Neue Staatsanleihen: Rating-Agentur Fitch stuft Griechenland herauf

Der historische Schuldenerlass verschafft Griechenland etwas Luft: Als erste Rating-Agentur hat Fitch die Kreditwürdigkeit des Landes wieder deutlich hochgesetzt. Doch die EU-Kommission warnt in einem neuen Bericht vor weiteren "großen Finanzlücken in den Jahren 2013 und 2014".

Büro von Fitch Ratings in New York: Erste Verbesserung von Griechenlands Note seit 2003 Zur Großansicht
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Büro von Fitch Ratings in New York: Erste Verbesserung von Griechenlands Note seit 2003

Brüssel/Athen - Fitch honoriert den Erfolg der größten Umschuldungsaktion aller Zeiten. Als erste Rating-Agentur stufte sie die Kreditwürdigkeit Griechenlands wieder herauf und versah die neuen Staatsanleihen am Dienstag mit der Note "B-" und einem stabilen Ausblick. Es ist das erste Mal seit 2003, dass Fitch die Bonitätsnote des Landes erhöhte.

Noch am Freitag vergangener Woche hatte die Agentur die langfristige Kreditwürdigkeit Griechenlands vorübergehend mit der zweitschlechtesten Note "begrenzter Zahlungsausfall" bewertet. Fitch hatte erklärt, wenn der angekündigte Schuldenschnitt in die Tat umgesetzt sei, werde eine Neubewertung folgen.

Griechenland wurde von den drei großen Rating-Agenturen - außer Fitch sind dies Standard & Poor's und Moody's - seit Ausbruch der Schuldenkrise 2009 ein ums andere Mal heruntergestuft. Dies hatte wiederholt Politiker aus der gesamten EU auf den Plan gerufen, die den Agenturen eine Verschärfung der Krise vorwarfen.

Durch den in der vergangenen Woche erzielten Schuldenschnitt zwischen Athen und den privaten Gläubigern soll der griechische Schuldenberg deutlich verringert werden. Die Euro-Finanzminister hatten daraufhin am Montag grünes Licht für 35,5 Milliarden öffentlicher Hilfen aus dem zweiten Paket von insgesamt 130 Milliarden Euro gegeben, die zur Absicherung des Schuldenschnitts gebraucht werden.

Troika nennt Griechenlands Perspektive "unsicher"

Im Rahmen der historischen Milliarden-Umschuldung hatten sich Banken, Versicherungen und Fonds unter enormen Druck dazu bereiterklärt, Griechenland mehr als 100 Milliarden Euro Schulden zu erlassen, indem sie alte gegen neue Staatsanleihen tauschen. Die neuen Papiere sind allerdings deutlich weniger wert - und als sicher gelten sie auch noch lange nicht: Fitch sieht weiter ein hohes Risiko, dass Griechenland auch die neuen Anleihen nicht bedienen kann, weil es noch immer sehr hoch verschuldet ist und die Wirtschaft tief in der Rezession steckt.

Auch die Europäische Kommission hat trotz der erfolgreichen Umschuldung noch Zweifel an Griechenlands Entwicklung: "Aktuelle Prognosen zeigen große Finanzlücken in den Jahren 2013 und 2014", heißt es in dem Fortschrittsbericht der Kommission, der die Grundlage für die Auszahlung weiterer Hilfen ist. Die Perspektive, dass sich Griechenland nach dem Ende des Hilfspakets ab 2015 wieder allein an den Finanzmärkten versorgen könnte, sei "unsicher", befand die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF).

Die Regierung in Athen müsse in den kommenden beiden Jahren zusätzlich zu dem bereits Geplanten eine Summe einsparen, die 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreiche. Die Einschnitte sollten im Mai beschlossen werden. Allerdings stehen im April Wahlen an, und in der EU nahmen zuletzt die Zweifel zu, eine neue Regierung könne von den bisher gegebenen Zusagen wieder abrücken.

EU und IWF warnten zudem vor den Risiken bei der Sanierung des südeuropäischen Landes. Das jetzt vereinbarte zweite Rettungspaket könne den Schuldenstand bis 2020 auf 116,5 Prozent des BIP senken, hieß es in dem Bericht. Nach einem pessimistischen Szenario könne der Schuldenstand bis 2020 aber wieder auf 145 Prozent ansteigen. Im kommenden Jahr sei allein schon wegen der schweren Rezession erneut eine Quote von deutlich mehr als 160 Prozent zu erwarten.

lgr/AFP/Reuters

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1. Schon lange nichts mehr gehört
mb52 13.03.2012
Zitat von sysopRatingagentur Fitch stuft Griechenland wieder heraufNeue Staatsanleihen: Rating-Agentur Fitch stuft Griechenland herauf - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,821180,00.html)
"Ratingagentur Fitch stuft Griechenland wieder herauf" Na und? Interessieren dies "Agenturen" irgendwen?
2. ...
kimba2010 13.03.2012
Noch ein paar Schuldenschnitte mehr und das AAA ist wieder da.
3. Rate-Agenturen
dingodog 13.03.2012
Ja klar, die 20-30jährigen Anleihen wird Griechenland bestimmt zurückzahlen. Wenn das passiert, dann nur deshalb, weil man 2042 für 10'000 Euro nur noch eine Flasche Retsina bekommt. Bäh.
4.
Altesocke 14.03.2012
Zitat von sysop- Fitch honoriert den Erfolg der größten Umschuldungsaktion aller Zeiten.
Interessant! Naja, das Spiel muss weitergehen! Mal sehen, ob ich das richtig verstehe: Wenn ich also Schulden habe, und meine Glaeubiger zwinge, 'freiwillig' auf Rueckzahlung in groesserem Ausmass zu verzichten, werde ich Schulden los, und kann wieder Schulden machen, weil ich ein besseres Rating bei der Schufa bekomme. Irgendwie kommt mir das ganze wie ein Perpeteeum mobile vor. Gibt es die also doch!
5. ...
MartinS. 14.03.2012
Zitat von mb52"Ratingagentur Fitch stuft Griechenland wieder herauf" Na und? Interessieren dies "Agenturen" irgendwen?
Griechenland zum Beispiel sehr. Das Rating beeinflusst sehr direkt, wie hoch die Zinszahlungen sein müssen, um überhaupt Abnehmer für Anleihen zu finden. Diese Ratings beeinflussen auch die Wahrscheinlichkeit, ob ihre private Altersvorsorge Gewinn erwirtschaften kann, oder dummerweise sogar Verlust macht... sofern sie keinen Garantiezins haben, wäre es ihnen vermutlich nicht recht, 25 Jahre später weniger Guthaben dort verzeichnen zu können, als sie eingezahlt haben. Und dieses Risiko, ob eine Anlage "sicher" ist, stufen Fondsmanager eben unter anderem anhand der Ratings ein. Aber so ists halt - wen interessiert die Stiftung Warentest, oder irgendein "Vergleich" von Autos, Fernsehern oder Handys... gute Bewertungen können _erkauft_ werden, und wie immer ist vieles ohnehin nur subjektiv. Ob der neue Golf jetzt wirklich besser ist, als der Astra... das lässt sich vermutlich nach Vorliebe interpretieren... trotzdem WILL der Käufer erstmal irgendeine Form von Vergleich sehen. Und genau das ist es eben auch, was Investoren wollen...
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Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung

Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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