Einzug in Landtage Wirtschaft sieht Wahlsiege der AfD "mit großer Sorge"

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich von den Wahlerfolgen der rechtspopulistischen AfD beunruhigt. Bei Bosch spricht man von "großer Sorge", Industriepräsident Grillo fürchtet abgeschreckte Investoren.

BDI-Chef Ulrich Grillo (Archivbild)
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BDI-Chef Ulrich Grillo (Archivbild)


Die Wahlerfolge der AfD bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt könnten dem Standort Deutschland schaden: Mit dieser Warnung haben sich Vertreter der Wirtschaft zu Wort gemeldet. "Es ist überhaupt nicht auszuschließen, dass der teilweise hohe Zuspruch für rückwärtsgewandte Parteien wie AfD oder Linke Investoren abschreckt", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo.

"Da muss man sich in Sachsen-Anhalt schon Sorgen machen", fügte Grillo mit Blick auf das außergewöhnlich gute Ergebnis der AfD dort hinzu. In dem Bundesland sind die Rechtspopulisten aus dem Stand heraus zur zweitstärksten Partei hinter der CDU aufgestiegen.

Nicht nur Verbandsvertreter wie Grillo äußerten sich am Morgen nach den Wahlen in diese Richtung. Normalerweise meiden Unternehmen selbst Stellungnahmen zu Parteien und überlassen politische Einschätzungen ihren Verbänden. Ein Sprecher des Technologiekonzerns Bosch mit Sitz im baden-württembergischen Gerlingen sagte jedoch: "Als internationales und global agierendes Unternehmen setzen wir uns dafür ein, dass Baden-Württemberg ein weltoffenes Land bleibt. Deswegen sehen wir das Ergebnis der AfD - auch über Baden-Württemberg hinaus - mit großer Sorge." In dem Bundesland hatte die AfD 15,1 Prozent der Stimmen erhalten.

Ökonomen warnen vor Euro-Entwicklung

BDI-Chef Grillo rief die etablierten Parteien angesichts der Wahlergebnissen zum Handeln auf. "Jetzt ist es wichtiger denn je, den Weg zu erklären, wie die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen gelingen kann." Daraus ergäben sich Chancen und Möglichkeiten für Deutschland. Diese seien das beste Rezept gegen rechtspopulistische Tendenzen, fügte Grillo hinzu.

Volkswirte reagierten dagegen gelassener auf die Wahlergebnisse. "Alles ist relativ, und im Vergleich zählt Deutschland immer noch zu den politisch stabilsten und berechenbarsten Ländern in Europa", sagte der Europa-Chefvolkswirt der Nordea Bank, Holger Sandte. "Daher glaube ich nicht, dass das Vordringen der AfD ausländische Investoren abschreckt."

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte voraus, die traditionellen Parteien in Deutschland dürften nun zusammenrücken, um stabile Regierungen zu bilden. Daher sähen ausländische Investoren die politische Stabilität in Deutschland nicht gefährdet. Dennoch bergen die Erfolge der Rechtspopulisten in den Augen von Investoren Risiken - vor allem für die europäische Integration und die Zukunft des Euro, sagte Krämer: "Allerdings fragen sie sich, wie die notwendige Weiterentwicklung der Währungsunion vorangetrieben werden kann, wenn in vielen Ländern anti-europäische Protestparteien auf dem Vormarsch sind."

fdi/Reuters/dpa

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