AfD und Maritim Hotels Wie man sich bettet, so wählt man

Herberge für Rechtspopulisten: Die Hotelgruppe Maritim wird angefeindet, weil die AfD ihren Bundesparteitag in einem Haus der Kette in Köln veranstalten will. Doch eine Stornierung lehnt das Unternehmen ab.

Maritim Hotel in Köln
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Maritim Hotel in Köln

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Auf der Facebook-Seite der Maritim-Hotelgruppe tobt ein Shitstorm, seitdem bekannt wurde, dass das Hotel am 22/23.April in Köln den Bundesparteitag der AfD ausrichtet. "Inakzeptabel, dass Sie dieser rechtspopulistischen Partei eine Bühne zur Verfügung stellen", schrieb ein User. Ein anderer kommentierte: "Das Maritim bietet Nazis eine Herberge", "Gut, dass ich in der braunen Hölle nicht übernachten muss!!!!", heißt es in einem weiteren Post.

Zahlreiche Kölner Bündnisse und Prominente fordern das Hotel seit Tagen dazu auf, die Veranstaltung abzusagen - bisher ohne Erfolg. Das Kölner Bündnis gegen rechts plant im Vorfeld des Bundesparteitags deshalb eine Kampagne gegen die Hotelkette.

Auch Kölner Karnevalskünstler wie die Bands Bläck Fööss, Brings und Höhner drängten das Unternehmen in einem Brief, den Vertrag mit der Partei aufzulösen und die Veranstaltung abzusagen. Studenten der Technischen Hochschule in Köln strichen unterdessen aus Protest gegen den AfD-Parteitag ihren Absolventenball im Maritim-Hotel. "Rassistischen und menschenverachtenden Äußerungen, wie sie in Teilen der AfD getätigt werden, wollen wir entschieden entgegentreten", heißt es in einer Pressemitteilung.

Doch für die Hotelkette blieb es nicht nur bei Protesten und Boykottaufrufen. Nach Angaben des Betriebsrats von Maritim habe es sogar Morddrohungen gegen Mitarbeiter gegeben. "Unsere Kolleginnen und Kollegen werden während ihrer Arbeitszeit im Hotel mit dem Tode bedroht. Uns wird gesagt, dass wir auf keinen Fall an diesen beiden Tagen arbeiten sollten, weil der ganze Bau brennen wird", schrieb der Betriebsrat der Firma in einer Stellungnahme. Die Polizei Köln ermittelt derzeit gegen einen Unbekannten, der im Hotel Mitarbeiter bedroht haben soll.

Die beiden Bündnisse Köln gegen rechts und Kein Veedel für Rassismus distanzierten sich auf Facebook von den Drohungen gegen Maritim-Mitarbeiter: "Die von uns organisierten Proteste richten sich nicht gegen die Belegschaft des Maritim, auch nicht gegen die Beschäftigten, die an diesem Tag arbeiten müssen. Wir wissen, dass viele von ihnen nicht mit der Entscheidung des Hauses einverstanden sind."

Hausverbot für Höcke

Trotz der schweren Proteste hält die Hotelkette an der Veranstaltung fest. Der Vertrag mit der Partei bestehe schon seit mehreren Monaten und werde nicht aufgelöst, teilte das Unternehmen mit.

Die Hotelkette entschied sich aber dazu, dem Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke ein Hausverbot für alle ihre Hotels zu erteilen - das auch für den Bundesparteitag in Köln sowie für private Reisen gilt. Das teilte Geschäftsführer Gerd Prochaska in einer Stellungnahme am Montag mit. Er begründete die Entscheidung mit der Rede Höckes am 17. Januar in Dresden. Dessen Äußerungen seien "absolut nicht vereinbar mit der deutschen Geschichte und unserer Auffassung eines internationalen und offenen Miteinanders".

Zudem heißt es bei Maritim, dass die Proteste und die Anfeindungen durch die AfD-Gegner bereits zu einem Imageschaden für das Unternehmen geführt hätten. "Wir werden deshalb zukünftig sehr genau prüfen, ob wir medienträchtige Veranstaltungen der AfD in den Maritim Hotels durchführen", sagte eine Sprecherin der Hotelkette.

