A400M-Bestellung: Regierung kauft weniger Militärtransporter

Jetzt sollen es nur noch 40 Flugzeuge werden: Die Bundesregierung hat sich nach FDP-Angaben auf Details zum Kauf des umstrittenen Militärtransporters Airbus A400M geeinigt. Die Bestellung wurde nochmals reduziert.

Airbus A400M: Die Finanzierung für den Flieger ist laut FDP gesichert Zur Großansicht
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Airbus A400M: Die Finanzierung für den Flieger ist laut FDP gesichert

Berlin - Es ist ein Streit, in dem schon mehrmals der vermeintliche Durchbruch verkündet wurde. Jetzt soll er aber wirklich gelungen sein. Nach Angaben der FDP hat sich die schwarz-gelbe Regierung auf die Finanzierung des umstrittenen Militärtransporters Airbus A400M geeinigt. Die Luftwaffe soll allerdings nur noch 40 statt 53 Maschinen direkt von der EADS-Tochter Airbus übernehmen, sagte der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Jürgen Koppelin. Eine Arbeitsgruppe der Koalition werde im Haushaltsausschuss des Bundestags den Antrag stellen, dass 13 der 53 Flugzeuge dem Hersteller Airbus zum Verkauf an Drittkunden überlassen werden.

Im Gegenzug zu diesen Vereinbarungen geben die Liberalen ihre Blockade des milliardenschweren Rettungspakets für den A400M auf, an der das größte europäische Rüstungsprojekt zuletzt zu scheitern drohte. "Die Notwendigkeit einer Erneuerung der Lufttransportflotte der Bundeswehr ist unstrittig", sagte Koppelin. Doch mit der reduzierten Bestellung werde langfristig der Verteidigungsetat entlastet. Zusätzlich soll es Einsparungen bei den künftigen Betriebskosten geben, obwohl diese erst ab dem Haushalt 2016 wirksam werden.

Bereits im November hatte Deutschland Abstriche bei der Bestellung des A400M bekannt gegeben. Damals hieß es, statt der ursprünglich georderten 60 Maschinen sollten nur 53 fest abgenommen werden. Wegen Milliarden-Mehrkosten hatten auch weitere Käufernationen ihre Bestellungen bereits reduziert. Für den Kauf des Flugzeugs entschieden sich Frankreich, Spanien, Belgien, Luxemburg, Großbritannien und die Türkei.

Das A400M-Projekt geriet mit extremen Kostensteigerungen in Schieflage. Im März hatten die sieben Käufernationen sich bereiterklärt, insgesamt 3,5 Milliarden Euro der Mehrkosten mitzutragen, um Europas wichtigstes Rüstungsprojekt zu retten. EADS hatte in den Verhandlungen erklärt, die Gesamtbestellung der sieben Käuferstaaten dürfe sich nicht auf weniger als 170 Maschinen verringern, sonst würde sich das Projekt nicht mehr lohnen. Wegen technischer Probleme liegt das A400M-Projekt um Jahre hinter dem Zeitplan.

Airbus hatte sich 2003 gegenüber den Bestellnationen verpflichtet, 180 Maschinen zu einem Festpreis von 20 Milliarden Euro auszuliefern. Die Verzögerungen in der Entwicklung verursachten jedoch Mehrkosten von 5,2 Milliarden Euro. Seinen Jungfernflug hatte der A400M im Dezember 2009. Die Flugzeuge sollen bei der deutschen Luftwaffe die jahrzehntealten Transportflugzeuge vom Typ C-160 "Transall" ablösen.

