Abgasskandal US-Justiz verklagt vier ehemalige Audi-Manager

Im Zusammenhang mit dem VW-Dieselskandal sind in den USA vier frühere Audi-Manager angeklagt worden. Die Justiz wirft ihnen vor, Teil einer fast zehn Jahre andauernden Verschwörung gewesen zu sein.

Audi-Wagen
REUTERS

Audi-Wagen


Die US-Justizbehörden wollen im Abgasskandal des Volkswagen-Konzerns nun auch mutmaßlich Verantwortliche von Audi zur Rechenschaft ziehen. Gegen vier Ex-Mitarbeiter der VW-Tochter wurde Anklage erhoben, wie das zuständige Gericht in Detroit mitteilte. Bei den Beschuldigten handelt es sich laut Anklageschrift um ehemalige hochrangige Führungskräfte, die bei Audi etwa für die Motoren- und Dieselentwicklung zuständig waren. Der ehemalige Vorstandschef Rupert Stadler ist nicht darunter.

Den Männern wird vorgeworfen, Teil einer fast zehn Jahre andauernden Verschwörung gewesen zu sein, bei der durch gezielte Manipulation von Emissionstests gegen US-Umweltgesetze verstoßen und Betrug an Kunden begangen worden sei. VW hatte im September 2015 auf Druck der US-Behörden eingeräumt, mithilfe einer speziellen Software in großem Stil bei der Messung von Abgaswerten getrickst zu haben. Der Konzern gab später auch ein Schuldgeständnis bei Gericht ab.

Bei einem US-Prozess würden den angeklagten Ex-Audi-Angestellten harte Strafen drohen. Laut Justizkreisen erschien aber keiner der Beschuldigten bei Gericht, was bedeutet, dass die Männer nicht in Haft sind. Womöglich befinden sie sich wie eine ganze Reihe Angeklagter - darunter auch Ex-VW-Chef Martin Winterkorn - in Deutschland, von wo keine unmittelbare Auslieferung droht.

Auf Konzernebene hat VW die rechtliche Aufarbeitung der Abgasaffäre in den USA nach einigen teuren Kompromissen mit Behörden und privaten Sammelklägern weitgehend abgeschlossen. Der Konzern musste wegen des Skandals hohe Strafen zahlen und hat für Vergleiche in Nordamerika schon über 25 Milliarden Euro an Rechtskosten verbucht. Die US-Justiz hatte jedoch bereits deutlich gemacht, dass die Sache damit nicht ausgestanden ist und die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen hinter dem Betrug andauern.

aar/dpa/Reuters

insgesamt 9 Beiträge
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alternativlos 18.01.2019
1. So langsam gewinnt der Justizskandal
Dass in der Wirtschaft Getrickst, Gelogen und Betrogen wird, dürfte niemanden überraschen, sind doch die juristischen Folgekosten für Entscheidungsträger über Policen rückversichert und bei guter Bilanzführung auch eingepreist. Da, wo dieses fahrlässig unterlassen worden ist, fällt es einem schwer, für die juristischen Personen Mitgefühl zu entwickeln. Für die natürlichen Personen schon eher, haben sie doch in einem rechtsfreien Raum interagiert, die ihnen die unterschiedlichen Rechtskörper zwischen den souveränen Staaten erst ermöglicht haben und nun teilweise völkerrechtlich auch vor Strafmaßnahmen von rechtsgültige Gerichtsurteile geschützt werden. Hierin liegt in den kommenden Monaten noch viel Sprengkraft für die diplomatischen Beziehungen zwischen den Ländern, da man das Gefühl nicht los wird, dass die jeweiligen Regierungen schon zu Beginn des Abgasskandal dieses nicht nur gewusst sondern bewusst lanciert haben, um der Erregungsgesellschaft und ihren Absatzvertretern a la Seibert und Co. ein Schauspiel zu liefern, um von größeren Sauereien ablenken zu können. Hier hat der Rechtsstaat versagt, da er sich offensichtlich hinter völkerrechtlichen Souveränitäten der Nationalstaaten verstecken darf, deren Gültigkeit durch politische Parteien a la AfD von der GroKo stillschweigend befeuert wird; haben viele von diesem System der Elitenförderung doch profitiert. Den Preis für dieses systemische Wirtschaftswunder dürften die krebserkrankten Bürger schon bezahlt haben, die klimapolitische Rechnung wird dagegen wohl noch kommen. Weiterhin Alles Gute
kmgeo 18.01.2019
2. Verschwörung bei Facebook und co?
natürlich ist das US-Law-speak, aber es eröffnet interessante Möglichkeiten: Facebook als Verschwörung gegen Datenautonomie? Amazon als verschwlrung zur Ausbeutung von Auslieferungsfahrern? Uber als Verschwörung gegen Taxi?
scxy² 18.01.2019
3. verklagen ungleich anklagen
Wenn Leserinnen und Leser über einen Vorgang informiert werden sollen, wäre es so schön, wenn SPON die richtigen Begriffe zur Beschreibung des Vorgangs verwenden würde. Anderenfalls kann man auch bei der Konkurrenz vom Boulevard lesen.
Alm Öhi 18.01.2019
4. Ein Wahnsinn
In Deutschland wurde ebenfalls betrogen. Nur leider darf ich jetzt nicht mehr in Stuttgart mit meinem Auto fahren. Schadensersatz gibt es nicht , da ich eine Einzelklage anstrengen müsste. Da mir der Aufwand zu groß ist, werde ich zum Kaufboykott aufrufen.
Judex non calculat 18.01.2019
5. Unpräzise Überschrift
Die Staatsanwaltschaft klagt an. "Verklagt" würde bedeuten, dass die USA eine zivilrechtliche Klage z.B. auf Schadensersatz einreichen...
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