Altersarmut in Deutschland Mehr Rente für Erwerbsunfähige

Eines der größten Risiken für Altersarmut wird etwas kleiner: Nach SPIEGEL-Informationen steigen die Zahlungen an Invaliden.

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Gute Nachrichten für Erwerbsgeminderte: Die durchschnittliche Rentenzahlung an Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden müssen, ist in den vergangenen fünf Jahren um 17 Prozent gewachsen. Wie aus Statistiken der Deutschen Rentenversicherung Bund hervorgeht, stieg die gesetzliche Erwerbsminderungsrente für die betroffenen Neurentner im Jahr 2017 auf durchschnittlich 716 Euro. Im Jahr 2016 hatte dieser Betrag noch bei 697 Euro gelegen, 2013 bei nur 613 Euro. Grund für den Anstieg ist neben der positiven Wirtschaftslage auch eine Reform aus dem Jahr 2014.

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Da Experten diese und andere Verbesserungen aber noch nicht für ausreichend halten, will die Bundesregierung für weitere Erleichterungen sorgen. Die Rentenversicherung begrüßt das Vorhaben. Bei den Erwerbsgeminderten sei das Risiko der Altersarmut "deutlich höher" als bei anderen Rentnern, heißt es dort. Derzeit stocken etwa drei Prozent der normalen Altersrentner über 65 ihr Einkommen mit staatlicher Grundsicherung auf - bei den Erwerbsgeminderten sind es knapp 15 Prozent.

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insgesamt 31 Beiträge
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dasfred 04.08.2018
1. Das nicht noch mehr aufstocken,
ist nicht das Verdienst der gesetzlichen Regelung. Viele leben noch in einer Partnerschaft, wo der Partner noch ausreichend zum Familieneinkommen beiträgt. Hier wird wieder unterschlagen, dass die Erwerbsminderungsrenten vor Jahren massiv gesenkt wurden. Schließlich haben Kranke und Behinderte keine Lobby. Was jetzt angehoben wird, kommt in erster Linie den Kommunen zu Gute, die dann weniger Sozialhilfe zahlen müssen.
marthaimschnee 04.08.2018
2. Wow!
Wahnsinn, 716 Euro. Na davon kann man ja richtig Party machen, so als Erwerbsunfähiger. Wenn man sich anschaut, daß für Erwerbsunfähigkeit zu 100% gesundheitliche Gründe verantwortlich sind und die Maßstäbe, die der Staat zur Feststellung der Erwerbsunfähigkeit die Definition "Kopf unterm Arm" erfüllen müssen, wäre vermutlich selbst das Doppelte eine lächerliche Summe. Es bleibt dabei, statt eines funktionierenden Sozialsystems verteilt der Staat Almosen und wundert sich dann auch noch, daß die Bereitschaft, die regierenden Parteien zu wählen, radikal nach unten geht.
dorok 04.08.2018
3. Augenwischerei
Das wichtige Stichwort in dieser Angelegenheit ist "Neurentner". Die Politik (und allen voran die damalige Bundessozialministerin Nahles, ebenso wie nun ihr Nachfolger Heil) wollen zwar erkannt haben, dass mit der Erwerbsminderungs- bzw. -unfähigkeitsrente einiges im Argen liegt, ändern wollen sie dieses aber nur für zukünftige Neu-Erwerbsunfähige. Das heißt, diejenigen, die bereits jetzt erwerbsunfähig berentet sind, und deren Elend überhaupt erst die Missstände aufdeckten, gingen schon nach der Nahles-Reform leer aus, und sie werden auch nach den Plänen des aktuellen Sozialministers Heil leer ausgehen. Denn für Bestandsrentner sollen die Verbesserungen nicht gelten. Nur zukünftige Neurentner sollen von den Verbesserungen profitiren. Die Logik dahinter erschließt sich zwar nicht, aber Hauptsache, die Öffentlichkeit glaubt, die Politik führe "Verbesserungen für EU-Rentner" ein. Und die Medien spielen die Täuschungsspielchen auch noch mit, statt den Widerspruch aufzudecken, dass trotz Neuerungen ein Großteil der EU-Rentner in Armut verbleiben muss.
sail118 04.08.2018
4. Ein guter Schritt
Wenn nicht - wie immer - das Geld statt aus Steuern von den Beitragszahlern käme , die damit ihre eigene Rente schmälern.
marcaurel1957 04.08.2018
5.
Zitat von marthaimschneeWahnsinn, 716 Euro. Na davon kann man ja richtig Party machen, so als Erwerbsunfähiger. Wenn man sich anschaut, daß für Erwerbsunfähigkeit zu 100% gesundheitliche Gründe verantwortlich sind und die Maßstäbe, die der Staat zur Feststellung der Erwerbsunfähigkeit die Definition "Kopf unterm Arm" erfüllen müssen, wäre vermutlich selbst das Doppelte eine lächerliche Summe. Es bleibt dabei, statt eines funktionierenden Sozialsystems verteilt der Staat Almosen und wundert sich dann auch noch, daß die Bereitschaft, die regierenden Parteien zu wählen, radikal nach unten geht.
Wir haben ein ausgezeichnetes Sozialsystem, dass auch noch nie so teuer war wie heute. Dennoch kann der Staat nicht alles bezahlen jeder hat die Möglichkeit, sich hier privat abzusichern.
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