Moskau-Reise Ukrainischer Wirtschaftsminister rügt Tsipras scharf

Einige Nationen stellten "kurzzeitige ökonomische Vorteile über das Leben von Menschen": Die Kritik aus der Ukraine an Tsipras' Russland-Reise fällt noch heftiger aus als die aus Brüssel. Athen verbittet sich jegliche Bevormundung.

Tsipras in Moskau: "Große Sorge" in der Ukraine
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Tsipras in Moskau: "Große Sorge" in der Ukraine


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Alexis Tsipras bekommt wegen seiner Russland-Reise Ärger von mehreren Seiten. Nicht nur die EU-Partner warnen den griechischen Ministerpräsidenten vor einer Annäherung an Russland. Auch die Ukraine kritisiert den Besuch ungewöhnlich scharf. "In unserem Land wurden Menschen verschleppt, verprügelt, gefoltert und haben ihr Leben verloren, weil sie für die Werte Europas aufgestanden sind", sagte der ukrainische Wirtschaftsminister Aivaras Abromavicius dem "Tagesspiegel". "Es ist enttäuschend zu sehen, dass einige Nationen in Europa kurzzeitige ökonomische Vorteile über das Leben von Menschen heben."

Der Minister warnte zudem die EU-Staaten vor dem Aufweichen ihrer Sanktionen gegen Russland. "Die zunehmende Uneinigkeit und fehlende Geschlossenheit der europäischen Staaten in ihrem Verhältnis zu Russland beobachte ich mit großer Sorge."

Tsipras befindet sich seit diesem Mittwoch zu einem zweitägigen Besuch in Moskau, um über eine engere Wirtschaftszusammenarbeit zu sprechen. Vor einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin legte Tsipras am Mittwoch einen Kranz am Grabmal des Unbekannten Soldaten nieder.

In der EU gibt es Befürchtungen, dass Tsipras sich in Moskau um Finanzhilfen bemühen und im Gegenzug bei den EU-Partnern für eine Lockerung der EU-Sanktionen einsetzen könnte.

Syriza weist Bedenken zurück

Derartige Bedenken wies der griechische Wirtschaftsberater der regierenden Syriza-Partei, Theodoros Paraskevopoulos, zurück. Bei dem Treffen werde nicht über russische Kredite für Griechenland gesprochen, sagte Paraskevopoulos dem RBB-Inforadio am Mittwoch.

Zudem versicherte er, dass sich sein Land an die EU-Sanktionen halten werde, auch wenn es sie kritisch sehe. Bei der Visite gehe es um russische Investitionen und den Export griechischer Agrarprodukte, sagte der Regierungsberater. Experten halten es etwa für denkbar, dass Russland seinen Importstopp für griechisches Obst sowie für Fisch und Milchprodukte aufhebt.

Nach Angaben aus Moskau geht es bei den Gesprächen außerdem um Rabatte bei russischen Gaslieferungen an Griechenland. Die Russen wollen auch eine Beteiligung der Griechen an der neuen Gas-Pipeline Turkish Stream erreichen, die durch das Schwarze Meer und in der Türkei verlegt werden soll.

Auch in der EU sind die Bedenken gegen die russisch-griechische Annäherung groß. Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling etwa warnte Griechenland vor einem Bündnis mit Russland. "Ich halte das für nicht sehr klug, was hier passiert", sagte Schelling. "Wir sind mitten in den Endverhandlungen für die Finanzierung Griechenlands, und ich glaube, das ist kein gutes Spiel, das hier getrieben wird."

Dass Gespräche stattfinden, sei völlig normal, sagte Schelling. "Aber vor einer Annäherung würde ich dringend warnen." Schließlich sei Griechenland Teil der EU, und diese habe zum Vorgehen Russlands auch im Ukraine-Konflikt eindeutig Stellung bezogen.

Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlament, Elmar Brok (CDU), und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) hatten verärgert auf Tsipras' Besuch in Moskau reagiert - und ihrerseits mit Konsequenzen gedroht.

In Athen kommen solche Statements offenbar gar nicht gut an. Diverse Ratschläge hätten die Ebene einer Bevormundung erreicht, verlautete am Mittwoch aus Kreisen der griechischen Regierung. Griechenland sei ein altes Mitglied der EU und wisse, wie es handeln solle.

Zusammengefasst: Griechenlands Ministerpräsident ist am Mittwoch und Donnerstag zu Gast in Moskau. In Gesprächen mit Russlands Präsident Wladimir Putin soll es offiziell um Handel und Investitionen gehen. Doch sowohl aus Brüssel als auch aus der Ukraine gibt es heftige Kritik, weil Griechenland damit die einheitliche Haltung der EU im Ukraine-Konflikt unterlaufe.

stk/AFP/Reuters

insgesamt 242 Beiträge
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Seite 1
testi 08.04.2015
1. Na schauen wir mal
Mal abwarten was am Ende dabei rum kommt. Wäre ja nicht das erste Mal, dass sich die Griechische Regierung nicht an das zuvor Versprochene hält.
jetzttexteich 08.04.2015
2. jeder sollte erst einmal...
vor seiner eigenen Türe kehren!
Az. 08.04.2015
3. Seit wann ist die Ukraine
Abromavicius' Land?
vitalik 08.04.2015
4.
Wo ist das Problem? Soll doch Russland das Geld in Griechenland verbrennen. Die EU hat es schon zu genüge getan, lasst die anderen auch mal.
panzerknacker51 08.04.2015
5. der ukrainische Wirtschaftsminister?
ausgerechnet
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