Griechischer Ministerpräsident Tsipras "Der Ball liegt jetzt bei den Gläubigern"

Für Ministerpräsident Alexis Tsipras war die Durchsetzung der Sparreformen im griechischen Parlament ein hartes Stück Arbeit. Jetzt will er, dass sich das auszahlt - in Form von Schuldenerleichterungen.

Ministerpräsident Alexis Tsipras
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Die griechische Regierung hat in der Nacht zum Freitag mit der Billigung eines neuen, umfangreichen Reform- und Sparprogramms die Forderungen der Gläubiger erfüllt. Nun erwarte man, dass auch die Geldgeber ihre Versprechen einhalten, ließ Regierungschef Alexis Tsipras anschließend mitteilen: "Der Ball liegt jetzt im Spielfeld der Gläubiger."

Griechenland setze darauf, dass bei der Tagung der Eurogruppe am kommenden Montag ein Beschluss über die Regelung der griechischen Schulden falle. Dieser müsse den Zugeständnissen gerecht werden, die das griechische Volk erbracht habe, hieß es in der Erklärung weiter.

Das Parlament in Athen hatte in der Nacht zu Freitag ein hartes Sparprogramm mit Rentenkürzungen und der Reduzierung des jährlichen Steuerfreibetrags gebilligt. Insgesamt geht es dabei um Maßnahmen mit einem finanziellen Umfang von 4,9 Milliarden Euro.

In der Schuldenfrage sind Tsipras und der Internationale Währungsfonds (IWF) sich im Grundsatz einig. Der IWF betont seit Monaten, dass die griechische Schuldenlast - zurzeit knapp 180 Prozent des Bruttoinlandprodukts - nicht tragbar sei. Die europäischen Gläubiger hingegen wollten darüber bisher erst im Juni 2018 reden, also nach dem Ende des laufenden Hilfsprogramms.

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mik/dpa

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fridericus1 19.05.2017
1. Es ist immer wieder erschütternd ...
... mitzuverfolgen, wenn sich Staaten oder Politiker gegenüber anderen in eine ausweglose Situation manövrieren und dann auch noch glauben, irgendeinen Verhandlungsspielraum zu haben. Das gilt für die Briten (Brexit) und ganz besonders für die Griechen (faktischer Staatsbankrott durch masslose Staatsverschuldung seit der Euro-Einführung). Kein europäischer Politiker aus den Geberländern, der nicht politische Selbstmord begehen will, wird einem griechischen Schuldenschnitt zustimmen.
joergi61 19.05.2017
2. Da wäre ich mir nicht so sicher.
Vor allem nicht bei einem Kanzler Schulz, und bei Merkel oder Schäuble würde ich meine Hand dafür auch nicht ins Feuer legen, nach allen bisherigen Erfahrungen...
thequickeningishappening 19.05.2017
3. Ironie anzeigen
Geben Wir mal dem Wort Ministerpräsident einfach den Namen President! Erkennen Sie Die durch Die abgeänderte Wortwahl erhaltene Dynamik des Wortes?
ex rostocker 19.05.2017
4. Griechenland hopp, Portugal top
Warum fragt niemand, warum es in Portugal klappt? Konservative und Sozialisten haben dort knallharte Maßnahmen durchgezogen, deren Früchte nun reifen: Die Arbeitslosigkeit hat sich mehr als halbiert (noch 10 Prozent), die Exporte wachsen, die Auslandsportugiesen überweisen wieder Geld nach Hause. Der Mindestlohn konnte erhöht werden. Die Opfer der ärmeren Portugiesen waren enorm, die Einschnitte waren bitter, aber nun ist Land in Sicht. Kann Griechenland daraus nicht lernen ?
hefe21 19.05.2017
5. Von der klassischen Tragödie zum zeitgenössichen Schmierenstück
"Dieser müsse den Zugeständnissen gerecht werden, die das griechische Volk erbracht habe, hieß es in der Erklärung weiter." "Der Ball liegt jetzt im Spielfeld der Gläubiger." - Abgesehen davon, dass jeder, der noch einmal eine vergammelte Fußballmetapher rausschwallt sofort die rote Karte (haha) abbekommen sollte - gibt es für den Wahn der Griechen und ihres Schuldenhäuptlings ein griechisches Wort? Jo, auf dem Gebiet sind oder besser waren diese weltweit führend und es lautet Hybris. Ehrensache, dass die Erfinder es in all seinen Bedeutungsfacetten mit Leben füllen. Aber wer schafft es heute, den Griechen den Unterschied zwischen dem wahren "Sparen" (=Habenbestände aufbauen) und ihrem "Sparen" zu verdeutlichen (=Wegbrechung angemaßter Lebensführung wegen Nihilisierung ihrer Gläubiger und Sponsoren).
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