ABN Amro Niederlande wollen Krisenbank privatisieren

Die Regierung der Niederlande will die Spätfolgen der Finanzkrise beseitigen. Sie bereitet den Börsengang der Großbank ABN Amro vor, die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 verstaatlicht wurde. Am Ende der Bankenrettung dürfte für den Staat aber ein klares Minus stehen.

Niederländischer Ministerpräsident Rutte: Chance auf Gewinn ist klein
AFP

Niederländischer Ministerpräsident Rutte: Chance auf Gewinn ist klein


Den Haag - In Deutschland mehren sich die Gerüchte, der Staat könnte aus der teilverstaatlichten Commerzbank aussteigen. Nun schreiten die Niederlande als Beispiel voran: Mehrere Jahre nach der Rettung durch den Staat soll die niederländische Bank ABN Amro an die Börse zurückkehren. Mit diesem Schritt sei frühestens in einem Jahr zu rechnen, teilte das niederländische Finanzministerium mit.

Wie bei der Commerzbank muss sich der Staat allerdings auf herbe Verluste einstellen: Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 hatte der niederländische Staat die Großbank für rund 16,8 Milliarden Euro gekauft und so vor dem Zusammenbruch gerettet. In den Folgejahren investierte der Staat weitere fünf Milliarden Euro in das Geldhaus. Aktuell beziffert das Finanzministerium den Wert des Instituts nur noch auf 15 Milliarden Euro.

"Wir wollen einen möglichst guten Preis erzielen", sagte Ministerpräsident Mark Rutte. "Die Chance, mit Gewinn zu verkaufen, ist klein." ABN Amro begrüßte die Entscheidung der Regierung, erklärte aber, der früheste Zeitpunkt für einen Börsengang sei die erste Jahreshälfte 2015.

Rezession macht ABN Amro zu schaffen

Auch der Versicherer ASR, der ebenfalls im Zuge der Finanzkrise übernommen wurde, solle an die Börse gehen, teilte das Finanzministerium weiter mit. Es schätzt den Firmenwert von ASR auf 2,15 bis 2,3 Milliarden Euro.

Allerdings drohen ABN Amro weitere Risiken: Die Bank bekommt den Preisverfall am niederländischen Immobilienmarkt zu spüren. Der Nettogewinn ging im zweiten Quartal verglichen zum Jahresauftakt um drei Prozent auf 402 Millionen Euro zurück. Grund dafür sind höhere Rückstellungen für faule Kredite, die um 292 Millionen Euro gestiegen sind. "Wir sind besonders von der niederländischen Wirtschaft abhängig und bekommen damit die Rezession zu spüren, das erfordert deutlich höhere Rückstellungen", sagte Bankchef Gerrit Zalm.

Da das Land derzeit in der Rezession stecke, könnte der Berg an faulen Krediten in der Bilanz der Bank noch weiter wachsen, warnte er. In Deutschland ist ABN Amro seit einiger Zeit wieder stärker aktiv und wird vor allem im Mittelstandsgeschäft wahrgenommen.

ade/Reuters/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Morgenstern064 23.08.2013
1. optional
Der Steuerzahler wird's schon berappen. Es ist bestimmt kein Zufall dass der Verlust beim Verkauf der Bank sich auf 6 Milliarden summiert, während den Bürgern ein Steuererhöhungspaket (newspeak: Sparpaket) von 6 Milliarden aufgebrummt wird.
wibo2 23.08.2013
2. Die Regierungen tun so als sei die Finanzkrise überwunden ...
Zitat von sysopAFPDie Regierung der Niederlande will die Spätfolgen der Finanzkrise beseitigen. Sie bereitet den Börsengang der Großbank ABN Amro vor, die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 verstaatlicht wurde. Am Ende der Bankenrettung dürfte für den Staat aber ein klares Minus stehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/abn-amro-niederlande-wollen-gerettete-krisenbank-privatisieren-a-918328.html
Denken Sie, dass die Finanzkrise jetzt vollständig überwunden ist? Die Finanzkrise ist noch nicht überwunden. Die Maßnahmen gegen die Finanzkrise lassen nichts Gutes ahnen. Die Ursache der aktuellen Finanzkrise liegt in der Blasenbildung als Folge der unkontrollierten Geldschöpfung. Aber ... "Es gibt keinen Weg, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu vermeiden, der durch Kreditexpansion erzeugt worden ist." (Ludwig von Mises) Die Entkoppelung der Finanzmärkte von der realen Wirtschaft beeinflussen diese in zunehmenden Maße negativ. Die virtuelle Welt der Finanzmärkte mit ihren buchmäßig bei weitem attraktiveren Renditen schmälern die Investitionen ins Sachkapital. Finanzergebnisse spielen in den Bilanzen der Unternehmen eine immer größere Rolle, Finanzanlagen wachsen schneller als Sachanlagen. Es erscheint Vielen oft immer noch rentabler, das Geld an der Börse arbeiten zu lassen, als selbst damit produktiv zu arbeiten. Das ist eine unnatürliche und gefährliche Entwicklung, die sehr rasch an ihre Grenzen stoßen kann. Auch die Rettung von Banken und Rettung von Ländern in der Eurozone wird demnächst an ihre Grenzen stoßen. Eine Abwicklung der Banken wäre billiger gewesen als die Banker weiter mit hohen Risiken zocken zu lassen. Die Gewinne der Banken in der Eurozone sind dürftig, das wird eine Privatisierung schwieriger machen. Warten wir also erst mal ab, wie die Lage nächstes Jahr dann sein wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.