Wird Deutschland von der Griechenland-Krise erfasst?
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Seite 1
Ghost12 08.05.2010
1.
Zitat von sysopDer Bundestag hat Milliarden-Hilfen zur Rettung Griechenlands beschlossen. Doch ob die Maßnahmen der Eu ausreichen werden, um die Staatskrise in den Griff zu bekommen? Zudem erreicht die Griechenland-Krise die Börsen, die erhebliche Kurseinbrüche verzeichnen mussten. Was glauben Sie - wird die Krise auch den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland bremsen?
Die Banken fordern und betteln um den erneuten Bail-Out. Alle Monate wieder, schon wieder haben sie sich verzockt. "Anleger betteln bei Zentralbank um Hilfe" http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:boersenausblick-anleger-betteln-bei-zentralbank-um-hilfe/50111588.html Knickt die EZB ein, wovon auszugehen ist, sind all unsere bisherigen Eigentümer, alle unsere Freiheitsrechte nicht mehr in unserer Hand sondern ein reines Pfand der Politik und Banken. EU-Bürger sind dann reine Sklaven, die ihre komplette Arbeitskraft der Obrigkeit zur Verfügung stellen.
Volker Gretz, 08.05.2010
2.
Zitat von sysopDer Bundestag hat Milliarden-Hilfen zur Rettung Griechenlands beschlossen. Doch ob die Maßnahmen der Eu ausreichen werden, um die Staatskrise in den Griff zu bekommen? Zudem erreicht die Griechenland-Krise die Börsen, die erhebliche Kurseinbrüche verzeichnen mussten. Was glauben Sie - wird die Krise auch den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland bremsen?
Die Frage lautet doch eher: Wird die Wirtschaft ihre Währung noch verteidigen können? In Brüssel werden gerade "Reformen" (=zahlen für die Wirtschaft) beschlossen, die Sonntag (nach Schließung der NRW-Wahllokale und vor Öffnung der internationalen Börsen) verkündet werden.
Prekarianer 08.05.2010
3.
Zitat von sysopDer Bundestag hat Milliarden-Hilfen zur Rettung Griechenlands beschlossen. Doch ob die Maßnahmen der Eu ausreichen werden, um die Staatskrise in den Griff zu bekommen? Zudem erreicht die Griechenland-Krise die Börsen, die erhebliche Kurseinbrüche verzeichnen mussten. Was glauben Sie - wird die Krise auch den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland bremsen?
es ist immer wieder schön mitanzusehen, wie sich die marionetten der wirtschaftsbosse, politiker genannt, wie käfer verhalten. auf den rücken fallen und ihre beine empor halten und willig den weg der bänker hinterherlaufen
Ghost12 08.05.2010
4.
Zitat von Prekarianeres ist immer wieder schön mitanzusehen, wie sich die marionetten der wirtschaftsbosse, politiker genannt, wie käfer verhalten. auf den rücken fallen und ihre beine empor halten und willig den weg der bänker hinterherlaufen
"Quantitave Easing" wäre eine Abwertung des Euros. Das wäre Enteignung. Zugunsten von spekulierenden Banken. Das ist alles nicht mehr witzig, das wäre Ende von Demokratie und Eigentum.
rolli 08.05.2010
5.
Zitat von sysopDer Bundestag hat Milliarden-Hilfen zur Rettung Griechenlands beschlossen. Doch ob die Maßnahmen der Eu ausreichen werden, um die Staatskrise in den Griff zu bekommen? Zudem erreicht die Griechenland-Krise die Börsen, die erhebliche Kurseinbrüche verzeichnen mussten. Was glauben Sie - wird die Krise auch den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland bremsen?
Die Weltwirtschaft, incl. der Banken hat sich an foreign exchange swaps verzockt. Bevor Staaten daran zugrunde gehen, werden grosse Unternehmen, Banken und Versicherungen bankrott sein. Aber die Staaten werden folgen, denn Zocker an diesem Markt waren auch die Zentralbanken in grossem Stil tätig. Es bleibt nur Rezession, dadurch Inflation und dadurch weltweit Zusammenbruch der Wirtschaft und des Geldsystems. rolli
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