Alternde Bevölkerung: Zahl der Pflegebedürftigen steigt um 16 Prozent

Die Deutschen werden immer älter, und damit steigt auch die Zahl der Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind. Laut Statistischem Bundesamt gibt es inzwischen sehr viel mehr Pflegebedürftige, die zu Hause versorgt werden - meist von Familienmitgliedern.

Altenpflege: Weniger als ein Drittel der Pflegebedürftigen lebt im Pflegeheim Zur Großansicht
dapd

Altenpflege: Weniger als ein Drittel der Pflegebedürftigen lebt im Pflegeheim

Wiesbaden - Rund 2,34 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig - so viele wie nie zuvor. Und die Tendenz ist steigend. 83 Prozent der Pflegebedürftigen sind mindestens 65 Jahre alt, ein gutes Drittel ist älter als 85 Jahre. Mehr als zwei Drittel sind Frauen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Die Zahlen wurden im Dezember 2009 erhoben. Zehn Jahre zuvor, bei der ersten Bestandsaufnahme, zählten die Statistiker noch 322.000 weniger Pflegebedürftige. Das heißt: Die Zahl der Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, ist seit 1999 um 16 Prozent gestiegen. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre kamen rund 91.000 Pflegebedürftige dazu (plus 4,1 Prozent).

Mehr als zwei Drittel, also über 1,6 Millionen Menschen, werden derzeit zu Hause versorgt. Dabei wird der Großteil von ihnen ausschließlich von Angehörigen gepflegt. Weniger als ein Drittel der Pflegebedürftigen lebt in einem Heim.

Aber auch die Zahl der Menschen, die ambulante Dienste in Anspruch nehmen, ist seit 2007 deutlich gestiegen - um mehr als zehn Prozent. Als Hauptgrund nennen die Statistiker die Reform der Pflegeversicherung im Sommer 2008, nach der ambulante Leistungen insbesondere für Demenzkranke erhöht wurden.

