Erdgasfeld vor Ägypten "Nicht so groß wie in der Nordsee"

Ein 850 Milliarden Kubikmeter großes Erdgasfeld liegt vor Ägyptens Mittelmeerküste. Dieses könnte das Land unabhängig von Importen machen, sagt Energieexperte Steffen Bukold im Interview - aber für ein zweites Saudi-Arabien reiche es nicht.

Gas- und Ölförderplattform (Archivbild): Der italienische Energiekonzern Eni will vor Ägyptens Mittelmeerküste bis zu 850 Milliarden Kubikmeter Erdgas fördern.

Gas- und Ölförderplattform (Archivbild): Der italienische Energiekonzern Eni will vor Ägyptens Mittelmeerküste bis zu 850 Milliarden Kubikmeter Erdgas fördern.

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Ein 850 Milliarden Kubikmeter großes Erdgasfeld soll vor Ägyptens Mittelmeerküste liegen. Das schätzt der italienische Energiekonzern Eni Chart zeigen nach seiner ersten Bohrung. "Es ist der größte Fund, der je im Mittelmeer gemacht wurde", teilt der Konzern stolz mit. Und kündigt gleichzeitig an, dass Ägyptens Gasversorgung damit auf Jahrzehnte hinaus gesichert sei. Allerdings: Das Feld alleine reiche dafür nicht, sagt Steffen Bukold, Gründer des Energie-Forschungsbüros EnergyComment, im SPIEGEL-ONLINE-Interview.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Gasfeld vor Ägypten tatsächlich so riesig, wie der Energiekonzern Eni verspricht?

Bukold: Es ist zumindest ein sehr großes Gasfeld, gerade für Ägypten und das östliche Mittelmeer. Aber es scheint deutlich kleiner zu sein als die großen Vorkommen in der Nordsee - wie zum Beispiel das sogenannte Troll-Feld. Eni schätzt das mögliche Gasvorkommen auf rund 850 Milliarden Kubikmeter. Erst in einigen Jahren wissen wir, welcher Anteil davon tatsächlich gefördert werden kann.

SPIEGEL ONLINE : Was bedeutet das Gasfeld für Ägypten, kann es in Zukunft eine Export-Rolle wie beispielsweise Saudi-Arabien einnehmen?

Bukold: Keineswegs. Aber das Gas kann die heimische ägyptische Nachfrage, die bei etwa 50 Milliarden Kubikmetern pro Jahr liegt, für einige Zeit decken. Andernfalls kann Ägypten das Gas - in verflüssigter Form - mit LNG-Tankern exportieren. Allerdings sind die internationalen Gaspreise zurzeit sehr niedrig und werden es wohl noch einige Jahre bleiben.

SPIEGEL ONLINE : Wenn Ägypten 50 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr verbraucht, dann reichen ja selbst die im besten Fall 850 Milliarden Kubikmeter aus dem neuen Feld nur für wenige Jahre.

Bukold: Richtig. Ägypten hat aber auch noch weitere Felder. Zusammen können sie den Gasbedarf über die nächsten Jahrzehnte sichern. Nach den Problemen in den vergangenen Jahren wäre das ein großer Erfolg.

SPIEGEL ONLINE : Eni kündigt an, spätestens in drei Jahren das erste Gas aus dem neuen Feld zu fördern. Ist das realistisch?

Bukold: Technisch gesehen wohl schon. Wichtiger ist, ob die vertragliche und politische Seite schnell geklärt werden kann. Also: Wer zahlt und wer verdient wie viel.

SPIEGEL ONLINE : Was bedeutet Ägyptens neues Gasvorkommen für Europa? Könnte es sich von Russland unabhängiger machen?

Bukold: Kaum. Dafür ist das ägyptische Gasfeld zu klein. Aber zusammen mit den anderen Funden im östlichen Mittelmeer, etwa vor der Küste Israels, entsteht hier eine neue Gasregion, die vielleicht sogar neue Impulse für eine mögliche Kooperation in dieser Krisenregion geben kann.



insgesamt 12 Beiträge
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1besserwisser1 31.08.2015
1.
Wenn die Ägypter klug wären, würden sie das Feld erst in 30 Jahren anzapfen, wenn Gas teuer wird und nicht bei den Spottpreisen.
Suk-ram 31.08.2015
2.
Zitat von 1besserwisser1Wenn die Ägypter klug wären, würden sie das Feld erst in 30 Jahren anzapfen, wenn Gas teuer wird und nicht bei den Spottpreisen.
Die haben ganz andere Probleme- Bevölkerung Mitte 2015: 89,10 Mio. Bevölkerungsprojektion für 2050: 162,40 Mio.
Volksverretter 31.08.2015
3.
-Aber zusammen mit den anderen Funden im östlichen Mittelmeer, etwa vor der Küste Israels, entsteht hier eine neue Gasregion, die vielleicht sogar neue Impulse für eine mögliche Kooperation in dieser Krisenregion geben kann.- Wann werden denn alle Funde im oestlichen Mittelmeer mal angegangen? Die Griechen sollen ja auch was zu finden haben
ahloui 31.08.2015
4. @1 besserwisser1
sind sie aber nicht :-)
Volksverretter 31.08.2015
5.
Zitat von 1besserwisser1Wenn die Ägypter klug wären, würden sie das Feld erst in 30 Jahren anzapfen, wenn Gas teuer wird und nicht bei den Spottpreisen.
Sie meinen, wie die Griechen G/d-as wohl durchziehen werden?
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