Auch der Bundesverband der AfD will weiterhin am Vertrag mit der Hotelkette festhalten und wie geplant den AfD-Parteitag in Köln ausrichten. "Wir haben seit Jahren gute Geschäftsbeziehungen mit der Maritim-Gruppe und wollen den Vertrag einhalten", sagte ein AfD-Sprecher. Die AfD mietete in der Vergangenheit bereits Maritim-Veranstaltungsräume in Berlin, Stuttgart, Bremen und Gelsenkirchen. Falls das Hotel sich doch dazu entschließen sollte, die Veranstaltung abzusagen, sei man vorbereitet. Die Partei könne dann auf andere Veranstaltungsorte ausweichen.

Denn ist nicht das erste Mal, dass die AfD im Vorfeld einer Veranstaltung Probleme bekommt. Im November 2015 hatte das Congress Hotel in Hannover die Zimmerreservierungen von AfD-Mitgliedern aus Sicherheitsgründen storniert. Und Ende Januar 2017 hatte die Stadt Oberhausen versucht, die Vermietung der städtischen Luise-Albertz-Halle an die Partei zu stoppen. Dagegen war die AfD jedoch beim Landgericht Duisburg erfolgreich juristisch vorgegangen.

Für ihre Entscheidung, weiterhin wie geplant den AfD-Parteitag auszurichten, bekommt die Hotelkette nun auch viel Zuspruch auf ihrer Facebook-Seite. Ein Nutzer schreibt: "Tolles Hotel, tolles Team und vor allem ein toller Chef. Und nach diesem Shitstorm hier, der wieder mal zeigt, wie krank diese linken Typen und Nichtsnutze sind, buche ich erst recht." Ein anderer schreibt: "Wenn ich das nächste Mal in Köln bin, buche ich bei euch und zahl das Doppelte."

So ist die Hotelkette zum Politikum geworden: Den Linken dient sie als Feindbild, den Rechten als Bollwerk gegen die vermeintliche Political Correctness.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 163 Beiträge
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Seite 1
Harry Callahan 13.02.2017
1. Feierabenddemokraten
Viele Menschen in Deutschland scheinen nicht zu kapieren, dass zu einer Demokratie auch die Meinung des Andersdenkenden gehört.
bestrosi 13.02.2017
2. Toleranz
Die AfD mag einem nicht gefallen, sie ist aber weder verboten noch eine zweite NPD. Das gestörte Verhältnis linker und liberaler Gruppen zur Toleranz macht mir die AfD im Gegenteil sogar sympathischer.
rt2323 13.02.2017
3. Demokratie?!
Es gehört zur Demokratie Argumente auszutauschen und nicht den Parteibetrieb zu sabotieren. Werde die AfD nie wählen, aber bin der Meinung die Debatte sollte doch bitte sachlich geführt werden.
m82arcel 13.02.2017
4.
Finde ich ein schwieriges Thema. Ich als Hotelier würde meine Räumlichkeiten der Afd nicht zur Verfügung stellen. Und es macht mir die Hotel-Gruppe auch nicht gerade sympathischer, dass sie es tut. Aber die Afd ist nunmal keine verbotene Partei/Gruppierung und da halte ich die Anfeindungen für überzogen. Und Drohungen gegen Mitarbeiter gehören selbstverständlich verfolgt und bestraft.
hf1205 13.02.2017
5. Es wäre
angebracht diesen Protestierern, die sogar vor Morddrohungen nicht zurück schrecken, einmal einen Grundkurs in Sachen Demokratie und Meinungsfreiheit zu verordnen. Es kann nicht angehen, dass Geschäftsleute bedroht und massiv unter Druck gesetzt werden, weil sie einer demokratisch legitimierten politischen Partei ihre Räume zur Verfügung stellen! Ich hoffe, man geht gegen diejenigen genau so hart vor, die mit ihren Protesten gegen geltendes Recht verstoßen haben, wie man es sonst gegen Neonazis auch tut. Ich hoffe, die Geschäftsleitung bleibt weiter standhaft gegenüber diesen Anfeindungen von Ignoranten des Grundgesetzes!
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