cte/AFP/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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1. Wehrpflicht-Schnellschuss ohne Hirn
der.honk 21.02.2011
Zitat von sysopDie Deutschen werden immer älter, und damit steigt auch die Zahl der Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind. Laut Statistischem Bundesamt gibt es inzwischen sehr viel mehr Pflegebedürftige, die zu Hause versorgt werden -*meist von Familienmitgliedern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,746772,00.html
Anstatt die Wehrpflicht ersatzlos zu streichen, hätte man eine Zivildienstpflicht schaffen können - die der Dienstpflichtige alternativ durch Wehrdienst erfüllen kann. Auf diese Weise wäre manch ein verzogenes Früchtchen mit Realitäten in Berührung gekommen, die seinen (dank der Eltern) verqueren Blick auf die Wirklichkeit in Deutschland zurechtgerückt hätte. Und mit verzogenen Früchtchen meine ich nicht nur die Kinder wohlhabender Schichten ... Leider fehlt der politische Weitblick für derartige Dinge.
2. fremde Hilfe ? warum eigentlich?
redpirate37 21.02.2011
die Zahl der Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind wird verursacht durch die Zahl der kaputt regierten Familien und Angehörigen die es schnicht leisten können ihre Eltern selbst zu pflegen. Das nicht wollen und Krankheit / Unfall versursachte Pflegefälle ist der kleinere Teil des Problems. Wenn man in der Stadt in einem Kaninchenkasten + WC wohnen soll/ muss in Zeit / Leiharbeit ist / Mehrfachjobs hat / Dauerstress hat kann man keine Angehörigen aufnehmen. Eine Folge des höher, schneller, weiter, mehr Wachstum & Rendite ist die fortschreitende Zerstörung des Alltags der Familien. Die Kosten trägt, wie immer, die Allgemeinheit, nicht der Profiteur an der Börse.
3. ...
LouisWu 21.02.2011
Zitat von sysopDie Deutschen werden immer älter, und damit steigt auch die Zahl der Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind. Laut Statistischem Bundesamt gibt es inzwischen sehr viel mehr Pflegebedürftige, die zu Hause versorgt werden -*meist von Familienmitgliedern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,746772,00.html
Im Allgemeinen neige ich nicht zum Pessimismus, aber die zu erwartenden demographischen Veränderungen lassen wirklich nichts Gutes ahnen. Im Moment füllt noch die 1920er-1930er Generation die Pflegeheime, eine Generation die durch den Krieg geschwächt und auch dezimiert wurde. Wenn erst mal - so um 2040 - die Babyboomer ins Pflegealter kommen, dann wird's zappenduster. Die sind kinderarm (weil selbstverwirklichungsfixiert), körperlich fast unsterblich und anspruchsvoll. Mangels eigener Kinder wird sich evtl. das Verhältnis "Pflege zu Hause" zu Heimpflege umdrehen, mit immensen Kosten für die Gesellschaft. Denn ein PS-II Heimplatz kostet ca. 3200,-EUR. Pro Monat, versteht sich. Dann wird ein 30-jähriger "Werktätiger" sich um seine 90-jährigen Großeltern, um seine 60-jährigen Eltern und evtl. auch noch um seine eigenen Kinder kümmern müssen. Arbeiten gehen muß er auch noch, um die Steuern für die Versorgung aller Versorgungsempfänger abdrücken zu können.
4. nt
k4l 21.02.2011
Zitat von der.honkAnstatt die Wehrpflicht ersatzlos zu streichen, hätte man eine Zivildienstpflicht schaffen können - die der Dienstpflichtige alternativ durch Wehrdienst erfüllen kann. Auf diese Weise wäre manch ein.....
iwie ist zwangsarbeit nicht aus den koepfen der menschen zu verbannen...
5. ....
mm01 21.02.2011
"Rund 2,34 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig" Nicht nur in Deutschland: "So entsteht eine Schieflage: Während die peniblen Vorgaben der Pflegeversicherung Alte und Behinderte im Inland zwingen, über die Häufigkeit des Urinierens Buch zu führen, könnten die in Deutschland lebenden Ausländer ihre Eltern auf Sizilien oder behinderte Kinder auf Lesbos weitgehend unbehelligt von Kontrollen zu Lasten der Beitragszahler pflegen lassen. Womöglich seien deutsche Kontrollen im Ausland gar nicht zulässig, weil sie die Hoheitsrechte anderer EU-Staaten verletzen, fürchten Experten im Arbeitsministerium." http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7866540.html
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Pflegeversicherungsstufen
Pflegeversicherung
Unter dem Sammelbegriff Pflegeversicherung werden die Versicherungen zur finanziellen Vorsorge gegen das Risiko der Pflegebedürftigkeit zusammengefasst. In Deutschland sind alle krankenversicherungspflichtigen Personen pflegeversichert. Träger der Pflegeversicherung sind die Pflegekassen , die organisatorisch zu den gesetzlichen Krankenkassen gehören. Ob und in welchem Maße eine Person pflegebedürftig ist, entscheidet der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) ; er legt auch die Zuordnung in bestimmte Pflegestufen (I-III) fest. Die pauschalierten Geld- und Sachleistungen bzw. die Kosten für Pflegekräfte sind ein Zuschuss zu den Kosten für die Pflege. Die finanzielle Unterstützung ist nach dem Schweregrad der Pflegebedürftigkeit gestaffelt.
Pflegestufe 0
Um die Pflegestufe I zu erreichen, müssen täglich durchschnittlich mindestens 90 Minuten Hilfe geleistet werden, wovon mehr als 45 Minuten auf die Grundpflege der pflegebedürftigen Person entfallen müssen. Benötigt eine Person weniger Hilfe, bzw. sind die genannten Voraussetzungen für die Pflegestufe I nicht erfüllt, spricht man von der "Pflegestufe 0".
In diesem Fall kann einer pflegebedürftigen Person bei der Begutachtung durch den MDK eine "eingeschränkte Alltagskompetenz" bescheinigt werden. Sie berechtigt, bestimmte Zusatzangebote im Umfang von bis zu 2400 Euro pro Jahr in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus kann der MDK auch Menschen ohne Pflegestufe I bescheinigen, dass eine vollstationäre Pflege notwendig ist.
Pflegestufe I
Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige): Hierunter fallen Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität (der sogenannten Grundpflege ) für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich Hilfe und zusätzlich mehrfach in der Woche Unterstützung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Um die Pflegestufe 1 zu erreichen, müssen regelmäßig und auf Dauer, täglich und durchschnittlich mindestens 90 Minuten Hilfe geleistet werden und davon wiederum mehr als 45 Minuten auf mindestens zwei Verrichtungen der Grundpflege entfallen.
Pflegestufe II
Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftige): Hier ist mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten Hilfe notwendig und zusätzlich mehrfach in der Woche bei hauswirtschaftlichen Verrichtungen. Der zeitliche Umfang der Hilfe muss täglich durchschnittlich mindestens drei Stunden betragen; mindestens zwei Stunden davon müssen auf die Grundpflege entfallen.
Pflegestufe III
Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftige): Hierzu zählen Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität ( Grundpflege ) täglich rund um die Uhr, auch nachts, Hilfe von mindestens fünf Stunden benötigen sowie zusätzlich mehrfach in der Woche Unterstützung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung brauchen.