Brüssel/Athen - Fitch honoriert den Erfolg der größten Umschuldungsaktion aller Zeiten. Als erste Rating-Agentur stufte sie die Kreditwürdigkeit Griechenlands wieder herauf und versah die neuen Staatsanleihen am Dienstag mit der Note "B-" und einem stabilen Ausblick. Es ist das erste Mal seit 2003, dass Fitch die Bonitätsnote des Landes erhöhte.
Noch am Freitag vergangener Woche hatte die Agentur die langfristige Kreditwürdigkeit Griechenlands vorübergehend mit der zweitschlechtesten Note "begrenzter Zahlungsausfall" bewertet. Fitch hatte erklärt, wenn der angekündigte Schuldenschnitt in die Tat umgesetzt sei, werde eine Neubewertung folgen.
Griechenland wurde von den drei großen Rating-Agenturen - außer Fitch sind dies Standard & Poor's und Moody's - seit Ausbruch der Schuldenkrise 2009 ein ums andere Mal heruntergestuft. Dies hatte wiederholt Politiker aus der gesamten EU auf den Plan gerufen, die den Agenturen eine Verschärfung der Krise vorwarfen.
Durch den in der vergangenen Woche erzielten Schuldenschnitt zwischen Athen und den privaten Gläubigern soll der griechische Schuldenberg deutlich verringert werden. Die Euro-Finanzminister hatten daraufhin am Montag grünes Licht für 35,5 Milliarden öffentlicher Hilfen aus dem zweiten Paket von insgesamt 130 Milliarden Euro gegeben, die zur Absicherung des Schuldenschnitts gebraucht werden.
Troika nennt Griechenlands Perspektive "unsicher"
Im Rahmen der historischen Milliarden-Umschuldung hatten sich Banken, Versicherungen und Fonds unter enormen Druck dazu bereiterklärt, Griechenland mehr als 100 Milliarden Euro Schulden zu erlassen, indem sie alte gegen neue Staatsanleihen tauschen. Die neuen Papiere sind allerdings deutlich weniger wert - und als sicher gelten sie auch noch lange nicht: Fitch sieht weiter ein hohes Risiko, dass Griechenland auch die neuen Anleihen nicht bedienen kann, weil es noch immer sehr hoch verschuldet ist und die Wirtschaft tief in der Rezession steckt.
Auch die Europäische Kommission hat trotz der erfolgreichen Umschuldung noch Zweifel an Griechenlands Entwicklung: "Aktuelle Prognosen zeigen große Finanzlücken in den Jahren 2013 und 2014", heißt es in dem Fortschrittsbericht der Kommission, der die Grundlage für die Auszahlung weiterer Hilfen ist. Die Perspektive, dass sich Griechenland nach dem Ende des Hilfspakets ab 2015 wieder allein an den Finanzmärkten versorgen könnte, sei "unsicher", befand die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF).
Die Regierung in Athen müsse in den kommenden beiden Jahren zusätzlich zu dem bereits Geplanten eine Summe einsparen, die 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreiche. Die Einschnitte sollten im Mai beschlossen werden. Allerdings stehen im April Wahlen an, und in der EU nahmen zuletzt die Zweifel zu, eine neue Regierung könne von den bisher gegebenen Zusagen wieder abrücken.
EU und IWF warnten zudem vor den Risiken bei der Sanierung des südeuropäischen Landes. Das jetzt vereinbarte zweite Rettungspaket könne den Schuldenstand bis 2020 auf 116,5 Prozent des BIP senken, hieß es in dem Bericht. Nach einem pessimistischen Szenario könne der Schuldenstand bis 2020 aber wieder auf 145 Prozent ansteigen. Im kommenden Jahr sei allein schon wegen der schweren Rezession erneut eine Quote von deutlich mehr als 160 Prozent zu erwarten.
lgr/AFP/Reuters
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