Steigende Honorare: Ärzte bekommen 270 Millionen Euro mehr

Deutschlands Ärzte bekommen mehr Geld. Nach langen Verhandlungen einigten sich die Spitzenverbände von Medizinern und Krankenkassen auf ein Plus von 270 Millionen Euro im Jahr 2013 - nicht genug, meinen die Ärztevertreter.

Ärzte demonstrieren für höhere Honorare: Die Forderungen wurden nicht erfüllt Zur Großansicht
dapd

Ärzte demonstrieren für höhere Honorare: Die Forderungen wurden nicht erfüllt

Berlin - Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland können sich über steigende Honorare freuen. Wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am Donnerstag mitteilte, sollen die Honorare der Mediziner im kommenden Jahr um insgesamt 270 Millionen Euro steigen. Das hatten Vertreter der GKV mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ausgehandelt. Pro Arzt entspricht die Erhöhung im Schnitt 1800 Euro im Jahr.

"Das ist nicht das von den Krankenkassen geforderte Ergebnis, aber eine vernünftige Lösung, die den Interessen beider Seiten entgegenkommt", ließ GKV-Vizechef Johann-Magnus von Stackelberg mitteilen. Für die Beitragszahler bleibe damit der befürchtete große Kostenschub aus.

Die Ärztevertreter gaben sich dagegen unzufrieden: "Seit 2008 wurden Kostensteigerungen und Inflation nicht berücksichtigt", sagte KBV-Chef Andreas Köhler. "Die Stimmung in der Ärzteschaft ist hochexplosiv." An diesem Samstag kommen Hunderte Ärztevertreter aus ganz Deutschland zu einer Sonderversammlung bei der KBV in Berlin zusammen, um über mögliche Konsequenzen zu beraten.

Ärzte und Kassen hatten sich trotz monatelanger Verhandlungen nicht über die Honorare für das Jahr 2013 einigen können, deshalb hatte am Donnerstag der sogenannte Erweiterte Bewertungsausschuss unter Vorsitz des Gesundheitsökonomen Jürgen Wasem nach einem Kompromiss gesucht.

Ursprünglich hatte die KBV für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten rund 3,5 Milliarden Euro mehr Honorar gefordert. Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen wollte dagegen die Vergütung senken, weil aus seiner Sicht die Einnahmen der Ärzte stärker gestiegen seien als die Kosten der Praxen.

Zu der nun beschlossenen Honorarerhöhung kommen voraussichtlich noch einige Millionen aus einer Anhebung der sogenannten Morbiditätsrate hinzu. Die Morbiditätsrate gibt den Krankheitsgrad der Bevölkerung an und entscheidet über die Menge an Leistungen, die die Kassenärzte abrechnen dürfen. Die Verhandlungen zur Festlegung dieses Wertes sind für Montag vorgesehen. Die Ärzte rechnen damit, am Ende rund 300 Millionen Euro mehr zu bekommen.

stk/AFP/dapd/Reuters

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insgesamt 231 Beiträge
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1. Morbiditätsrate
Eva1230 30.08.2012
ist ein zynisches Wort. Es impliziert, dass viele Teilnehmer im Gesundheitswesen nicht das Interesse haben, kranke Patienten gesund zu machen, sondern latent krank zu halten. Mich schüttelt es bei dieser Vorstellung.
2. implizert
beutzemann 30.08.2012
Zitat von Eva1230ist ein zynisches Wort. Es impliziert, dass viele Teilnehmer im Gesundheitswesen nicht das Interesse haben, kranke Patienten gesund zu machen, sondern latent krank zu halten. Mich schüttelt es bei dieser Vorstellung.
Leider ist das im Kapilalismus notwendig: immer mehr und immer mehr an Geld. Da ist das Wort "Impliziert" nicht hergeholt, sondern exakt die Abbildung der Gesellschaftsordnung.
3. Unsinn wohin man schaut -
spon-facebook-10000344807 30.08.2012
- und Unverständnis für die Fakten. Morbiditätsrate als Wort impliziert rein gar nichts - es sei denn man möchte es gerne. Und dass die Ärzte sich freuen können, wenn seit 2008 nicht einmal die Inflationsrate berücksichtigt wird - das ist wohl eher Ironie. Könnte ich dieselben Argumente auch benutzen, um den Mitarbeiterinnen in meiner Arztpraxis zu sagen: "Tut mir leid, Sie haben in den letzten Jahren zu sehr gespart und immer bei Aldi eingekauft - mit der Gehaltserhöhung wird es leider nichts!" Die Ärzte werden abgestraft, weil sie (angeblich) weniger Kosten hatten? Wollen wir jetzt mal über die gefürchtete Zweiklassenmedizin reden, oder ist das auch Unsinn?
4. Qualitätsoffensive
matthias_b. 30.08.2012
Ob es den Ärzten jetzt leichter fallen wird, ihren Patienten wenigstens eine Minute lang zuzuhören, anstatt ihnen über den Mund zu fahren, sie als Hypochonder abzustempeln und sie mit einer Überweisung zum nächsten Arzt hinauszukomplimentieren?
5. optional
pierrotlalune 30.08.2012
1.800 Euro mehr, wieviel Prozente Erhöhung sind das? auf jeden Fall, gehen sehr viele Menschen für dieses Geld einen ganzen Monat arbeiten. Die Kassen haben sich das leichtgemacht, keine lange Verhandlungen, im Gegensatz zu den Überschüssen, die von den Einzahler bezahlt worden sind, diese werden vehement zurückgehalten und nicht weitergegeben, oder vielleicht doch, an die Ärzte? Ich bin Privatpatient und zahle meine Rechnungen selber, von daher weiss ich definitiv, dass ein Arzt sehr gut verdient. Minutenpreislich gesehen, auf die Std. umgerechnet kommen diese auf 350 Euro Stundenlohn, beim einfachen Landarzt, der Orthopäde und Zahnarzt verdienen noch mehr.
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