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Preissteigerung bei Aktien, Kunst und Immobilien: Reiche profitieren von Luxus-Inflation

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Stadtvillen in Hamburg: Wer hat, dem wird gegeben

Keine Inflation? Von wegen. Um mehr als sieben Prozent sind die Preise zuletzt gestiegen. Nicht im Supermarkt, aber bei Vermögenswerten wie Immobilien, Aktien oder Kunst. Die Entwicklung verläuft schnell - und macht die reicher, die schon viel haben.

Inflation sei in Deutschland kein Thema heißt es seit Monaten von Statistikern und Zentralbanken. Die Verbraucherpreise stiegen demnach zuletzt nur minimal. Anfang des Jahres waren sie sogar gefallen.

Und doch gibt es in Deutschland eine Inflation - allerdings nicht bei den Verbrauchern, sondern bei Vermögenspreisen wie Aktien, Immobilien oder Sammlerobjekten. Das zeigen die Daten des Flossbach von Storch Research Institutes, das vom ehemaligen Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer geleitet wird.

Nach den Daten, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegen, lagen die Vermögenspreise im ersten Quartal 2015 um 7,3 Prozent höher als noch ein Jahr zuvor. Die Verbraucherpreise haben im gleichen Zeitraum etwa stagniert, die Produzentenpreise sind sogar gesunken. Der Abstand zu den Vermögenspreisen ist demnach so hoch wie nie zuvor (siehe Grafik).

Die Vermögensinflation berechnen Mayer und seine Kollegen aus einer ganzen Reihe verschiedener Einzeldaten. Dabei fließen die Wertentwicklungen von Immobilien, Aktien und Spareinlagen mit ein, aber auch die von mittelständischen Familienunternehmen, Gold, und Kunstobjekten.

Hauptgrund für die kräftige Steigerung im ersten Quartal war der Wertzuwachs beim Aktienvermögen, das sich binnen eines Jahres um 21,3 Prozent erhöhte. Die Preise für Sammler- und Spekulationsobjekte wie Oldtimer, Weine oder Gemälde legten um 19,1 Prozent zu. Immobilien wurden um 5,6 Prozent teurer.

Dass die Preise in einigen Bereichen so stark steigen, hat drastische Auswirkungen auf die Vermögensverteilung in Deutschland. Wer Aktien, Immobilien, teure Kunstobjekte oder gar eine eigene Firma besitzt, gehört ohnehin zu den Wohlhabenden und wird nun immer reicher. Der Abstand zu den unteren Schichten vergrößert sich (siehe Grafik).

So wuchs das Vermögen der wohlhabendsten zehn Prozent aller Haushalte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 8,9 Prozent. Bei der zweitreichsten Gruppe, der oberen Mittelschicht, betrug das Plus 6,1 Prozent. Bei der unteren Mittelschicht und den ärmsten 20 Prozent der Haushalte stiegen die Vermögen ebenfalls, allerdings lediglich um 3,7 beziehungsweise 5 Prozent.

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insgesamt 120 Beiträge
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1. Typisch deutsche Debatte..
omop 20.05.2015
würde der deutsche Michel endlich mal eine angemessene Aktienquote halten, würde er genauso an dem Vermögenszuwachs profitieren..jede Mittelschichtfamilie kann einen Teil ihrer Ersparnisse in Aktien anlegen. Wer stattdessen nur auf Sicherheit setzt und Aktien als Teufelszeug ablehnt, sollte dann auch nicht meckern..
2. kein Vertrauen in den Euro
conny1969 20.05.2015
Wer es sich leisten kann legt sein Geld halt in andere Werte an. Das vertrauen in den Euro schwindet immer mehr. Lieber ein Haus für 1 Million, als eine Million auf dem Konto. Ein Haus verliert vielleicht an Wert, beim Euro verliert man vielleicht alles.
3.
abraxas63 20.05.2015
Allein schon der Auftrieb der Aktien zeigt eine Spekulationsblase an, die eventuell in eineinhalb Jahren ihr Ende findet, wenn die EZB aufhört im großen Stil Anleihen aufzukaufen und es am nachschießenden Geld fehlt, bzw. der Euro-Kurs wieder steigt und die Situation der deutschen Firmen sich wieder im Verhältnis zum Dollar verschlechtert. Dies konnte man ja vor kurzer Zeit beobachten, wie die Entscheidung der FED, die Zinsen nicht zu erhöhen, da die amerikanische Wirtschaft bereits unter dem Druck zu kränkeln anfing, die Aktienkurse zwischenzeitlich in Deutschland kräftig fallen ließ. Danach allerdings - Wunder oh Wunder - kündigte die EZB nochmal einen verstärkten Anleihenkauf an für die nächsten Monate. Wir erleben gerade einen veritablen Währungskrieg. Aber natürlich werden die Reichen dadurch reicher. Und es ist auch sonst, wie immer: Den letzten beißen die Hunde...
4. Genauer hinschauen
fahrgast07 20.05.2015
So ganz platt ("Reiche werden reicher") sehe ich die Daten nicht. Aktien kann sich fast jeder leisten, wer das nicht tut ist selber schuld. Dass die untere Mittelschicht schlechter dasteht als die Armen, ist die Folge deutscher Sparstrumpfmentalität. Alles andere ist Spekulation: Mit Oldtimern, Kunst und Immobilien kann man auch viel Geld verheizen, eine lineare Entwicklung ist das nicht. Der Blick in die Vergangenheit zeigt denn auch einen großen Knick.
5. Die eigentliche Frage
CommonSense2006 20.05.2015
ist doch aber, wie die Umsätze in den Bereichen waren, die diese "Wert"-Steigerungen haben. Denn reich ist jemand, der viel Geld hat, nicht jemand, der Gemälde besitzt, für die andere leute ihm viel Geld geben würden. Reich wird er erst, wenn er diese "Werte" liquidiert. Es könnte also ganz gut sein, dass die Preise steigen, aber die Anzahl der gehandelten Objekte eher sinkt, was zugleich der Grund für die Preissteigerung ist. Damit werden die Besitzer der Objekte, die sie nicht verkaufen, um keinen Cent reicher, wenn sie die "Werte" nicht verkaufen.
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