mmq/dpa-AFX

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1. Oh nein...
heinz.mann 25.01.2011
Zitat von sysopJetzt sollen es nur noch 40 Flugzeuge werden: Die Bundesregierung hat sich nach FDP-Angaben auf Details zum Kauf des umstrittenen Militärtransporters Airbus A400M geeinigt. Die Bestellung wurde nochmals reduziert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,741516,00.html
wird das wirklich reichen unsere glorreiche Eingreiftruppe künftig schnell zu weltweiten Polizeieinsätzen zu bringen? Wären nicht 80 Transportfluzeuge, samt einem Flugzeugträger bedeutend besser dafür?
2. Dreisatz
zomtec 25.01.2011
Ich hoffe doch sehr, daß man den Kaufpreis der 40 Flugzeuge über den Dreisatz errechnen kann. Nicht, daß der Airbus-Slogan heißt: "40 kaufen, 60 bezahlen!"
3. Hallo
idealist100 25.01.2011
Zitat von zomtecIch hoffe doch sehr, daß man den Kaufpreis der 40 Flugzeuge über den Dreisatz errechnen kann. Nicht, daß der Airbus-Slogan heißt: "40 kaufen, 60 bezahlen!"
Die Gleichung hieß doch schon 60 bezahlen und 53 bekommen. Jetzt gilt halt 60 bezahlen und 40 bekommen aber bei der laufenden Wartung wird ja gespart, anstelle 60 Stück warten sind es halt jetzt nur noch 40. Das wird uns ganz sicher als Alternativlos und Schnäppchen verkauft. Wetten!!
4. Bilanztrick
DonCarlos 28.01.2011
Zitat von idealist100Die Gleichung hieß doch schon 60 bezahlen und 53 bekommen. Jetzt gilt halt 60 bezahlen und 40 bekommen aber bei der laufenden Wartung wird ja gespart, anstelle 60 Stück warten sind es halt jetzt nur noch 40. Das wird uns ganz sicher als Alternativlos und Schnäppchen verkauft. Wetten!!
Falsch gelesen. Es werden weiterhin auch 53 bezahlt aber 13 sollen an andere Interessenten weiterverkauft werden. Ist also eher als ein haushaltstechnischer Trick anzusehen, wenn sich keiner für die 13 Maschinen interessiert und die Luftwaffe sie doch übernehmen muss. Vielleicht nimmt Südafrika die Maschinen für den halben Preis. Man sollte bedenken, dass für alle weiteren Maschinen die Entwicklungskosten nicht mehr so stark durchschlagen werden, wie bei den ersten 180 A400M. Auch kann die Regierung die Bestellung nicht ohne weitere Nebenwirkungen reduzieren. Sonst wollen die Partner mehr Produktion vom A400M in ihren Ländern.
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Airbus: Jungfernflug des A400M

Problemfälle bei Airbus
Airbus A380
Lufthansa
Die Auslieferung des größten Passagierflugzeugs der Welt, des Airbus A380 , musste wiederholt verschoben werden. Das erste Serienflugzeug wurde erst im vierten Quartal 2007 an den ersten Kunden - Singapore Airlines - geliefert und damit fast ein Jahr später als zuletzt geplant. Ursprünglich sollte der erste A380 schon 2005 nach Singapur geliefert werden. Ursache der Verzögerungen waren Schwierigkeiten mit der komplizierten Verkabelung. Wegen der Produktionsprobleme rechnet der Airbus- Mutterkonzern EADS zwischen 2006 und 2010 mit Gewinneinbußen in Höhe von mehreren Milliarden Euro.
Airbus A350
AP
Die zweistrahlige Maschine A350 soll dem erfolgreichen 787 "Dreamliner" des US-Erzrivalen Boeing Paroli bieten. Doch hat Airbus das Konzept für den A350 in den vergangenen Jahren schon mehrfach geändert. Ursprünglich sollten nur die seit 1993 gebauten A330-Jets modernisiert werden. Als das bei Kunden nicht ankam, präsentierte Airbus Ende 2004 ein neues Konzept. Doch auch dieses gefiel vielen Kunden nicht - die Kabine war ihnen zu schmal. Im Juli 2006 kündigte Airbus deshalb an, ein völlig neues Flugzeug namens A350 XWB zu entwickeln. Eigentlich soll es ab 2012 erhältlich sein - doch EADS will nun prüfen, ob es noch genügend Ressourcen für die Entwicklung gibt.
Airbus A400M
dpa
Der Militär-Airbus A400M wurde vor allem den Bedürfnissen der Nato angepasst. Doch schon der frühere Airbus-Chef Christian Streiff räumte Probleme beim Zeitplan für den großräumigen Truppen- und Fahrzeugtransporter ein. Die Maschine sollte eigentlich 2008 ihren ersten Testflug absolvieren, erste Auslieferungen waren für Ende 2009 angepeilt. Die milliardenschwere Entwicklung des Militär-Airbus, der die Transall- und die Hercules-Flugzeuge ablösen soll, gilt als größtes Rüstungsprogramm in Europa. Experten befürchten aber, dass es angesichts der Probleme beim A380 und dem A350 und wegen des Arbeitsaufwands beim A400M an Ingenieurkapazitäten mangeln könnte.

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Fotostrecke: Das Duell zwischen Airbus und Boeing