Ärger um "neue Bauernregeln" Bauern werfen Umweltministerin Hendricks Mobbing vor

"Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein": Umweltministerin Hendricks (SPD) will "neue Bauernregeln" plakatieren. Bauern und Unionspolitiker sind empört - können aber auch nicht besser reimen.

BMUB

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat mit einer PR-Kampagne ihres Ministeriums einen Koalitionskrach ausgelöst. Ministerkollege Christian Schmidt (CSU), zuständig für Landwirtschaft, fordert Hendricks in einem Brief auf, "die Kampagne sofort zu beenden und sich für den entstandenen Schaden bei den Bäuerinnen und Bauern öffentlich zu entschuldigen". Der Bauernverband sprach von einer "inhaltlichen Bankrotterklärung".

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"Neue Bauernregeln": Reime gegen Gülle

Tags zuvor hatte Hendricks' Ministerium elf "neue Bauernregeln" veröffentlicht, die in 70 deutschen Städten plakatiert werden sollen. Ziel der Kampagne ist, auf Fehlentwicklungen in der Agrarwirtschaft aufmerksam zu machen. So heißt es etwa auf den Plakaten: "Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt." Und: "Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein."

Von deutschen Bauernvertretern gab es zum Teil heftige Kritik. Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern findet, die Kampagne stelle einen ganzen Berufsstand "in die Schmuddelecke". Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg sprach von "diffamierendem Unsinn" und "billigen Beleidigungen". Eine von Bauern im Internet gestartete Petition wirft dem Umweltministerium "staatliches Mobbing des landwirtschaftlichen Berufsstands" vor.

Kritik wurde auch in den Reihen des Koalitionspartners laut. Da werde "in Reimform gegen die Landwirtschaft gehetzt", monierte Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Bundestag. Diese Art der Kampagne sei "nicht kreativ, sondern abgeschmackt", schrieb Connemann auf Facebook.

Überschrift ihres Beitrags: "Spricht die Hendricks über Bauern, bekomme ich das kalte Schauern."

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Minister auf der Grünen Woche: Da beißt man sich durch

beb/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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dertorsten 03.02.2017
1. Getroffene Hunde bellen
Wenn die EU Deutschland wegen der Gülleproblematik schon mit Vertragsverletzungsverfahren disziplinieren muss, damit das Trinkwasser erträgliche Nitatwerte hat, ist es wohl dringend angezeigt hier gegen die Bauernlobby Öffentlichkeit zu schaffen! Die Bauern, die hier verantwortungsbewusst handeln, werden sich sicher nicht angesprochen fühlen.
GelengentlicherStephan 03.02.2017
2. Die arme, nette Agrarindustrie
Nicht gegen die Agrarindustrie hetzen? Wenn diese bereit wäre, Gesetze zum Tier- und Umweltschutz einzuhalten und die Lobby nicht entgegen dem Wunsch der Verbraucher strengere Gesetze blockieren würde, dann hätte sie wohl keine Hetze verdient. Im Gegenteil aber - im Allgemeinen wird nichts unternommen! Selbst eine grüne Landesregierung schafft es nicht Ganzjahresställe für Kühe zu verbieten. Zugegebenermaßen sind die Reime auch nicht mein Geschmack. Aber inhaltlich sind sie doch gar nicht verkehrt. Oder sehen die Herren das etwa anders? Wahscheinlich.
see_baer 03.02.2017
3. wie? Ist das zuviel Realität
für die Herren ? Als Bauernsohn kann ich da nur noch grinsen - Gut gemacht , Frau H.
Luxinsilvae 03.02.2017
4. Wenn spätere Historiker ...
... einmal aufarbeiten, an welcher Form von Dekadenz unser an sich sehr sinnvolles und praktikabeles politische System nach und nach zugrunde gegangen ist, kann man dem Typus Hendricks schon ein eigenes Kapitel widmen. Nein, Frau Hendricks, es ist nicht ihre Aufgabe, Bürger gegenüber anderen Bürgern an den Pranger zu stellen, weil es Ihnen gerade ideologisch in den Kram passt und sie von der eigenen Macht geblendet den Richter spielen wollen. Oder würden Sie auch mit Steuermitteln der Betreffenden in 70 deutschen Städten plakatieren: "Wo es Uhu, Milan und Schwarzstorch an den Kragen geht, sich sicher ein schön großes Windrad dreht"? "Wenn Außendämmungen Schimmel tragen, war die Förderung wohl etwas zu schnell zu haben." Nein, natürlich nicht.
Anton 100 03.02.2017
5. Sind die Regeln denn falsch?
Alles längst diskutierte Fakten, mit einem Augenzwinkern gereimt. Und der Herr Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt von der Konkurrenzpartei? Der hat nichts Besseres zu tun, als sich, und das noch schön politisch korrekt gegendert, aufzuregen: "... sich für den entstandenen Schaden bei den Bäuerinnen und Bauern öffentlich zu entschuldigen". Worin besteht denn der Schaden der Bäuerinnen und Bauern? Dass die Bürger über ertappte Sünder lachen? Das ist doch immer noch besser, als die Agro-Skandale und deren Verursacher, eben auch wieder nur "Bäuerinnen und Bauern" (wenngleich nicht alle) unser Land belasten.
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