Privatisierung in Griechenland Hafenarbeiter streiken gegen Tsipras

Hafenarbeiter in Griechenland kämpfen um Piräus und Thessaloniki: Die geplante Privatisierung der beiden wichtigsten Häfen hat eine Streikwelle ausgelöst - die erste in der neuen Amtszeit von Premier Alexis Tsipras.

Neue Demos gegen die Sparpolitik in Athen: Widerstand wächst
AFP

Neue Demos gegen die Sparpolitik in Athen: Widerstand wächst


Der griechische Premier Alexis Tsipras stößt mit seinen Privatisierungsplänen auf Gegenwehr. Hafenarbeiter legten am Mittwoch für mehrere Stunden ihre Arbeit nieder. Ein 24-stündiger Streik am Donnerstag soll die Handelsschifffahrt lahmlegen.

Wie der Präsident der Gewerkschaft der Hafenarbeiter, Giorgos Georgakopoulos, im griechischen Rundfunk sagte, wenden sich die Arbeitnehmer gegen Pläne der Regierung, die beiden wichtigsten Häfen des Landes in Piräus und Thessaloniki zu privatisieren.

Die Tsipras-Regierung hatte am 16. Oktober ein Reformpaket auf den Weg gebracht. Vorgesehen sind unter anderem ein höheres Rentenalter, weniger Anreize zur Frühverrentung und Maßnahmen im Kampf gegen die Steuerhinterziehung.

Auch Landwirte wollen streiken

Anfang November soll das griechische Parlament ein weiteres Sparpaket billigen, darunter auch die Abschaffung aller Steuererleichterungen für Bauern. Nur wenn Griechenland diese Sparmaßnahmen umsetzt, kann Tsipras darauf hoffen, dass die internationalen Gläubiger die nächste Tranche der Finanzhilfe in Höhe von zwei Milliarden Euro auszahlen.

Doch der Widerstand wächst. Die Proteste der Hafenarbeiter sind der Auftakt zur ersten größeren Streikwelle, mit der sich die neue Links-Rechts-Regierung konfrontiert sieht. Weitere Streiks sind in den kommenden Tagen geplant.

Landwirte haben bereits Demonstrationen mit Blockaden von wichtigen Straßenverbindungen angekündigt. Am 12. November wollen die beiden größten Gewerkschaftsverbände streiken.

Die Geldgeber haben derweil am Mittwoch begonnen, die geforderten Reformen zu überprüfen: Haushaltssanierung, Änderungen im Rentensystem und die Rekapitalisierung der Banken. Dies teilte ein griechischer Regierungsvertreter am Mittwoch mit.

"Es war ein Vorbereitungstreffen. Dabei wurde erörtert, wie wir vorgehen", erläuterte Finanzminister Euklidis Tsakalotos.

An den Gesprächen nehmen auf europäischer Seite Vertreter der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie des Euro-Rettungsschirms ESM teil.

Griechenlands Finanzminister Euklidis Tsakalotos: Neue Gespräche mit Geldgebern
REUTERS

Griechenlands Finanzminister Euklidis Tsakalotos: Neue Gespräche mit Geldgebern

bos/dpa/Reuters

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insgesamt 22 Beiträge
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Leser1000 21.10.2015
1. Na ja
..aus Sicht der Betroffenen verständlich.Wahrscheinlich wird nach einer Privatisierung in der Tat einiges anders werden.Aber Griechenland muss sich halt entscheiden: Im eigenen "Saft" kochen mit nur begrenzter EU Hilfe oder Hilfe und Produktivitäts-/Effektivitätssteigerung mit der EU, die dann auch eigene Risiken übernimmt; aber eigentlich ist die -sicher harte - Entscheidung ja gefallen.
butzibart13 21.10.2015
2. keine schöne Situation
Bei einer Privatisierung werden die "unnützen" Hafenarbeiter entlassen, vermutlich nicht so wenige. Bei einer Nicht-Privatisierung dürfte irgendwann das Geld fehlen, um alle adäquat zu bezahlen. Trotzdem erscheint mir eine Privatisierung als Neustart erstmal besser als in dem alten Zustand zu verharren.
manniac 21.10.2015
3. Interessant, interessant ...
EU-Kommission, EZB und ESM nehmen also an dem geplanten Treffen zur Überprüfung der Reformen teil. Aber wo bleibt der IWF? Lt. Merkel ist doch die Bedingung, daß der IWF im Boot bleiben muss. Oder sehe ich das falsch?
nada33 21.10.2015
4. Nein,
sie streiken eben nicht gegen Tsipras! Die Arbeiter streiken gegen die Privatisierung, die die europäischen Geldgeber (und "Tafelsilber" günstig Erwerbenden) der griechischen Regierung unter Druck auferlegt haben. Tsipras hatte sich zusammen mit Varoufakis lange dagegen gewehrt. Welch ein Hohn, jetzt in einer Überschrift Gegenteiliges nahezulegen. Und dann wundern Sie sich darüber, wie die deutsche Presse in letzter Zeit tituliert wird?!
Ossifriese 21.10.2015
5. Europäer
Vielleicht setzen sich einmal EU-Vertreter und Hafenarbeiter zusammen und entwickeln einen Sozialplan? Die Privatisierungen sind eine Sache, eine ganz andere aber die Forderungen der Hafenarbeiter, die bestimmt nicht grund- oder rücksichtslos sind. Die EU fordert Maßnahmen von der griechischen Regierung, die das Volk hart treffen werden. Dann sollen sich auch die EU-Vertreter mit den Betroffenen auseinandersetzen. Das wäre Demokratie, die ja schließlich nicht vor den Toren Brüssels endet. Die Griechen sind auch europäische Bürger, nicht nur Schuldner!
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