Berlin - Von Männern und Frauen über 65 Jahren, die eigentlich Grundsicherung bekommen könnten, beziehen weniger als die Hälfte tatsächlich Leistungen. Dies ergibt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Hunderttausende alte Menschen verzichten demnach aus Scham und Angst auf ihnen zustehendes Geld. Der Studie zufolge bezogen von rund einer Million Menschen ab 65 Jahren nur 340.000 Leistungen, die ihnen zustehen. Das bedeutet: 68 Prozent verzichteten auf Geld. Selbst wenn man Eigenheimbesitzer pauschal als nicht anspruchsberechtigt annimmt, liegt die Quote noch immer bei 57 Prozent.
Wer nur eine Minirente bekommt, kann beim Sozialamt seit 2003 die Grundsicherung beantragen - und so seine Bezüge wenigstens auf Hartz-IV-Niveau aufstocken. Im Unterschied zur "normalen" Sozialhilfe brauchen die Empfänger in der Regel nicht mehr zu fürchten, dass das Amt sich das Geld bei ihren Kindern zurückholt.
Viele Betroffene praktizierten lieber eine "eiserne Ausgabendisziplin" als zum Sozialamt zu gehen, hieß es. Wie viele Menschen sich so verhielten, sei aber schwer zu sagen. Denn sie tauchten in keiner amtlichen Statistik auf. Andere wüssten nicht, dass ihnen die Zuschüsse zustehen.
Wenn es bei der Studie der Böckler-Stiftung Verzerrungen gebe, dann würde die verdeckte Armut eher unterschätzt, hieß es. Denn Menschen, die den Gang zum Sozialamt scheuen, würden auch überdurchschnittlich häufig vor der Teilnahme an Befragungen zurückschrecken.
Die Bezieher der Grundsicherung erhalten im Schnitt eine gesetzliche Rente von 549 Euro brutto im Monat - von denen sie ihre Krankenkassenbeiträge bezahlen müssen. Ihre Altersbezüge bekommen sie durch die Grundssicherung aufgestockt: Der Regelsatz für Alleinstehende liegt bei 374 Euro, hinzu kommen die regional variierenden Kosten der Unterkunft.
Das Konzept einer Zuschussrente von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht vor, die Altersbezüge von Menschen mit geringem Einkommen über die Grundsicherung hinaus auf einen Betrag von bis zu 850 Euro aufzustocken. Die SPD verfolgt ähnliche Pläne, will diese aber anders als von der Leyen nicht durch die Rentenbeiträge, sondern durch Steuern finanzieren.
lei/AFP/dapd
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