Düsseldorf - Das könnte teuer werden: Die Krankenkassen rechnen mit einem Kurswechsel der Union bei den laufenden Koalitionsverhandlungen über die geplante Reform der ärztlichen Versorgung. "Wir haben darauf vertraut, dass die Union ihre Ankündigung einhalten wird, die Beitragszahler nicht für zusätzliche Honorarerhöhungen bei Ärzten, Zahnärzten und Krankenhäusern zu belasten," sagte der stellvertretende Vorstandschef des AOK-Bundesverbands Jürgen Graalmann dem Handelsblatt.
Die Ärzte hätten bereits in den vergangenen drei Jahren rund zehn Milliarden Euro mehr erhalten. Inzwischen sehe es aber so aus, als sei die Union auf dem besten Wege, erneut vor der Ärztelobby einzuknicken. Auslöser des Alarmrufs der Ortskrankenkassen sind die überarbeiteten Pläne der Union für das Reformgesetz, mit dem Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) eine drohende ärztliche Unterversorgung in ländlichen Regionen verhindern will.
In ihrem ersten Konzept sei die Union noch von einer ausreichenden Gesamtzahl von Ärzten in Deutschland ausgegangen und habe auf eine bessere Verteilung der vorhandenen Mediziner gesetzt. "Nun steht die empirisch unhaltbare Lyrik eines Ärztemangels im Vordergrund." Es könne nicht sein, dass die Beitragszahler die Zeche dafür zahlen müssten, dass die Politik nicht den Mut habe, auch das Problem der Überversorgung anzugehen, warnte Graalmann.
Besonders beunruhigt sind die Kassen über den Plan, die Richtgrößen für die von den Ärzten veranlassten Verschreibungen von Medikamenten und Heilmitteln abzuschaffen. "Wenn das geschieht, werden die Ärzte wieder alles verordnen, was die Pharmaindustrie ihnen einflüstert, auch wenn es nur teuer und nicht besser ist", warnte Graalmann. Er erwartet allein von der Abschaffung der Richtgrößen Mehrausgaben für die Kassen von zwei Milliarden Euro im Jahr.
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