Berlin - Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland können sich über steigende Honorare freuen. Wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am Donnerstag mitteilte, sollen die Honorare der Mediziner im kommenden Jahr um insgesamt 270 Millionen Euro steigen. Das hatten Vertreter der GKV mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ausgehandelt. Pro Arzt entspricht die Erhöhung im Schnitt 1800 Euro im Jahr.
"Das ist nicht das von den Krankenkassen geforderte Ergebnis, aber eine vernünftige Lösung, die den Interessen beider Seiten entgegenkommt", ließ GKV-Vizechef Johann-Magnus von Stackelberg mitteilen. Für die Beitragszahler bleibe damit der befürchtete große Kostenschub aus.
Die Ärztevertreter gaben sich dagegen unzufrieden: "Seit 2008 wurden Kostensteigerungen und Inflation nicht berücksichtigt", sagte KBV-Chef Andreas Köhler. "Die Stimmung in der Ärzteschaft ist hochexplosiv." An diesem Samstag kommen Hunderte Ärztevertreter aus ganz Deutschland zu einer Sonderversammlung bei der KBV in Berlin zusammen, um über mögliche Konsequenzen zu beraten.
Ärzte und Kassen hatten sich trotz monatelanger Verhandlungen nicht über die Honorare für das Jahr 2013 einigen können, deshalb hatte am Donnerstag der sogenannte Erweiterte Bewertungsausschuss unter Vorsitz des Gesundheitsökonomen Jürgen Wasem nach einem Kompromiss gesucht.
Ursprünglich hatte die KBV für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten rund 3,5 Milliarden Euro mehr Honorar gefordert. Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen wollte dagegen die Vergütung senken, weil aus seiner Sicht die Einnahmen der Ärzte stärker gestiegen seien als die Kosten der Praxen.
Zu der nun beschlossenen Honorarerhöhung kommen voraussichtlich noch einige Millionen aus einer Anhebung der sogenannten Morbiditätsrate hinzu. Die Morbiditätsrate gibt den Krankheitsgrad der Bevölkerung an und entscheidet über die Menge an Leistungen, die die Kassenärzte abrechnen dürfen. Die Verhandlungen zur Festlegung dieses Wertes sind für Montag vorgesehen. Die Ärzte rechnen damit, am Ende rund 300 Millionen Euro mehr zu bekommen.
stk/AFP/dapd/Reuters
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